Schnoatleschen

Knorrige Baumgestalten mit Geschichte

Die Esche wird in der germanischen Dichtung „Edda“ als der Weltenbaum „Yggdrasil“ beschrieben. Ihre Krone überragt selbst Asgard, den Wohnsitz der Götter. Ihre drei mächtigen Wurzeln weisen zum Reich der Toten, zum Land der Riesen und in die Welt der sterblichen Menschen. Im keltischen Baumkreis symbolisiert sie die Macht des Wassers. Da sie vor dem Ertrinken schützt, wurden Ruder und andere Bootsteile aus Eschenholz hergestellt.

Durch die vielseitige Nutzungs- und Verwendungsmöglichkeit der Esche ist sie der am
häufigsten genutzte Baum des Berglandes. Die Eschen wurden "gschnoatlt" – geschnitten und entlaubt. In Notjahren wurde das Laub Ziegen und Schafen verfüttert, aber auch als Einstreu verwendet und die Äste als Brennholz genutzt.

Die wasserziehende Kraft und die damit in Verbindung stehende hangstabilisierende Wirkung der Esche ist eine Eigenschaft, die im steilen Bergland von Bedeutung ist. Brandberger Bauern erinnern sich an extreme Niederschlagsperioden, die zu zahlreichen Hangrutschungen führten. Zur Stabilisierung wurden auf sickerfeuchten, rutschgefährdeten Hängen und entlang steiler Böschungen Eschen gepflanzt.

Die Schnoatleschen haben Formen, die wir als bizarr empfinden. Durch die kontinuierliche Laubheuwirtschaft treibt an deren Kopf wie die Haare beim Struwwelpeter ein Astschopf. Das Holz der Esche ist fest, federt aber hervorragend und eignet sich für höchste Beanspruchung. Früher wurde es für den Wagen-, Fahrzeug- und Flugzeugbau verwendet. Gute Werkzeugstiele, wie die eines Rechens bestehen aus Eschenholz. Auch für Lanzen, Speere und Jagdspieße wurde Eschenholz verwendet. Daher wurden im Mittelalter auf Burgen vorzugsweise Eschen gepflanzt.

Das Blatt der Esche ist gefiedert. Die Früchte tragen schmale Flüge. Dadurch können sich die Samen im Flug sehr weit verbreiten. Typisch sind auch die pechschwarzen Knospen, die paarweise, übereinander gekreuzt angeordnet sind.

Zur Futtergewinnung schneidet der Bauer die jungen Zweige in periodischen Abständen vom Stamm. Das verwendete Werkzeug heißt "Gaun". Mancherorts werden die geschneitelten Äste zu Laubgarben zusammengebunden und vor den Ziegen sicher in den Bäumen zum Trocknen aufgehängt und in der Laube als Winterfutter aufbewahrt.

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