Naturpark Zillertal: Steinböcke in die Freiheit tragen

Für mich sollten es 24 Stunden der Superlative werden: Ich habe Anfang Juli im Naturpark Zillertal innerhalb eines Tages der Auswilderung von 5 Steinböcken beiwohnen dürfen, den vermutlich besten Kaiserschmarren Tirols genossen und endlich jenen Mann getroffen, dessen Spuren ich schon seit Jahren folge.

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Vier der fünf Steinböcke rasten in ihre Freiheit. Eine der Goassn war sich nicht so sicher, ob das eine gute Idee sei.

Für mich sollten es 24 Stunden der Superlative werden: Ich habe Anfang Juli im Naturpark Zillertal innerhalb eines Tages der Auswilderung von 5 Steinböcken beiwohnen dürfen, den vermutlich besten Kaiserschmarren Tirols genossen und endlich jenen Mann getroffen, dessen Spuren ich schon seit Jahren folge. Und das alles inmitten der grandiosen Kulisse des Hochgebirgs-Naturparks Zillertal im Zemmgrund.

 

Viele von euch werden nun einwerfen: „Im Zillertal ist halt was los, im Winter und im Sommer.“ Das stimmt nur bedingt. Denn der Hochgebirgs-Naturpark Zillertal ist quasi der taleigene Gegenentwurf zu Jux und Tollerei. Er ist ein riesiges geschütztes Rückzugsgebiet für Pflanzen, Mensch und Tier. Von dessen Größe, Ruhe und Schönheit muss man ganz einfach ins Schwärmen kommen.

Der Zemmgrund des Bergsteigerdorfes Ginzling

Der Zemmgrund des Bergsteigerdorfes Ginzling

25 Jahre Hochgebirgs-Naturpark Zillertal: Der Auftakt zu den Geburtstagsfeiern

Da ist einmal das Bergsteigerdorf Ginzling. Im dortigen Naturparkhaus schlägt seit  genau 25 Jahren das Herz dieses größten Ruhegebietes Tirols mit seinen knapp 379 km2 Fläche. Hier residiert Willi Seifert, der Geschäftsführer des Parks. Mit ihm und seinen Rangern wollte ich der Auswilderung von 5 Steinböcken, eigentlich 4 Steingeissen und einem Steinbock im hinteren Teil des Zemmgrundes beiwohnen. Das erste Vierteljahrhundert des Naturparks sollte also gebührend und vor allem mit Stil gefeiert werden. 

Willi Seifert

Willi Seifert

„Mit dieser Auswilderung sichern wir den Bestand unserer Steinbockkolonie im Naturpark“, erzählte mir Willi tags zuvor. „Die fünf zusätzlichen Tiere stützen diesen Bestand.“ Derzeit tummeln sich im Naturpark etwa 80 dieser einst nahezu ausgerotteten Spezies im Zillertal. Möglich wurde diese tolle Aktion durch die Zusammenarbeit und Mithilfe der österreichischen Bundesforste. Dadurch wurde auch ein exquisites Forschungsprogramm möglich, dessen Ergebnisse in Zukunft auch uns ‚einfachen Leute‘ interessieren wird. Denn die Bewegungen von zwei Tieren können anhand der ihnen umgehängten Sender via Internet verfolgt werden. Die Freilassung von drei Tieren des Nürnberger Zoos und zwei aus dem Alpenzoo Innsbruck sollte nun just in der Nähe der Berliner Hütte erfolgen, die für ihre illustren Gäste noch um 1900 ‚Steinbockbraten‘ auf der Speisekarte führte…

Der Fußweg in den Zemmgrund – ich startete von der Herbergalm – vermittelte mir einen ersten Eindruck dieses einzigartigen Teils des Zillertales. Entlang steil aufragender Berge, zerklüfteter Schluchten und vorbei an wunderschönen Wasserfällen gewinnt der hurtige Wanderer im sogenannten Zemmgrund rasch an Höhe.

Zuerst aber Martins Kaiserschmarren

Die Grawandhütte stellte sich nicht nur als ideales Basislager für den Aufstieg zur Berliner Hütte dar, wo die 5 Steinböcke ausgewildert werden sollten. Eine Hütte, wie sich zudem herausstellen sollte, die auch meine vor allem in dieser Höhe latent vorhandenen kulinarischen Bedürfnisse erfüllte. Eher im Scherz bestellte ich nach dem sehr sättigenden Essen als Dessert noch einen Kaiserschmarren. Ich konnte nicht ahnen, dass Hüttenwirt Martin meinen Scherz ernst nimmt und tatsächlich spätabends noch einen Kaiserschmarren zubereitete. Ich ahnte noch viel weniger, dass dieser ‚Schmarren‘ der vielleicht beste war, den ich bisher auf einer österreichischen Hütte je gegessen habe.

 

Hüttenwirt Martin bereitet seinen unvergleichlichen Kaiserschmarren auch noch nachts um 11 Uhr zu.

Der vielleicht beste Kaiserschmarren, den man auf einer Schutzhütte genießen kann.

 

So massiv gesättigt zog ich mich auf das rustikal-romantische Krainer-Zimmer der Grawandhütte zurück um beim monotonen Rauschen des Zemmbaches schnell und tief einzuschlafen.

Jetzt aber: „Preussens Glanz und Gloria“, denkmalgeschützt, auf 2.000 m

Die Steinbock-Auswilderung als Höhepunkt des nächsten Tages wollte ich mir in allen Phasen miterleben. Also musste ich – wie all die anderen – bereits um 6 Uhr los um ja nichts zu versäumen.

So einfach ist’s nicht, fünf Tiere vom Tal über einen engen Güterweg der sogar durch eine Schlucht führt, auf 2.000 m Seehöhe zu transportieren. In Kisten verpackt reisten der Steinbock Luis und die Steindamen Nina, Edelweiss, Rosi und Emma an, wurden umgeladen und schlussendlich mit einer Materialseilbahn zu einer der wohl ausgefallensten und ältesten Schutzhütten der Alpen transportiert: zur Berliner Hütte.

Schon beim ersten Hinsehen muss man dieser Hütte – Hotel wäre der passendere Ausdruck – zubilligen, einigermaßen wuchtig inmitten der wunderbaren Bergwelt aufzuragen. Ganz so, als wollte die ‚Berliner Hütte‘ ausgerechnet mit den umliegenden 3000ern wetteifern. Und genau das war zum Zeitpunkt der Errichtung auch so beabsichtigt. Die Berliner Hütte sollte im Hochgebirge von Preussens Kaiserreich und dessen  Glanz und Gloria künden. Es hätte mich auch gar nicht gewundert, wenn plötzlich ein strammer Preusse mit Pickelhaube und Zwirbelbart den preussischen Grenadierarsch pfeifend um die Ecke gebogen wäre. Kein Wunder also, dass die Berliner Hütte als einziges Schutzhaus der Alpen unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 In Sänften in die Freiheit

 

...und die letzten Höhenmeter vor einer fantastischen Szenerie von Zillertaler Bergen hinansteigen...

Während wir uns zu Fuß durch den unvergleichlich schönen Zemmgrund der Berliner Hütte nähern...

...benützen die Steinböcke samt ihren Wärtern den eher bequemen Aufstieg per Materialseilbahn.

Vier der fünf Steinböcke rasten in ihre Freiheit. Eine der Goassn war sich nicht so sicher, ob das eine gute Idee sei.

Frühmorgens warten wir auf die Stars des Tages.

Preussens Glanz und Gloria in Form der Berliner Hütte. Foto: wikipedia/Krischan74

 

Nach dem Seilbahntransport zur Bergstation bei der Berliner Hütte wurden die fünf Tiere von freiwilligen Helfern quasi in Sänften zum Ort ihrer Auswilderung gebracht. Beobachtet von dutzenden Zuschauern, die sich dieses einzigartige Schauspiel nicht entgehen lassen wollten.

Was mich ganz besonders freut ist eine Neuerung, die mit der Freilassung der Tiere einher geht. Denn Steinbock Luis und die Stein-Goass Nina wurde je ein GPS-Sender verpasst, um zum Beispiel deren Wanderrouten durch den Hochgebirgspark zu erforschen. Tierfreunde können in ein paar Wochen im Internet erkunden, wo sich die beiden Tiere grad aufhalten.

Das Video zur Steinbock-Auswilderung

 

Eigentlich hatte ich nun vor, durch den Zemmgrund wieder ganz geruhsam zum Ausgangspunkt meiner Wanderung zurück zu spazieren. Aber es kommt bekanntlich oft anders als man denkt.

Walter Ungerank, der ungekrönte Kaiser der Mineraliensammler im Zillertal

Walter Ungerank, der ungekrönte Kaiser der Mineraliensammler im Zillertal

Bei der Alpenrosenhütte stärkte sich eben ein Mann, den ich nur aus Erzählungen kannte und den ich schon seit Jahren treffen wollte. Dessen Tätigkeit weit über die Grenzen des Zillertals hinaus bekannt ist: Walter Ungerank. Der Mineralienexperte verfügt nicht nur über die größte, denkmögliche Mineraliensammlung des Zillertales. Seine Fundstücke sind sogar im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ausgestellt. Und für mich als Hobby-Archäologen besonders interessant sind seine Entdeckungen von Rastplätzen neolithischer Jäger in den Alpen. Aber auch von aufgelassenen, teils uralten Bergwerken in den Zillertaler Alpen. Seine Entdeckung schlechthin ist für mich das steinzeitliche Bergkristall-Bergwerk am Riepenkar, das ich bereits im Blogbeitrag „Die Zillertaler Diamanten“ im Mayrhofen-Magazin beschrieben hatte.

Jedenfalls durfte ich mich jetzt einer ausgiebigen „Privat-Vorlesung“ über Mineralien im Zemmgrund und im Zillertal erfreuen. So erfuhr ich, in welchem ‚Graben‘ es schöne Granate gibt, wo Walter alte Bergwerke und steinzeitliche Rastplätze von Jägern entdeckt hatte und wie man Bergkristalle findet. Ich glaube ab sofort, dass er jeden halbwegs besonderen Stein im Zillertal kennt. Denn kurz vor der Klausenalm zeigte er mir einen Stein, in dem große Granate eingeschlossen sind.

Dass ich Walter Ungerank noch heuer für eine Wanderung mit mir durch ‚sein‘ Mineralien-Zillertal gewinnen konnte, freut mich ganz besonders. Davon werde ich natürlich wieder im Mayerhofen Magazin berichten.

 

 

 

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