Andreas Wierer, Bergführer aus Leidenschaft

Andreas Wierer hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Im Interview spricht er über die Faszination des Bergsteigens, die Besonderheiten des Zillertals und die malerische Gletschertour zum Schwarzenstein. Dabei plaudert er aus dem Nähkästchen und gibt Einblicke in den Alltag eines Bergführers.
Am Gipfel mit Andreas Wierer

©Sportalpen

Erstellt von

©Sportalpen

Du kommst direkt aus dem Zillertal, was macht für dich Ginzling zum Bergsteigerdorf schlechthin?

Andi: In Ginzling wie auch im gesamten Zillertal eröffnen sich einem unendliche Möglichkeiten in punkto Bergsport und Alpinismus. Spannende Klettersteige, anspruchsvolle Gipfeltouren und gemütliche Wanderungen mit der Familie lassen im Zillertal die Herzen der Bergsportler höher schlagen. Vom blutigen Anfänger bis zum erfahrenen Überhänger findet jeder die passende Herausforderung.      

Was ist das Besondere am Wandern im Zillertal?

Die einzigartige Vielfalt der Natur. Während die Gäste im Tal von der idealen touristischen Infrastruktur profitieren, erwarten Sie in den Bergen herrliche Wandergebiete in allen Schwierigkeitsgraden zwischen klaren Bergseen, saftigen Almwiesen und schroffen Felsen. Speziell im Frühjahr, wenn die Almrosen blühen, erleben Gäste einen besonderen Anblick der Natur. 

©Sportalpen

Was sind für dich die Highlight-Touren, die Glanzstücke im Zillertal?

Da fallen mir einige ein. Neben der landschaftlich außerordentlich schönen Schwarzenstein-Überschreitung vor allem der Große Möseler mit der Eiswand. Unzählige aussichtsreiche Gipfel laden hier zur Besteigung ein. Für mich gibt es eigentlich keinen persönlichen Favoriten, ich bin einfach gerne in der Natur und genieße die Landschaft. 

Ein besonderes Highlight ist auch der Sonnenaufgang über dem Gipfelpanorama mit Turnerkamp, Großer Möseler, Schönbichler Horn und Schwarzsee.

Was ist das Besondere an der Gletschertour zum Schwarzenstein?

Dass die Tour das gesamte Spektrum des Alpinismus verlangt. Gehen auf Fels und Eis sowie mit Steigeisen, Block klettern. Vor allem das Gehen mit Steigeisen auf dem Fels ist für die meisten Gäste ein ungewohntes, aber interessantes Erlebnis. Generell ist die Tour ein traumhaftes Abenteuer in malerischer Umgebung. 

Was muss man bei Gletschertouren im Vergleich zu normalen Aufstiegen beachten?

Eis ist generell ein spezielles Terrain. Besonders im Frühjahr sind die Gletscherspalten oftmals nicht sichtbar, weshalb eine vorsichtige Vorgehensweise unbedingt notwendig ist.  

Du bist als Bergführer vielfältig im Einsatz. Hast du eine Lieblingsdisziplin?

Im Winter liebe ich es, prickelnde Skitouren abseits des Trubels zu führen, im Sommer leichte Klettereinheiten am Grat. Bei weiten Gletscherwanderungen versinke ich oftmals in meine Gedanken, was manchmal auch einen Entspannungseffekt mit sich bringt.  

©Sportalpen
Atemberaubender Ausblick auf die umliegende Bergwelt Zillertals
©Sportalpen
Am Abend wird es gemütlich in der Hütte
©Sportalpen
Das Gipfelglück ist spürbar!

Wie viele geführte Touren machst du pro Saison?

In einem Jahr, also Sommer und Winter, komme ich im Schnitt auf 200 bis 250 Führungstage. Die Gruppengröße variiert dabei von ein bis zwei Personen bei privaten Touren bis zu 30 beim Kinderklettern. Dabei vermitteln wir den Kids in einer Gruppe von rund fünf Bergführern die Basics des Sports. Generell begleite ich aber Kinder ebenso wie Pensionisten. Mit meinem ältesten Gast, einem 72-jährigen Pensionisten, war ich sogar am Mont Blanc. 

 

Dieser Herr war mit Sicherheit ein Zillertaler, wenn er mit 72 noch so fit war, oder? 

(lacht). Nein, wir sind noch mit 80 in den Bergen unterwegs. 

©Sportalpen

Als Bergführer erlebt man so einiges. Gibt es ein besonderes Erlebnis, das dir in Erinnerung geblieben ist?

Natürlich erlebt man manchmal auch brenzlige Situationen. Ein Ostösterreicher verursachte während einer Tour mehrmalig fast meinen Absturz, das werde ich nie vergessen. Schöne Erinnerungen sind beispielsweise die Momente der Freude und des Erfolgs, wie beim 72-Jährigen Mont Blanc-Besteiger. 


Warum bist du Bergführer geworden?

Aus Leidenschaft! Eigentlich hatte ich Glück, wie mein Leben bisher verlaufen ist. Mit drei Jahren nahm mein Vater mich und meinem Bruder mit in die Bergwelt, mit 14 Jahren waren wir bei der Bergrettung. Danach machte ich vor mittlerweile 25 Jahren die Bergführer-Ausbildung. Zuerst war es Leidenschaft, die zur Berufung und später zum Beruf wurde. Jetzt bin ich in der glücklichen Lage, den Gästen unsere wunderbare Bergwelt näher bringen zu dürfen. 

Mehr Klettern & Bergsteigen