Strasser Häusl im Sommer
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Das Strasser Häusl

und die Geschichte der Strasser Kinder

Von außen ist kaum zu erahnen, dass in diesem alten Blockhaus Musikgeschichte geschrieben wurde. Im 19. Jahrhundert lebte hier die Familie Strasser, deren Kinder 1832 das Weihnachtslied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" nach Leipzig trugen – von wo aus es in die ganze Welt gelangte.

Wände aus verwitterten Holzbalken, in der Stube Walzofen und Butzenscheiben, an den Türen schmiedeeiserne Beschläge – das Museum Strasser Häusl in Laimach erzählt mit einer umfangreichen Sammlung bäuerlicher Antiquitäten vom kargen Leben der Zillertaler Bergbauern. Seine Bekanntheit erlangte das 300 Jahre alte Blockhaus allerdings aus einem anderen Grund: Anfang des 19. Jahrhunderts lebte hier die Familie Strasser, deren Kinder das Lied "Stille Nacht! Heilige Nacht!", das sie im Zillertal von den Rainer-Sängern übernommen hatten, nach Leipzig weitertrugen. Von dort gelangte es nach und nach in die ganze Welt. Das Museum widmet sich auch diesem historischen Aspekt.

Frühere Heimat der berühmten Sängerfamilie Strasser, die das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" weltberühmt machten. Das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Wohnhaus der Strasserkinder aus dem Jahre 1714 wurde im Jahr 2000 von Frau Rosa Kraft mit viel Liebe zu einem Museum ausgebaut. Nach ihrem unerwarteten Ableben im April 2020 ging das Gebäude wieder ins Eigentum der Gemeinde Hippach über.

Johann Kainzner, vom Gemeinderat als Verantwortlicher für die weitere Organisation des Museums bestellt, sanierte mit freiwilligen HelferInnen in vielen Arbeitsstunden die einzelnen Räume. Nun haben alte Holzblasinstrumente ebenso ihren Platz erhalten, wie verschiedenste Werkzeuge aus vergangener Zeit. Die Geschichte der Strasserkinder wird im Informationsraum anschaulich erzählt. Eine Gedenktafel erinnert an Rosi Kraft.

Die Wiederöffnung des Museums erfolgte mit November 2021. Die Gemeinde Hippach strebt eine Vereinsgründung an, um weitere Interessierte für die Geschichte der "Lerchen aus dem Zillertal" und ihrer Reisen, auf denen sie das Lied "Stille Nacht" verbreitet haben, zu begeistern.

Das Strasser Häusl ist Dienstag und Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Für Reisegruppen nach Vereinbarung.
— Kontakt - Johann Kainzner T: + 43 664 4283043

Die Geschichte von der "Stillen, heiligen Nacht"

In einer tristen Zeit entstand “Stille Nacht, heilige Nacht“

1816 Vulkanausbruch in Indonesien (Mount Tambora) - ganz Europa litt unter dieser Katastrophe. Es folgten die "Jahre ohne Sommer". Die Ernte konnte nicht eingefahren werden. Schreckliche Kriegsjahre verarmten die Bevölkerung. Eine Hungersnot war die Folge. In dieser tristen Zeit entstand "Stille Nacht, heilige Nacht". Josef Mohr schrieb 1816 in Maria Pfarr im Lungau zuerst nur das Gedicht "Stille Nacht, heilige Nacht". 1818, am 24.12.– erklingt "Stille Nacht, heilige Nacht" in der Oberndorfer St. Nikola-Kirche zum ersten Mal. Seine Schöpfer sind der Oberndorfer Hilfspriester Josef Mohr und der Arnsdorfer Lehrer Franz Xaver Gruber.

Die Verbreitung von "Stille Nacht" durch die Strasser-Kinder

Die große Not trieb die Strasser-Kinder in Tracht gekleidet ins Ausland. Sie verkauften, so wie ihr Vater, zugekaufte Handschuhe aus feinem Leder, Leinenware, Unterwäsche und Ölprodukte aus dem Zillertal. Durch ihr Singen am Marktplatz zogen sie immer mehr Schaulustige an. Ihre Lieder erzählten von ihrer Heimat, den hohen Bergen, der Liebe und dem Tod. Fast immer wurde auch gejodelt. Jakob Katschthaler (1776 – 1835), seit 1802 Schullehrer, Organist und Chorleiter von Hippach, war ihr großer Lehrmeister. Er kannte die Strasser nicht nur als Schullehrer, sondern auch als Chorleiter sehr gut. Den Großteil der Lieder haben sie sicher von ihm gelernt. Da dürfte es passiert sein, dass sie auch "Stille Nacht, heilige Nacht", vom Orgelbauer Karl Mauracher 1819 ins Zillertal nach Fügen gebracht, gehört und lieben gelernt haben. Auch Josef Rainer, ein Bruder der Ur-Rainer und Wirt in Fügen, soll ihnen wärmstens empfohlen haben, dieses Lied nach Leipzig zu bringen.

Blick auf das Museum Strasser Häusl bei Nacht
© Archiv Gemeinde Hippach

Die Strasser-Kinder erregten große Aufmerksamkeit

Franz Alscher, Organist und Kantor der katholischen Gemeinde in Leipzig, lud die "Strasser" ein, das Lied bei der Weihnachtsmesse zu singen. Am 19.Jänner 1832 traten sie dann noch im Leipziger Gewandhaus in den Pausen eines Konzerts auf. Der Verleger A. R. Friese aus Dresden schrieb das Lied neben drei anderen Liedern von den Strasser Sängern auf. 1833 soll diese Sammlung erschienen sein, mit dem Titel: "Vier ächte Tyroler Lieder"

Weltweite Verbreitung des Liedes

Durch die Verbreitung von "Stille Nacht, heilige Nacht", von Österreich aus in die ganze Welt, wurden Zillertaler Sängergruppen bekannt. Heute wird das wohl bekannteste Weihnachtslied in über 300 Sprachen und Dialekten gesungen. Es ist zu hoffen, dass dieses Lied auch in Zukunft im Sinne von Mohr und Gruber weitergegeben wird. Für große Interpretationen bleibt kaum Spielraum. Schon kleinste Veränderungen des Liedes würden als störend wahrgenommen. Wäre das Lied nicht entstanden, würde uns zu Weihnachten ein Teil vom großen "Wunder" fehlen!

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