Lawinenkunde für Anfänger – das 1×1 des Skitourengehens in Mayrhofen

Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit und den ersten Bildern von verschneiten Winterlandschaften scharren auch tausende, begeisterte Skisportler in den Startlöchern, um ihrer großen Leidenschaft, dem Skitourengehen, nachzukommen.

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Urlaub Zillertal

Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit und den ersten Bildern von verschneiten Winterlandschaften scharren auch tausende, begeisterte Skisportler in den Startlöchern, um ihrer großen Leidenschaft, dem  Skitourengehen, nachzukommen. Diese Sportart hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten „Boom“ entwickelt, sowohl neben den regulären Skipisten als auch abseits im alpinen, unpräparierten Gelände steigen unzählige Sportler die Berge hinauf, um neben der sportlichen Herausforderung auch ein intensives Naturerlebnis genießen zu können.

 

Um den Risiken, mit denen Skitouren im freien Gelände verbunden sind, wirkungsvoll begegnen zu können, ist eine gewissenhafte Auseinandersetzung im Vorfeld mit Themen wie der passenden Bekleidung, einer funktionierenden Ausrüstung und dem Einholen von Informationen zu Wetter, Lawinenstufen und der gewählten Route essentiell und nicht selten auch lebensrettend.

Körperliche Gesundheit und Fitness ist wichtig!

In erster Linie ist das Skitourengehen ein fordernder Ausdauersport, daher gilt – gesund in die Berge! Die wertvollen Belastungsreize für Herz und Kreislauf setzen sowohl entsprechende Gesundheit als auch eine gute Selbsteinschätzung voraus. Zeitdruck sollte tunlichst vermieden werden, das Tempo soll so gewählt sein, dass man nicht außer Atem kommt, auch auf Kraftreserven für die Abfahrt darf nicht vergessen werden.  Regelmäßige Trink- und Essenspausen zur Aufnahme von Flüssigkeit und Energie sind notwendig, um die Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Heiße, isotonische Getränke sind ideale Durstlöscher und Wärmespender, leicht verdauliche Kost wie Müsliriegel, Trockenobst und Kekse stillen den kleinen Hunger unterwegs.

Basis für ein erfolgreiches Skitouren-Abenteuer ist eine vollständige Ausrüstung, die den winterlichen Verhältnissen angepasst ist, trotzdem sollte das Rucksackgewicht möglichst gering gehalten werden.

Ein intakter Helm schützt den Kopf! Foto: Wolfgang

Ein intakter Helm schützt den Kopf! Foto: Wolfgang

Ein Helm verringert das Verletzungsrisiko bei Stürzen, für den Lawinen-Notfall sind LVS-Gerät (oftmals als „Pieps“ bezeichnet), Schaufel und Sonde Standard, ebenso das Erste-Hilfe-Paket, ein Biwaksack und das Mobiltelefon. Ein Airbag-System erhöht die Überlebenschancen, denn im Ernstfall ist eine Rettung durch Kameraden meist die einzige Überlebenschance.   Ganz wichtig ist auch der vorherige Check des LVS-Gerätes, denn das beste Gerät nützt nichts, wenn die Batterien leer sind oder es nicht eingeschaltet ist.

Die Kontrolle der Ausrüstung sollte sich immer auf alle Mitglieder der Tourengruppe beziehen, weshalb ein „Partnercheck“ vor dem Abmarsch erfolgen sollte – kaputtes Material wie Bindungen oder schlechte Kleidung können lebensbedrohliche Situationen hervorrufen.

 

Ein passender Rucksack für Jause, Flüssigkeiten und die notwendigen Gegenstände zum Skitourengehen Foto: Wolfgang Suitner

Das richtige Werkzeug muss stets dabei sein! Foto: Wolfgang Suitner

 

Vorbereitung & Planung

Zu einer sorgfältigen Vorbereitung gehört auch die eingehende Planung – Karten, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über Länge, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. Besondere Beachtung verdient der Wetterbericht, da starker Wind und schlechte Sicht das Unfallrisiko erhöhen.

Absolut unumgänglich ist das vorherige, eingehende Studium des Lawinenlageberichts, der  über die aktuell vorherrschende Gefahrenstufe in einer 5-stufigen Skala Auskunft gibt. Dabei ist besonders auf die Angaben zu den Gefahrenstellen (Wo ist es heute gefährlich?) und den Gefahrenquellen (Was ist heute die Hauptgefahr?) zu achten, der Lawinenlagebericht ist auf www.lawine.at  sowie  über Radio und Teletext abrufbar.

 

Immer mit dabei das LVS-Gerät! Foto: Wolfgang Suitner

Der Airbag ein überlebenswichtiges Rettungsgerät! Foto: Wolfgang Suitner

Mit der Sonde können Verschüttete geortet werden! Foto: Wolfgang Suitner

 

 

Wer sich im freien Skiraum bewegt, sollte das Lawinenrisiko abwägen, wobei beim Erkennen der Lawinengefahr enge Grenzen gesetzt sind. Das Erlernen der Erkennung von Gefahrenzeichen im Gelände ist daher essentiell für eine korrekte Risikoeinschätzung, als Gefahrenzeichen werden Wind, frische Lawinen, Gletscherspalten, das Einzugsgebiet und die Sichtverhältnisse bezeichnet:

Der Wind ist der „Baumeister der Lawinen“, daher sollte  auf Anzeichen von Windverfrachtung und damit Schneebrettbildung wie z.B. Schneefahnen an Graten, Wechten oder winderodierte Schneeoberflächen geachtet werden. Wenn im Gelände frische, selbstausgelöste Lawinen sichtbar sind, ist dies meist ein Zeichen für eine instabile Schneedecke.

In Gletscherschigebieten gibt es abseits der Pisten Gletscherspalten, die unter der Schneedecke nicht erkennbar sind. Bei Belastung durch einen Wintersportler brechen diese „Schneebrücken“ oft ein, ein Spaltensturz kann tödlich enden.

Die Begutachtung des Einzugsgebietes ist ebenfalls sehr wichtig, man sollte sich stets vergewissern, sich nicht unterhalb lawinengefährdeter Hänge zu befinden bzw. selbst durch eine Lawinenauslösung jemanden unterhalb zu verschütten.

Erhöhtes Gefahrenpotential besteht auch bei schlechter Sicht durch Nebel oder einen Schneesturm – eine Abfahrt, die nicht gesehen werden kann, kann auch schwer beurteilt werden.

Optimale Sichtverhältnisse sind entscheiden! Foto: Wolfgang Suitner

Optimale Sichtverhältnisse sind entscheidend! Foto: Lawinenwarndienst Tirol/Patrick Nairz

Einen nicht zu unterschätzenden Sicherheitsfaktor stellt auch das Einhalten von sogenannten  Entlastungsabständen dar, welche die Belastung auf die Schneedecke reduzieren und den Komfort bei Spitzkehren steigern. Beim Aufstieg sollte dieser 10 m in Steilhängen (≥ 30°) und bei der Abfahrt mindestens 30 m betragen, sehr steile Hänge sollten grundsätzlich einzeln befahren werden.

Da Stürze bei der Abfahrt die häufigste Unfallursache bei Skitouren darstellen, die zudem für die Schneedecke eine große Zusatzbelastung bedeuten, sollte eine gute Skitechnik und eine dem Können angepasste Geschwindigkeit das Risiko verkleinern.

Stets angepasst fahren! Foto: Wolfgang Suitner

Stets angepasst fahren! Foto: Lawinenwarndienst Tirol/Patrick Nairz

Eine Grundregel des Freeridens besagt, nie alleine im Gelände unterwegs sein – aus zweierlei Gründen:

Zum einen sind  im Falle einer Verschüttung die Kameraden die einzigen, die dem Verschütteten eine reelle Überlebenschance bieten können, zum anderen kontrolliert im freien Gelände abends kein Pistengerät, ob ein verletzter Sportler liegen geblieben ist und fremde Hilfe braucht.

Kleine Gruppen ermöglichen gegenseitige Hilfe und verringern das Lawinen-Auslöse-Risiko, regelmäßige, sichere Sammelpunkte sind von allen Gruppenmitgliedern einzuhalten.

Sofern man doch als Alleingänger unterwegs ist, sollte man sich im Klaren sein, dass bereits kleine Zwischenfälle zu ernsten Notlagen führen können und man daher immer vertraute Personen über Ziel, Route und Rückkehr informieren sollte.

Die praktische Umsetzung aller Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken bei Skitouren wird von professionellen Institutionen in Skitouren- und Lawinenkursen vermittelt, eine entsprechende Ausbildung gibt Sicherheit und erhöht die Vorfreude auf diesen schönen Freiluftsport – letztendlich ist aber ein Gedanke maßgeblich – der Respekt vor der Natur!

 

 

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