Kletterrouten für Anfänger im Bergsteigerparadies Zillertal

Die schönste Zeit zum Klettern beginnt jetzt erst! Bis November haben die Kletterer nun Hochsaison, die wärmste Zeit ist vorbei, die Temperaturen sind ideal. Vor Euphorie sollte man aber nicht auf die Sicherheit vergessen und Regeln einhalten, um sein eigenes und das des Partners zu schützen.

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Kletterrouten in den Zillertaler Alpen

Was beim Klettern zu beachten ist

Die schönste Zeit zum Klettern beginnt jetzt erst! Bis November haben die Kletterer nun Hochsaison, die wärmste Zeit ist vorbei, die Temperaturen sind ideal. Vor Euphorie sollte man aber nicht auf die Sicherheit vergessen und Regeln einhalten, um sein eigenes und das des Partners zu schützen. Grundsätzlich gibt es einen wesentlichen Punkt und das ist auch der Wichtigste: Das sichere Sichern vom Kletterpartner im Vorstieg als auch im Nachstieg! Natürlich muss man sonst auch noch einiges beachten um so sicher wie nur möglich die Wand raufzuklettern und auch sicher wieder abzusteigen. Bevor ich näher ins Detail gehe, möchte ich euch die wichtigsten Punkte aufzählen, die unbedingt beachtet werden müssen:

Kontrollierter Absturz von Matthias Schiestl in Mayrhofen

Kontrollierter Absturz von Matthias Schiestl in Mayrhofen

  1. Sicher Sichern mit seinem persönlichen Sicherungsgerät (Tube, ATC, Grigri, usw…)
  2. Regelmäßige Kontrolle der Ausrüstung
  3. Knoten im Seilende
  4. Partnercheck
  5. Richtiges Klippen der Expressschlingen
  6. Sturzraum beachten
  7. Aufwärmen vor dem Klettern
  8. Alpine Gefahren beachten (Steinschlag, Wetter…)

1. Sicher Sichern…

…ist das oberste Gebot beim Alpinklettern. Es muss immer das eigene und vertraute Sicherungsgerät verwendet werden. Sollte man ein anderes ausprobieren, dann nur unter Aufsicht und vorhergehender Einschulung in das neue Gerät. Es darf kein Schlappseil beim Sichern des Vorsteigers verwendet werden und sollte er den ersten Haken noch nicht geklippt haben, dann ist ein Spotten bzw. Auffangen bei einem Sturz unbedingt notwendig. Die meisten Kletterer unterschätzen beim Top-Rope oder Nachstieg klettern die Seildehnung ihres Seils. Die ersten fünf Meter muss das Seil richtig gut gespannt sein, damit ein Aufprall auf den Boden verhindert werden kann.

2.Regelmäßige Kontrolle der Ausrüstung

Das Um und Auf ist der Check der gesamten Kletterausrüstung. Sollte mal ein Karabiner oder ein Sicherungsgerät auf den Boden fallen, bitte unbedingt kontrollieren, ob das Gerät noch einsatztauglich ist und keine Schäden aufweist. Bei den leichten Materialien können sehr schnell Haarrisse entstehen. Dann sollte unbedingt die Ausrüstung getauscht werden. Die Seillagerung im Auto oder auch zu Hause sollte gewissenhaft gemacht werden, Rückstände von Öl oder sonstigem Schmutz können das Seil stark beschädigen und sind nicht mehr einsatztauglich.

3.Knoten im Seilende

Schon zu oft sind gravierende Fehler beim Klettern passiert, weil am Seilende kein Knoten gemacht wurde. Drei Knoten am Seilende verhindern das Durchrutschen des Seils beim Abseilen eines Kletterers, falls das Seil zu kurz sein sollte.

4.Partnercheck

Ausrüstungscheck kann Leben retten!

Ausrüstungscheck kann Leben retten!

Bevor in einen Felsen eingestiegen wird, muss ein Partnercheck gemacht werden. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – schließlich geht es um dein Leben! Es sollen die Karabiner des Sicherungsgerätes, das Sicherungsgerät selbst, der Gurt usw. vom Kletterkollegen noch einmal kontrolliert werden. Oftmals ist man selbst beim Einbinden gedanklich schon einen Schritt weiter, sodass leicht Fehler passieren, die fatal enden könnten.

5. Richtiges Klippen der Expressschlingen

Expressschlingen vereinfachen das Klettern ungemein, stellen aber auch ein großes Potenzial an Gefahr dar. Alte, eingeschliffene Expressschlingen müssen unbedingt durch neue ersetzt werden. In den letzten Jahren passierten zu viele Unfälle durch die Verwendung von alten, verschlissenen Expressschlingen. Auch das richtige Einhängen vom Seil ist unbedingt zu beachten.

 

6. Sturzraum beachten

Auf Felsvorsprünge sollte immer ein Auge geworfen werden, dass im Falle eines Ausrutschens oder Absturzes nicht direkt darauf gestürzt werden kann. Selbstverständlich sollte man auch andere Kletterer im Auge behalten, das ist aber meist in den Hallen auf Bolderwänden mehr zu beachten.

7. Aufwärmen vor dem Klettern

Wie bei jeder Sportart ist es äußerst wichtig, die Muskeln und Sehnen aufzuwärmen, damit der Körper elastischer wird. Am besten eignet sich hierfür ein Terraband. Durch warme Muskeln verhindert man die Verletzungshäufigkeit.

8. Alpine Gefahren beachten

Bergführer Schiestl

Matthias möchte seinen Kunden die Schönheit der Natur näher bringen.

Auch in einem Klettergarten kann es Steinschlag geben. Deshalb ist es sehr wichtig, immer gut auf das was über dir ist, im Auge zu behalten und welche Griffe verwendet werden. Das Wetter in den Alpen kann sich von einer zur anderen Minute schlagartig ändern, auch das muss man jederzeit beachten.

Kletterrouten für Anfänger gibt es im hinteren Zillertal, besonders in der Ferienregion Mayrhofen-Hippach genügend, als Beispiel sind hier die Ewigen Jagdgründe und die untere und obere Nasenwand im Bergsteigerdorf Ginzling erwähnt. Aber Vorsicht auf die richtige Routenwahl! Wer schon mal im Zillertal an den schönen Granitwänden geklettert ist, der weiß, dass Platten ziemlich anspruchsvoll zum Klettern sind. Mein persönlicher Tipp: Sucht euch einen Felsen mit viel Struktur (Verschneidungen, Schuppen, Risse,…), dann werdet ihr viel Spaß beim Klettern in und rund um Mayrhofen haben. Ich wünsche euch schöne Klettertage im Zillertal!

Matthias Schiestl

Infos zum Gastautor:

Matthias Schiestl

Matthias Schiestl: Professioneller Berg- und Kletterführer

Matthias Schiestl ist Gründer der Alpinschule Schiestl in Mayrhofen. Ihm liegt die Natur mit der Bergwelt sehr am Herzen. Sein Motto am Berg heißt Spaß und Sicherheit. Er sieht sich als ruhigen und geduldigen Bergführer und freut sich auf jeden Gast, der mit ihm einen Tag erleben möchte. In seiner Freizeit ist der begeisterte Sportler beim Sportklettern, Skitouren, Skifahren und Eisklettern. Matthias Erfolge können sich sehen lassen: Silber bei den Bergführer Weltmeisterschaften in Klettern 2009, Bergführer Weltmeister im Klettern und Skifahren 2010, Bergführer Weltmeister im Klettern 2012 und 2013. Im Jahr 2011 unternahm Schiestl eine Expedition nach Pakistan zum Nanga Parbat (8.125m). Matthias Schiestl ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie staatlich geprüfter Skilehrer.

Viel Spaß beim Lesen der Geschichten von Matthias Schiestl!

 

 

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