Markus Kröll: Parallelslalom zwischen Berg und Pinsel

Er liebt die Berge, den Sport und seine Heimat. Markus Kröll aus Mayrhofen ist leidenschaftlicher Bergläufer und nicht nur im Zillertal dafür bekannt. Obwohl er jahrelang um die Welt reiste und viele Länder besuchte, ist eines für ihn klar: Es gibt keinen schöneren Ort als Mayrhofen. Das und noch vieles mehr verrät uns der Ausdauerläufer beim Interview in seiner Heimat.

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Markus Kröll in Mayrhofen

Er liebt die Berge, den Sport und seine Heimat. Markus Kröll aus Mayrhofen ist leidenschaftlicher Bergläufer und nicht nur im Zillertal dafür bekannt. Obwohl er jahrelang um die Welt reiste und viele Länder besuchte, ist eines für ihn klar: Es gibt keinen schöneren Ort als Mayrhofen. Das und noch vieles mehr verrät uns der Ausdauerläufer beim Interview in seiner Heimat.

 

Von der „Freakszene“ zum bekannten Athleten

Markus Kröll im Interview

Markus Kröll erzählt über seine Herausforderungen und Ziele.

Wir treffen Markus Kröll im Büro des Tourismusverbandes in Mayrhofen. Sein Auftreten ist erstaunlich gewöhnlich: sympathisch, sportlich angezogen und das obligatorische Red-Bull Kapperl am Kopf. Stolz und gleichzeitig auch nachdenklich erzählt er uns wie er seine Leidenschaft zum Ultra Trail Running entdeckt hat.

„Ich bin in Ginzling – dem Bergsteigerdorf in der Nähe von Mayrhofen – bei meinem Onkel Fritz aufgewachsen. Ihm gehört das Alpengasthaus Breitlahner, von dem aus verschiedene Routen auf die hohen Gipfel wie den Großen Möseler, das Schönbichler Horn oder den Hohen Riffler führen. Schon als kleines Kind nahm er mich oft mit auf seine Touren zu den faszinierenden Bergseen und urigen Hütten. Am Anfang hat er mich immer abgehängt, zum Schluss kam er nicht mehr mit.“, erzählt Markus Kröll mit einem Grinsen im Gesicht.

Danach wählte der Ausdauerläufer den klassischen Weg. Den Grundspeed holte er sich als 400-Meter-Läufer, bis er sich zur Mittelstrecke und später zum Marathon steigerte. Dann der Wendepunkt: Er entschied sich in den Berglauf einzusteigen, was sich in seiner Heimat Mayrhofen einmalig anbot. „Damals war das eine kleine Freakszene. Wir wurden als ein paar verrückte Typen beschrieben und waren in den Verbänden nicht wirklich beliebt.“, beschreibt Kröll die damals noch unbekannte Sportart. Jahre später etablierte sich das Ultra Trail Running als eigener Bereich. Es entstand ein regelrechter Boom.

Markus „Der Kämpfer“ Kröll

Red Bull Dolomitenmann, Markus Kröll

Markus Kröll beim Red Bull Dolomitenmann 2011

Sein erstes Trainingslager – Markus war damals erst 15 – wird er wohl auch nie mehr vergessen. „Mein damaliger Trainer hat mich fast komplett zerstört. Ich lief mit Eiterbeulen auf meinen Gelenken, es war wirklich hart für mich.“, schildert der Ausdauerläufer seine harten Anfangszeiten. Doch das waren nicht die einzigen Erlebnisse, bei denen Markus Kröll an seine Grenzen ging. Nicht umsonst trägt er den Spitznamen „Der Kämpfer“. „Der Spitzname hat sich beim Dolomitenmann herauskristallisiert. Einen Tag vor dem Lauf habe ich mir beim Fotoshooting meine Bänder gerissen. Ich habe kein einziges Mal überlegt, ob ich starten soll oder nicht. Ich hab‘s durchgezogen. Das war das einzige Mal, dass mich Herr Mateschitz zurechtgewiesen hat.“, erinnert sich Markus schmunzelnd zurück.

Die zweite Leidenschaft: das Malen

Was viele nicht wissen: Markus Kröll ist Maler und Restaurateur. Hauptberuflich und mit viel Herzblut. Das lässt er uns auch spüren, als wir durch Mayrhofen marschieren und er uns stolz die Häuser zeigt, auf denen er schon „Spuren“ hinterlassen hat. Fast keine Fassade in Mayrhofen trägt nicht seine Handschrift. „Ich bin schon seit 10 Jahren selbständig. Meine Kunden sind alle im Zillertal und ich habe daheim mein Atelier. Die Nachfrage in meiner Heimat ist wirklich riesig, was mich besonders freut.“, betont der leidenschaftliche Künstler.

Aber wie schafft er es Familie, Beruf und Hobby unter einen Hut zu bekommen? „Das ist gar nicht so leicht.“, verrät uns Markus Kröll nachdenklich. Zu den Zeiten, in denen sich andere Athleten regenerieren können, muss ich arbeiten. Mein größter Gegner in meiner Laufkarriere war immer die nicht vorhandene Regenerationszeit. Da bin ich einfach auf einem gewissen Leistungsniveau angestanden. Bis heute.“ Seine Freundin lernte er beim Dolomitenmann vor 20 Jahren kennen. Bis heute unterstützen ihn seine Liebsten, auch wenn sie nicht mehr zu jedem Trail Running Event mitfliegen.

Mayrhofen – „der schönste Platz der Welt“

Markus Kröll aus Mayrhofen

Die Berge sind sein Leben: Markus Kröll aus Mayrhofen.

Verliebt ist er nicht nur in seine Freundin und seine Tochter, sondern auch in seine Heimat. Um nichts in der Welt würde er seinen Wohnsitz wechseln wollen. Ein Thema, bei dem der Kämpfer uns seine emotionale Seite zeigt. „Ich kann‘s mir nicht vorstellen, dass es im Himmel schöner ist.“, versucht Markus seine Gefühle für Mayrhofen zu beschreiben. 20 Jahre lang reiste er schon um die Welt, aber einen schöneren Ort hat er noch nie gesehen. „Mit Mayrhofen verbinde ich die schönsten Berge, Glück und Ruhe. Wer kann schon sagen, dass er vor seiner Haustüre ein Sport-Paradies hat? Ich kann aus meinem Haus rausgehen und direkt eine Skitour mit 2.000 Höhenmetern starten. Aber auch im Sommer hat Mayrhofen so viel zu bieten. Die Vielfalt an Wander- Rad- und Laufstrecken ist einzigartig.“, schwärmt der Naturliebhaber.

Man glaubt es kaum, aber es gibt im Zillertal noch viele Berge, die Markus Kröll noch nicht bestiegen hat. Die stehen aber alle auf seiner To-Do-Liste für die nächsten Jahre. Zwischen 5.000 und 6.000 Kilometer legt der Ausdauerläufer pro Jahr laufend zurück. Eine seiner Lieblingsstrecken befindet sich – wie man schon fast erraten kann – im geliebten Zillertal. „Die Strecke vom Alpengasthaus Breitlahner hinauf auf die Klausenalm, Schwemmalm und Alpenrose bis zur Berliner Hütte ist mein Favorit. Der Weg ist trotz den 600 Höhenmetern relativ flach, der Untergrund ist super und die Landschaft ist unbeschreiblich schön. Ein Muss für jeden Naturliebhaber!“, so der Ausdauerläufer.

Markus Kröll als Aushängeschild

Markus Kröll gilt als Botschafter für Mayrhofen. Das ist für den bekannten Athleten eine große Ehre. Doch welche Botschaft möchte er eigentlich übermitteln? Wie aus der Pistole geschossen sagt er: „Ich möchte den Leuten zeigen, wie schön es bei uns ist und welche Möglichkeiten Mayrhofen bietet. Das ist mir beim Projekt „Berliner Höhenweg“ gelungen. Schon als ich klein war haben wir uns zum Ziel gesetzt den Berliner Höhenweg einmal nonstop zu laufen. Jahre später stellte ich das Konzept Servus TV vor, fixierte heimlich einen Termin mit den Kameraleuten und schaffte mein großes Ziel: 95,4 Kilometer und 13.320 Höhenmeter unter 24 Stunden. Eine Strecke, für die man normalerweise sieben Tage benötigt. Das war nicht nur für mich persönlich ein großer Erfolg, sondern auch viel Werbung für die gesamte Region rund um Mayrhofen.“

Markus Kröll, Dolomitenmann

Markus Kröll liebt die Berge.

Sein Ziel: Laufen solange es geht

Obwohl der 43-Jährige dem klassischen Berglauf den Rücktritt erklärte, bedeutet das noch lange nicht das Ende seiner Karriere. „Ich werde meinen Körper schinden und schleifen bis es nicht mehr geht.“, erzählt Markus Kröll, der sich in Zukunft eher den Langstrecken widmet. „Mit dem Alter wird man vernünftiger, ich höre jetzt viel mehr auf meinen Körper als früher. Trotzdem möchte ich bis mindestens zum 50. Geburtstag sechs Mal die Woche trainieren. Was gibt es Schöneres, als nach einem anstrengenden Berglauf in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit der Familie ausgiebig zu Frühstücken? Das geht nur mit den Bergen vorm Haus, deshalb schätze ich meine Heimat Mayrhofen sehr.“, erzählt Markus Kröll überzeugt.

 

 

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