Klettern, oder Mayrhofen aus der Vertikalen

Weißt du wie viele Dreitausender sich in den Zillertaler Alpen befinden? 83 Gipfel ragen aus den Zillertaler Alpen weit über 3000 m in den Himmel. Umringt von Bergen ist besonders Mayrhofen und Umgebung ein besonderer Hotspot für Kletterer und Bergsteiger.

Erstellt von

Peter Habeler

Weißt du wie viele Dreitausender sich in den Zillertaler Alpen befinden? 83 Gipfel ragen aus den Zillertaler Alpen weit über 3000 m in den Himmel. Umringt von Bergen ist besonders Mayrhofen und Umgebung ein besonderer Hotspot für Kletterer und Bergsteiger. Ich bin selbst Kletterer und seit langem fasziniert vom Klettereldorado des Zillertales. Vor kurzem habe ich die Bergsteigerlegende Peter Habeler beim Kramerwirt in Zillertal getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt. 

 

Klettern in Mayrhofen – Hippach

Wer nicht in die weite, eisige Welt am Hintertuxer Gletscher eindringen will nützt die Gelegenheit zum Klettern an den Felsen rund um Mayrhofen – Hippach.  Die Region zählt unzählige Klettergärten, bis hin zu alpinen Klettereien. Zur Zillertaler Geschichte des Bergsteigens trug vor allem das charmante Bergsteigerdorf Ginzling bei. Die Berge gehören für die Zillertaler seit jeher zur Identität. Sie sind ein Teil von ihnen, und für viele direkt und indirekt Lebensgrundlage. Beim Kramerwirt begegnen mir die beiden Söhne, Matthias, 20 und Georg, 18. Auch sie sind begeisterte Bergsteiger. Sie begehen die Berge nicht nur zum Skitouren oder Klettern, sondern geben ihre Erlebnisse gerne an ihre Gäste weiter und geben Auskunft über faszinierende Bergtouren.

Interview mit dem Extrembergsteiger und Kletterer Peter Habeler

Einer, der die Region seit seiner Kindheit besonders gut kennt ist der Extrembergsteiger Prof. Peter Habeler. Der ewige Jungbrunnen bestieg schon viele große Weltberge über schwierige Routen. 1978 bezwang er mit Reinhold Messner erstmals den Mount Everest ohne Sauerstoff.

1978 bestiegen Habeler und Messner den Everest ohne Sauerstioff

1978 bestiegen Habeler und Messner den Everest ohne Sauerstoff

Peter ist immer noch topfit in den Bergen seiner Heimat unterwegs. Beim Kramerwirt traf ich Peter zum Gespräch. Er erzählte mir Dinge über das Bergsteigen im Zillertal, über seine früheren Begehungen, und über seine Heimat Mayrhofen:

Ich: Peter, die meisten kennen dich als Extrembergsteiger. Du hast die größten Berge weltweit bestiegen. Wie stehst du zu deiner Heimat, dem Zillertal?

Peter: Es muss ja irgendwo beginnen, du brauchst ein Seil, das hat ein Anfang und ein Ende. Der Anfang ist das Aufwachsen im Gebirge. Alleine das schon ist  genau so wichtig wie die Expedition selbst. Mein Anfang war klar vorgezeichnet, der Vater starb früh. Die Mutter hat natürlich gut auf mich geschaut, doch sie übersorgte mich mit ihrer Mutterliebe nicht. Sie ließ mir Freiheiten. Und genau das war wichtig für meinen späteren Weg. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Die Bergführer, mit denen es mich dann in die Berge zog, haben für mich die Vaterrolle übernommen. Ein paar dieser Bergführer hatten für mich eine große Vorbildfunktion. So etwa der Toni Volgger. Er war Kettenraucher, kein extremer Kletterer, aber ein schneller Geher, mit sehr viel Gespür für die Berge. Toni hat mir vieles beigebracht. Ich war damals jung und wissbegierig, habe mit der Neugierde zurechtkommen müssen und bin gern auf die Berge gestiegen. Vor allem haben all diese Bergführer mir eines mitgegeben: die Freude am Berg. Du musst beim Bergsteigen Freude spüren. Und diese Freude war für mich früher und heute die größte Motivation für das Bergsteigen!

Ich: Hat dich das Zillertal für deine späteren Bergabenteuer geformt?

Peter: Natürlich hat mich das Zillertal für die Welt geformt, wir hatten schließlich einige super Lehrer. Wenn ich heute das Bildungssystem so ansehe, dann sehe ich nur Einschränkungen und Grenzen. Das fördert aber keine Talente. Mut muss erkannt und gefördert werden und zwar bereits im Schulalter. David Lama war auch bereits mit 5 Jahren bei mir im Kletterkurs. Oft hatten wir mehr als 30 Kinder in unseren Kursen. Der kleine David Lama kletterte gewandt hinter mir und abends sagte ich zu seinen Eltern, „der Bua wird einmal Weltmeister“, natürlich spaßhalber, aber der Bua hat mich beeindruckt. Viele haben mit dem Klettern in der Halle begonnen. Da lernt man die Bewegungsabläufe, bekommt Kraft und lernt die Techniken. Wenn man das Erlernte in die Natur hinausbringt und zudem viel Gespür für die Natur aufbringt, dann gelangt man mit Sicherheit an die Spitze. Das war beim David der Fall. Neben dem Talent braucht man Hartnäckigkeit, Ehrgeiz, die Freude am Training und die Motivation. Das war bei David Lama der Fall und auch bei uns. Bei uns im Zillertal gab es damals keine Hallen. Wir „boulderten“ und „kraxelten“ auf unseren Felsen im Ort und wenn wir runter fielen, lagen wir im Gebüsch.

Ich: Du hast vorhin auch aus einer internationalen Perspektive gesprochen. Wie siehst du die Entwicklung des Kletterns im Zillertal?

Peter: Das Klettern hatte im Zillertal immer einen großen Stellenwert. Wir hatten einen Hans Fiechtl. Er war Seilpartner vom Hans Dülfer. Der Fiechtl war eine interessante Persönlichkeit. Er hat Routen gemacht die damals kein anderer gemacht hat. Das Zillertal ist ja auch durch die Berge und Bergführer bekannt geworden. Es hat ja damals um die Zeit vor den Zigmondy Brüdern, die als erste führerlose Bergsteiger unterwegs waren, nur den Bergführer mit seinem Gast gegeben. Diese Bergführer haben mit den Gästen den Möseler gemacht, den Turnerkamp,  die Wollbachspitze, den Löffler, den Schwarzenstein und wie sie alle heißen. Es haben sich aber damals schon Freikletterer wie Hans Fiechtl hervorgetan. Fiechtl war damals schon im Rofan, im Kaisergebirge unterwegs und hat einige Erstbegehungen gemacht. Das hat mir extrem imponiert. Viel später im Sportkletterzeitalter kam dann eine andere Zeit. Mit dem jungen Gerhard Hörhager ist eine tolle, junge Kletterfigur aufgestanden. Damit war die Sportkletterszene im Zillertal geboren. Gerhard hat ganz neue, andere Wege beschritten. Die Sportkletterszene hat das Zillertal schließlich erschlossen. Mit den ewigen Jagdgründen und anderen Eldorados entstand im Zillertal eine völlig neue Art des Kletterns. Vor Gerhard Hörhager war noch Prem Darshano sehr aktiv im Sportklettern. Gerhard ist heute immer noch ein Spitzenkletterer und Darshano machte einige kühne Erstbegehungen, auch im Zillertal. Das ist gewaltig, das imponiert mir. Die neue Szene kenne ich leider zu wenig. Ich bin ja eher der Vertreter des klassischen Kletterns. Mir war die Heimat zu eng. Touren wie im Breitlahner und am Penken waren super für das Training, aber ich wollte hinaus in die hohen Berge der Welt.

Peter am Südgipfel des Mount Everest 1978

Peter am Südgipfel des Mount Everest 1978

Irgendwann wird sich das vielleicht wieder schließen und ich komme zurück ins Zillertal. Ich kenne ja immer noch einiges nicht in meiner Heimat.

Ich: Peter, vielen Dank für das tolle Interview. Ich wünsche dir noch viel Glück und Erfolg für deine weiteren Bergprojekte. 

 

Mehr Infos zu den Klettersteigen in Zillertal findest du hier: www.mayrhofen.at/sommer-urlaub-ferien-familie/klettern-klettersteigen

Hier geht’s zum Bergsteigerdorf Ginzling: www.mayrhofen.at/die-region/ginzling

Klettern im Breitlahner

Klettern im Breitlahner

Laufend entstehen durch die aktiven Kletterer des Tales neue Klettergebiete mit gut gesicherten Routen. Im Kletterführer von Markus Schwaiger (www.markus-schwaiger.at) sind die 32 Klettergärten und 16 Bouldergebiete umfassend erklärt. Wer längere Routen plant schätzt den Mehrseillängen-Sportkletterführer von Uwe Eder.

© Bilder: Peter Habeler, Markus Schwaiger

 

 

 

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