Bauernkaviar aus dem Naturpark Zillertal

Anrika, die "Wunderblume" blüht auch im Naturpark Zillertal. Foto: Werner Kräutler

Kennt ihr „Bauernkaviar“? Zugegeben: ich habe ihn im letzten Jahr das erste Mal gegessen. Besser gesagt: genossen. Denn genauso lange beschäftige ich mich intensiv mit den Produkten aus der „Apotheke Gottes“, die im Zillertal auch gleichzeitig als Haubenlokal firmiert. Der Naturpark Zillertal bietet nämlich mehr als nur fantastische Berge, grün-blaues Gewässer oder schimmernde Ferner.

 

Zuallererst möchte ich Euch Mut machen. Nach einigen Führungen mit kräuterkundigen Menschen ist man in der Lage, zumindest jene Kräuter zu erkennen, die auf dem Teller von immer mehr Gourmets landen. Und es ist kein Wunder, dass Wildkräuter seit geraumer Zeit die heimlichen Stars der Sozialen Medien sind. Denn immer mehr Menschen lieben es, auf ihren Wanderungen und Spaziergängen Kräuter zu sammeln, um diese anschließend kulinarisch zu verarbeiten. Einer intensiven Beschäftigung mit den wohlschmeckenden und vor allem sehr gesunden Kräutern steht also nichts mehr im Weg.

Wildkräuter sind meine persönliche Entdeckung schlechthin. Viele dieser Pflanzen werden des öfteren und abschätzig als „Unkraut“ bezeichnet. Völlig zu unrecht, wie sich bei genauerem Hinsehen und ‚Hinschmecken‘ herausstellt. Denn viele dieser Kräutlein, die auf Wiesen und in Bergeshöhen wachsen, sind durch ihre Inhaltsstoffe wahre Vitamin- und Mineralbomben. Einige Beispiele gefällig?

Bergthymian oder Quendel: der Duft des Naturparks Zillertal

Wer kennt sie nicht, die wunderbaren Duftwolken, die Bergwanderer im Naturpark Zillertal an schönen Tagen umhüllen. Dass es sich dabei um ein ganz fantastisches „Küchenkraut“, handelt, möchte man beim ersten „Hinschmecken“ gar nicht vermuten. Es handelt sich um Quendel, wie der Bergthymian auch genannt wird, der seine ätherischen Düfte großzügig verbreitet.

Quendel wird diese wahrhaft duftende Pflanze genannt. Oder auch Bergthymian. Foto: W. Kräutler

Quendel wird diese wahrhaft duftende Pflanze genannt. Oder auch Bergthymian. Foto: Werner Kräutler

Quendel ist quasi der wilde Bruder des Küchen-Thymian. Er wächst bevorzugt auf den Magerwiesen des Naturparks, wo man ihn sofort an seinen rosafarbenen Blüten erkennt. Seine Heilwirkung ist unbestritten, wird er doch vor allem als Tee im Bereich der Bronchien eingesetzt, beispielsweise um festsitzenden Schleim zu lösen. Auch Inhalationen mit Quendel sind wirkungsvoll.

Quendel an schattigem Platz trocknen lassen und anschließend in einem luftdichten Behälter aufbewahren. Foto: W. Kräutler

Quendel an schattigem Platz trocknen lassen und anschließend in einem luftdichten Behälter aufbewahren. Foto: W. Kräutler

Das Besondere am Quendel sind die Blüten: sie enthalten den Großteil der ätherischen Öle, die diese Pflanze für die Küche, aber auch für die Gesundheit und sogar für die Parfumeure so interessant macht. Nach dem Pflücken sollte man den Quendel an einem schattigen Plätzchen trocknen und anschließend die Blüten und Blätter von den Stängeln befreien. Anschließend luftdicht verschlossen aufbewahren.

Die Brennnessel

Die Brennnessel ist ein Wildkraut, das nicht erst gesucht werden muss. Denn sie ist ein sogenannter „Kulturfolger“ des Menschen, mag nährstoffreiche Böden und wächst im Zillertal nahezu vor jeder Haustüre. Weshalb ich trotzdem davon schreibe? Die Brennnesseln, die in großen Höhen wachsen, entwickeln intensivere Geschmacksnoten und den von mir über alles geliebten „Bauernkaviar“.

Seit Jahrtausenden von Menschen geschätzt: Die Brennessel. Eine Pflanze für alle Gelegenheiten. Bild: wikipedia

Seit Jahrtausenden von Menschen geschätzt: Die Brennessel. Eine Pflanze für alle Gelegenheiten. Bild: wikipedia

Es gibt wohl kaum ein anderes Wildkraut, das in seiner Wirkung und Verwendung vielfältiger ist als die Brennessel. Dass ein Berühren der Blätter unangenehm ist, will ich gar nicht bestreiten. Aber mit Handschuhe gepflückt tut diese Heilpflanze niemand ein Leid an.

In der Volksmedizin steht die Brennessel für Entgiftung und Entschlackung. Vor allem aber für die Bekämpfung von Müdigkeit und Erschöpfungszuständen. Beides ist meist mit einem Eisenmangel verbunden. Und – im Gegensatz zum Spinat – die Brennessel ist ein wahres „Eisenbergwerk“. Sie weist dreimal soviel Eisen wie Spinat auf. Dass sie den Blutzuckerspiegel reguliert kommt davon, dass die Bauchspeicheldrüse auf Brennesseln reagiert.

Bauernkaviar: die Spezialität aus Brennesselsamen

So, und was ist denn nun mit dem Bauernkaviar, werdet ihr ungeduldig fragen. Eigentlich ganz einfach.

Wenn Sie, kluge Leserin und geneigter Leser dieses Blogposts, bei einem der ausgedehnten Spaziergänge im Naturpark Zillertal ein Brennesselfeld entdecken, sollten Sie kurz innehalten. Vor allem zwischen Juni und den Herbstmonaten. Denn der Bauernkaviar wird aus Brennesselsamen hergestellt. Also: suchen sie weibliche Pflanzen, das sind jene Brennesseln, an denen die kleinen Puscheln hängen.

Brennesselsamen sind eine lukullische Spezialität. Bild: adampauli

Brennesselsamen sind eine lukullische Spezialität. Bild: wikipedia, adampauli

Die Samen sollten in grünem Zustand geerntet werden, indem man sie von oben nach unten beispielsweise in ein Leinensäckchen streift. Hier sind Handschuhe empfehlenswert. Sollten einige Blätter mitgehen, kein Problem. Die werden nachher entfernt. Die Stengelchen, an denen die Samen wachsen, können dranbleiben.

Nun lässt man die Samen einen Tag lang liegen, sie brennen dann ganz sicher nicht mehr. Wenn nun die Blättchen entfernt sind, kommen die Samen in den Ofen. 15 Minuten bei mittlerer Hitze genügen, um die Samen auch von ihren Stengelhen zu lösen.

Sind die Brennesselsamen dunkelgrün bis leicht bräunlich, sind sie zum Bauernkavier gereift. Um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, die Samen aus dem Ofen zu ziehen sollte man alle paar Minuten in den Ofen greifen und testen, ob sich die Samen leicht zerbröseln lassen.

Und dann machen Sie doch die Probe auf’s Exempel: überzeugen Sie sich selbst, wie Brennesselsamen – der wunderbare Bauernkaviar – schmecken kann. Die getrockneten Samen können Sie nun zu einer „Bauernkaviar-Butter“ verarbeiten. Oder als Würze für allerlei Salate verwenden. Jedenfalls ist der Bauernkaviar eine Spezialität, die ich persönlich gar nicht mehr missen will.

Arnika: Schönheit mit viel Heilkraft

Unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe schätzte die Wirkungen von Arnika über alles. Er behandelte zahlreiche Leiden mit dieser Heilpflanze. In der Tat, das Heilkraut hat bemerkenswerte Wirkungen. Und zwar als Blüte oder auch als Wurzel.

Anrika, die "Wunderblume" blüht auch im Naturpark Zillertal. Foto: Werner Kräutler

Arnika, die „Wunderblume“ blüht auch im Naturpark Zillertal. Foto: Werner Kräutler

Ich möchte unbedingt darauf hinweisen, dass Arnika unter Naturschutz steht. Weshalb ich diese Heilpflanze trotzdem schildere? Weil es im Zillertal zahlreiche Produkte zu kaufen gibt, die Arnika-Wirkstoffe enthalten und ganz wunderbare und sinnvolle Souvenirs darstellen.

Hildegard von Bingen und Sebastian Kneipp lobten die Vorzüge der Pflanze in höchsten Tönen. Auch in unserer ‚chemischen‘ Zeit wird die äußere Anwendung von Arnika bei der Wundheilung und bei Gelenksbeschwerden gerühmt. Tinkturen und Salben sind in allen guten Apotheken zu erhalten.

Und trotzdem muss ich eine Warnung aussprechen: Die Anwendung von Arnika kann allergische Reaktionen hervorrufen. Vor allem dann, wenn Arnika in konzentriertem Zustand verwendet wird. Deshalb rate ich, etwaige Verdünnungsanweisungen unbedingt einzuhalten. Zudem kann es bei längerer Einwirkung von Arnikaumschlägen zu Ausschlägen kommen. Und: Arnika NIEMALS als innere Anwendung, z.B. als Tee verwenden!

Der Beitrag Bauernkaviar aus dem Naturpark Zillertal erschien zuerst auf Mayrhofen Magazin.

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