20.09.2016

Skiwachseln für Anfänger – Bügeln mal anders.

Gleich vorweg: ich war eine blutige Anfängerin. Alle Jahre wieder brachte ich meine Ski in ein Sportfachgeschäft um die Ski wachsen zu lassen bevor die Skisaison startete. Überhaupt: selbst das Bügeln war mir immer schon zuwider.


Gleich vorweg: ich war eine blutige Anfängerin. Alle Jahre wieder brachte ich meine Ski in ein Sportfachgeschäft um die Ski wachsen zu lassen bevor die Skisaison startete. Überhaupt: selbst das Bügeln war mir immer schon zuwider. Bis auf Hemden und Blusen vermied ich alles was damit zu tun hatte. Aber mein neuer Ski, der nicht nur durch äußerliche Schönheit, sondern auch durch einen sauber polierten Belag überzeugt, änderte alles. Plötzlich erwachte ein Urinstinkt, man könnte ihn wohl Beschützer-Instinkt nennen. Sagen wir es einmal so: Skiwachseln kann jeder – fast. Wenn man die wichtigen Grundregeln beachtet.

 

Vorbereitung

 

 

Ich treffe einen Experten. Seine Leidenschaft: Skiwachseln und natürlich auch Skifahren, immer und überall. Amüsiert betrachtet er mich und den Ski, den ich gerade versuche auf einer Werkbank einzuspannen. Den ersten großen Fehler, den man machen kann, ist den Ski irgendwo einzuspannen oder festzumachen. Durch die Hitze des Bügeleisens verformt sich der Ski nämlich naturgemäß – ist er eingespannt, kann er sich nicht bewegen. Man sollte allerdings die Stopper mit einem Gummiband fixieren, damit man sie weder mit Bügeleisen noch mit Wachs beschädigt. Ich lege also meinen Ski auf eine Werkbank, suche mir ein (Ski-)Wachs heraus (da gibt es verschiedenen Schmelztypen zwischen 120 und 140 Grad Celsius, krame ein Bügeleisen (bitte danach nie nie nie wieder für Kleidung benützen) hervor, suche mir eine Abziehklinge (ein Lineal eignet sich hervorragend) und eine Skibelagsbürste (eine harte Schuhbürste tut es auch – bitte danach nie nie nie wieder für Schuhe benützen). Dann reinige ich den Belag meines Skis mit Aceton von Fettrückständen oder ähnlichem (Mädels aufgepasst: Nagellackentferner eignet sich hervorragend). Natürlich unter den Argusaugen des Experten.

Das Skiwachsen an sich.

 

 

Nun wird es spannend. Zuerst schalte ich das Bügeleisen an – irgendwas zwischen Dampf und nicht Dampf ist die richtige Temperatur, meint der Experte mit bedeutungsheischendem Ton. Dann hebe ich das Stückchen Wachs an das Bügeleisen und tropfe das Wachs gleichmäßig über den Ski (wenn es dabei raucht, ist das Bügeleisen zu heiß!). Das Wachs bügle ich dann mit gleichmäßigen Bewegungen auf den gesamten Skibelag auf – ist viel einfacher als ein Hemd bügeln, versprochen. Im nächsten Schritt scheiden sich die Geister. Manche Profis ziehen das Wachs warm ab, andere wiederum warten bis das Wachs abgekühlt ist. Ich entscheide mich für die „warme Methode“. Mit einem Lineal schabe ich nun das gesamte, überschüssige Wachs sorgfältig wieder vom Belag – da treibt es einem am ehesten noch ein wenig Schweiß auf die Stirn. Danach poliere ich mit meiner Universalbürste den Skibelag in Laufrichtung aus…Voila. So wachselt man einen Ski. War das alles? Nicht ganz…

Was passiert nach dem Skiwaxl’n?

Leider ist es mit dem Wachsen des Skibelags nicht getan – wurde mir vom Experten erklärt. Auch die Kanten bedürfen intensiver Pflege. Es wäre also sinnvoll, sich die Kanten schleifen zu lassen: in einem Sportgeschäft, denn beim Schleifen kann man tatsächlich viel kaputt machen. Und auch sonst sollte man immer wieder ein Auge auf seinen Belag werfen. Die Kunstschneeoberfläche kann nämlich wie Schleifpapier wirken – so wird der Belag fasrig und weiß. Bei Neuschnee wäre dann die Bremswirkung extrem hoch – und der Spaß gleich null. Deswegen (wie auch schon Omi zu sagen pflegte): man muss seine Sachen (also Ski) pflegen, und zwar nicht nur einmal im Jahr. Sagt eben auch der Experte.