Naturpark Zillertaler Alpen: Sonnenaufgangswanderung

Jeder träumt mal im Leben davon, einen so richtig tollen Sonnenaufgang in den Bergen zu erleben. Gerade im Urlaub nimmt man sich auch die Zeit dazu und scheut keine Mühen, noch während der finsteren Nacht aus dem warmen Bett zu schlüpfen, sich die Wanderschuhe zu schnüren und ins Gebirge zu starten. Das Erlebnis ist unbezahlbar!

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Sonnenaufgang in den Zillertaler Alpen Bild: Hermann Muigg

Jeder träumt mal im Leben davon, einen so richtig tollen Sonnenaufgang in den Bergen zu erleben. Gerade im Urlaub nimmt man sich auch die Zeit dazu und scheut keine Mühen, noch während der finsteren Nacht aus dem warmen Bett zu schlüpfen, sich die Wanderschuhe zu schnüren und ins Gebirge zu starten. Das Erlebnis ist unbezahlbar!

 

Nasse Tux Alm, Mayrhofen im Zillertal

Oberhalb der Nassen Tux Alm mit Blick in Richtung Mayrhofen Bild: Hermann Muigg

Tagwache auf der Alm

Um 4:15 Uhr starten wir mit einem Kleinbus beim Tux-Center in Lanersbach und fahren zur Nassen-Tux-Alm auf 1.843 Meter, der Ausgangspunkt unserer Sonnenaufgangswanderung im Zillertal. Bei unserer Ankunft brennen in den Almhütten und Stallungen bereits Licht und die Senner melken ihre Kühe. Die frische silofreie Almmilch wird direkt von der Alm in die Sennerei Mayrhofen gebracht wo sie zu köstlichen Almprodukten wie die Bergmilch, Heumilch, Graukäse, Bergkäse, usw. weiterverarbeitet wird. Da es noch ziemlich dunkel ist, benötigen wir für den ersten Anstieg zum Hochleger der „Nassen-Tux-Alm“ auf 2020 Meter Seehöhe unsere Stirnlampen. Am Vorabend zog ein kräftiges Gewitter über das Land und der Weg ist eher aufgeweicht. Langsamen Schrittes, im Schein unserer Lampen, genießen wir trotz morastigem Weg unseren Anstieg zur Hochalm.

Die Tiere der Alpen

Doch des einen Freud ist des andren Leid, denn hier oben ist der Lebensraum des Alpensalamanders,  Salamandra atra, bei uns unter der Bezeichnung  Wegnarren bekannt, die nach Regenfällen auch bei Tag zu sehen sind. Alpensalamander gehören zur Gruppe der Amphibien und brauchen für ihre Fortpflanzung kein Wasser. Sie bringen je nach Höhenlage bei einer Tragzeit von 2 – 4 Jahren zwei lebende Junge zur Welt. Vor Fressfeinden und zum Schutz vor Pilzen und Bakterien, schützen sie sich durch die Ausscheidung eines giftigen Sekrets, dem sogenannten Salamandrin.

 

Sonnenaufgang Torsee

Sonnenaufgang in den Zillertaler Alpen Bild: Hermann Muigg

Torsee mit Blick in Richtung Zillertal Bild: Hermann Muigg

 

Trollblumen im Zillertal

Trollblumen am Weg zum Ramsjoch Bild: Hermann Muigg

Kräuter und Heilmittel

Am Hochleger Nasse Tux führt unser Weg linker Hand Richtung Torsee. Hier erfahren wir die Fülle der Natur: Frische Bachkresse an kleinen Bächen, Arnika in voller Blüte, ein universelles Heilmittel der Alpenbevölkerung, in den oberen Waldbereichen die Vogelbeere (Eberesche), im weiteren Meisterwurz und Enzian. Ihre Wurzeln und Beeren werden als Grundprodukte zur Herstellung „Geistiger Heilwässer“ bevorzugt verwendet, wobei die Zillertaler Schnapsbrenner in dieser Kunst sicher an vorderster Stelle zu finden sind.

Flora und Fauna beim Sonnenaufgang

 

Ein eigenes Schauspiel sind in der ersten Morgensonne die steilen Bergwiesen mit ihrer Blütenpracht. Auch wir erreichen pünktlich zum Sonnenaufgang den Torsee, 2258 m, in dem sich die Torwand in ihrer vollen Pracht spiegelt. Hier betreten wir das Reich der Murmeltiere und der Gämsen. Wir brauchen auch nicht lange zu suchen. Gamswild äst an den Hängen der Torwand in friedlicher Ruhe, und die Murmeltiere begrüßen uns mit ihren lauten Warnpfiffen. Wir fühlen uns wie im Paradies. Als Höhepunkt unserer Wanderung schwebt der Steinadler vom Ramsjoch über die Weidgründe des Torsees, Ausschau haltend nach seiner bevorzugten Beute, den Murmeltieren.

Auf dem Wegstück vom Torsee zum Ramsjoch kommen neue Blumenarten hinzu. Wir bewegen uns im Bereich der hochalpinen Flora mit den vielen Steinbrecharten (Saxifraga), den verschiedenen Polsterpflanzen mit ihren auffällig gefärbten Blüten. Diese intensive Färbung macht sie attraktiv für Bestäuber und dient als Schutz gegen starke UV-Bestrahlung.

 

Sonnenaufgang Rastkogel

Warten auf den Sonnenaufgang
Bild: Hermann Muigg

Ausblick und Weitblick

 

Am Ramsjoch 2508 m, mit dem im Jahre 2000 errichteten Stammgäste-Kreuz, genießen wir den grandiosen Ausblick auf den Tuxer Gletscher und beobachten mit unseren Ferngläsern Riffler, Gefrorene Wand und Olperer. Der Abstieg führt uns auf einen weiteren Gipfel. Die Grübelspitze 2395 m, ein leicht erreichbarer Gipfel mit herrlicher Aussicht in die östlichen Zillertaler- und Tuxer Alpen im Bereich des Wandergebietes Lanersbach/Eggalm. Unsere Gruppe beendet die Sonnenaufgangswanderung an der Bergstation Eggalm 1948 m, bei einer gemütlichen Tasse Kaffee.

Für konditionsstarke Wanderer kann ich den Abstieg über die Waldhoaralm und Brandalm nach Lanersbach oder Juns empfehlen. Wir entscheiden uns für den gemütlichen Abstieg mit Hilfe der Eggalm Bahn und genießen von der Kabine aus die Blicke auf Rastkogel, Penkenjoch, Grübelspitze und Olperer.

 

 

Eure Antonia Muigg

Ranger und Führer im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen.

 

 

 

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