Standesbeamtin sein zu dürfen, ist ein wunderbares Erlebnis

Im Herbst 1999 bewarb ich mich als Standesbeamtin, ohne zu wissen, welch umfangreiche Materie auf mich zukommen wird. Denn mit dem Standesamt verband ich bislang nur den faszinierenden und viel publizierten Begriff „Hochzeit“.

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HochzeitSW3 Foto Elisabeth Kroell

Im Herbst 1999 bewarb ich mich als Standesbeamtin, ohne zu wissen, welch umfangreiche Materie auf mich zukommen wird. Denn mit dem Standesamt verband ich bislang nur den faszinierenden und viel publizierten Begriff „Hochzeit“. Ich lernte aber sehr schnell das Personenstandswesen von der Wiege bis zur Bahre kennen: hierzu gehören nämlich neben der Eheschließung sowohl die Beurkundung und Ermittlung von Geburten, mit Namensgebung und Änderung, Vaterschaft, Obsorge oder Adoption, als auch die Beurkundung von Sterbefällen. Hinzu kommen die Angelegenheiten der Staatsbürgerschaft mit all den Paragraphen, Novellen, Heimatrechten und Vorschriften zur Einbürgerung. Nach der vorgeschriebenen Dienstprüfung ging ich voll motiviert an die neuen Aufgaben.

 

Ein junger Mann geht zum Standesamt, um das Aufgebot zu bestellen.

„Und wo ist die Braut?“, fragt die Beamtin.

Staunt der junge Mann: „Bekommt man die hier nicht?“

 

Standesamt Foto: Elisabeth Kröll

Vor dem Standesamt Mayrhofen am Marktgemeindeamt

Die ersten Hochzeiten

Ich denke oft zurück an den 29. April 2000, den Tag meiner ersten Hochzeiten als Standesbeamtin. Es waren gleich drei Brautpaare an diesem Nachmittag. Nicht nur meine Füße und Stichwortblätter schlotterten, sondern die Rockfalten zitterten richtig auffällig und das obwohl ich gut vorbereitet war. Ich wusste genau, dass Braut und Bräutigam sicherlich noch nervöser und aufgeregter waren als ich. Ob ich verständlich, nicht zu schnell und laut genug gesprochen habe, weiß ich heute nicht mehr. Ich weiß nur, dass diese Brautpaare noch immer verheiratet sind, also scheinbar richtig gemacht – Glück gehabt! Mittlerweile sind es über 1000 Eheschließungen geworden und die Nervosität hat sich gelegt. Trotzdem ist jede Hochzeit immer wieder eine neue, schöne Herausforderung, so auch im Jahre 2016.

 

Die Standesbeamtin fragte:

„Haben Sie sich auf die Ehe auch gut vorbereitet?“

Brautpaar: „Natürlich! Seit Monaten trainieren wir jede Nacht!“

 

 

Vielfältige Hochzeiten

Jedes Brautpaar ist etwas ganz Besonderes und jede Hochzeitsgesellschaft begegnet einem unterschiedlich. Ich habe schon viele Hochzeiten miterlebt. Von der schlichten, einfachen Vermählung, oftmals ohne Trauzeugen, ohne Brautstrauß, mit nur unscheinbaren Ringen, bis hin zur großen, aufwendigen Hochzeiten, total durchorganisiert von einem Zeremonienmeister oder Weddingplaner. Doch egal wie groß oder schlicht, es hat jede Trauung ihre ganz persönliche Würde, eine private Note, einen eigenen Glanz und ich freue mich auf jede einzelne. In unserem Verband werden durchschnittlich 80 Trauungen im Jahr durchgeführt. Auch viele Gäste entscheiden sich hier in unserem Standesamt die Ehe zu schließen, weil sie sich hier kennengelernt haben, der Heiratsantrag hier gemacht wurde. Oder einfach nur, weil sie das Zillertal lieben oder Fans von bestimmten Zillertaler Musikanten und Musikgruppen sind.

 

Hochzeit bei der Klausenalm

Hochzeit in der Klausenalm

Burgi in der Zillertaler Festtracht

 

Nach der Eheschließung meint eine Braut:

„Oh, es ist so schön hier in den Zillertaler Bergen,

bei meiner nächsten Hochzeit

komme ich wieder hierher!“

 

Die persönliche Note

Beim 1. Kennenlernen im Standesamt erzählt mir das Brautpaar liebend gerne von ihrem zufälligen Aufeinandertreffen, von gemeinsamen Hobbies und dem romantisch sentimentalen Heiratsantrag. Oft schildern sie mir sehr genau ihre Vorstellungen einer ganz persönlichen Hochzeit hier in unserer Gegend und viele Wünsche können wir auch erfüllen. Allerdings sind uns bei der Wahl von besonderen Trauungsorten die Hände rechtlich gebunden. Denn weder ein Gipfel, eine weit entfernte Hütte, noch ein Paragleiterflug kann ausgesucht werden. Trotzdem haben wir in unserem Verband neben der Trauung im Standesamt, auch die Möglichkeit an 3 außergewöhnlichen Plätzen außerhalb zu heiraten (Alpenvereinshütte am Penken, Klausenalm in Ginzling und Freiraum am Ahorn). Vor allem die Gäste nehmen dieses Angebot wahr, sich von der mächtigen und atemberaubenden Bergwelt einstimmen zu lassen. Inmitten dieser sich das „Ja-Wort“ zu geben.

 

Glückliches Paar am Penken

Burgi bei ihrer Arbeit

Hochzeit am Penken bei der Alpenvereinshütte

 

 „Also, das muss dir der Neid lassen. Seitdem du verheiratet bist,

sehen deine Hosen immer tadellos gebügelt aus.“

„Stimmt, das war das erste, was meine Frau mir beigebracht hat.“

 

Der Dress-Code

Welche Kleidung getragen wird ist jedem Brautpaar selbst überlassen, da gibt es keine Vorschriften. Unsere Frauen heiraten nicht nur gerne im weißen Brautkleid, sondern vermehrt wieder in der Tracht. Unsere Männer trauen sich zu 90% im Tuxer – der Zillertaler Männertracht. Im Winter auf der Alpenvereinshütte oder im Freiraum kann es auch vorkommen, dass das Brautpaar in Skibekleidung erscheint. Wenn die Trauung heimlich oder spontan erfolgt, tragen sie ihre Alltagskleidung. Egal wie sie sich entscheiden, alles hat einen besonderen Touch. Denn im Herzen voll von Glückshormonen und glänzenden, begeisterten Augen, sehnsuchtsvoll und total verliebt sind sie immer die bestaussehendsten Personen im Raum.

 

HochzeitSW1 Foto Elisabeth Kroell

HochzeitSW4 Foto Elisabeth Kroell

HochzeitSW2 Foto Elisabeth Kroell

 

Planung oder Spontanität?

Mayrhofner Standesamt

Eine typische Zillertaler Hochzeit

Vor einiger Zeit rief mich zu Hause um 23.00 Uhr ein junger Mann an, ob er Morgen heiraten könne. Schlafbetrunken antwortete ich, dass er dazu verschiedene Dokumente brauche und dass er morgen früh einmal vorbeikommen möchte. Ich traute den Augen nicht, denn um 08.00 Uhr morgens stand er wirklich da, mit all den notwendigen Unterlagen. Am späten Nachmittag desselben Tages heiratete er seine Herzallerliebste. Das ist nur möglich, wenn Dokumente im Programm schon eingearbeitet sind und direkt vorliegen. Ist Auslandsbeteiligung erforderlich, kann es mitunter vorkommen, dass Brautleute einige Monate benötigen bis sie all diese Dokumente beisammenhaben. Das kommt vor allem dann vor, wenn sie erst noch von einem gerichtlich beeideten Dolmetscher hier in Österreich übersetzt werden müssen. Es kann also passieren, dass bis zum ersehnten „Ja-Wort“ manch schwierige Hürde zu bewältigen ist. Aber wenn ein Brautpaar früh genug beginnt alle notwendigen Dokumente zu organisieren, steht einem passenden Termin nichts mehr im Weg.

 

„Heiraten bringt Musik in des Leben eines Mannes“,

sagte der Standesbeamte.

„Ja“, murmelt der Vater des Bräutigams.

„Man lernt so schnell die zweite Geige zu spielen.“

 

Die Standesbeamtin bei ihrer Festansprache

Die Standesbeamtin bei ihrer Festansprache

Wenn die Kleinen mitreden …

Kinder sind immer wieder eine imposante Herausforderung für mich. Sind viele Kinder im Raum, können sie recht schnell die Aufmerksamkeit auf sich lenken, wenn sie sehr unruhig sind oder grandiose Bemerkungen von sich geben. Zum Beispiel „Wann hört die Frau endlich auf zu sprechen!“ oder „Eigentlich wollte ich die Mama heiraten!“ Einmal fragte ein Junge beim Ringtausch: „Aber Papa, bist du jetzt auch eine Frau?“ Ein anderer Junge sagte: „Aber ein Baby kaufen wir uns keines mehr, sonst gebe ich es im Krankenhaus zurück!“. Richtig Gänsehaut stieg mir auf bei einer Überraschungshochzeit, als ein größerer Junge zu weinen begann und sagte: „Ich hätte so gern ein Lied für meine Mama gesungen, aber ich durfte es ja nicht wissen!“

 

 

 

Mayrhofner Standesamt

Gerne helfe ich dem Brautpaar beim Heiraten

Mit Herzblut dabei

Es kommt sehr oft vor, dass auch mein Herz vor Freude überquillt und ich meine Freudentränen wegzudrücken versuche, was mir nicht immer gelingt. Oder meine Stimme bei der Aussprache vor Freude und Begeisterung zu zittern beginnt. So hoffe ich, dass auch in Zukunft sich noch viele, viele Paare für eine Trauung in unserem Standesamtsverband Mayrhofen entscheiden und ich das heißersehnte „Ja-Wort“ von bunt gemischten, großen und kleinen Hochzeiten entgegennehmen darf. Denn ich finde Standesbeamtin sein zu dürfen, ist eine wunderbare Berufung mit immerzu neuen, herrlichen und unbeschreiblichen Erlebnissen.


Burgi Huber, Standesbeamtin im Standesamtverband Mayrhofen

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Culture & tradition have always ranked highly in the Mayrhofen-Hippach holiday region and are celebrated in a variety of ways. In addition to the wide range of sporting activities on offer, visitors can relish the many musical and culinary delights and celebrate, feast and enjoy.

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