Harakiri Skipiste: eine steile Sache

Jeder Skifahrer, der die Harakiri Skipiste auf den Brettern bewältigt hat, ist stolz zu sagen: „I’m a survivor“. Aber wie steht es eigentlich um jene Menschen, die die steilste technisch präparierte Piste Österreichs den ganzen Winter über auf Vordermann bringen?
Harakiri, das steilste Pistenerlebnis Österreichs

© Dominic Ebenbichler

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490 PS unterm Hintern

Meine sämtlichen männlichen Freunde würden mich immens beneiden, wenn sie wüssten, wo ich mich gerade befinde. Ich fühle mich gut, wo ich gerade sitze: erhaben im Cockpit eines PistenBullys auf der Harakiri Skipiste!

 

Vor mir befindet sich ein Halblenkrad, das ich eher in einem Rallyewagen vermutet hätte. Rechts ein Joystick, perfekt auf die Hand des Fahrers abgestimmt. Übersichtlich und einfach zu handhaben ist auch das Bedienpanel, über das sämtliche Funktionen direkt wählbar sind. Jede Funktion ist abgebildet und farblich eindeutig gekennzeichnet. Über die Armlehne habe ich direkten Zugriff auf den Bildschirm, mittels eines in die Mittelarmlehne integrierten Terminal-Control-Centers. Der Motor startet per Knopfdruck eine zwölf Tonnen Maschine, die 490 PS unterm Hintern aktiviert.

Der Winde sei Dank

Ich bin umringt von drei Männern. Einer von ihnen ist Josef Geisler, Betriebsleiter der Mayrhofner Bergbahnen, während die anderen als PistenBully-Fahrer im Einsatz sind. Einer von ihnen, Gottfried Rahm, ist für den Zustand der steilsten technisch präparierten Skipiste Österreichs zuständig: der Harakiri. Gemeinsam erklären sie mir, wie es überhaupt möglich ist, eine Piste von durchschnittlich 78 Prozent Gefälle zu präparieren.

Die Harakiri mit einer Durchschnittsneigung von 36 Grad wird erst seit wenigen Jahren präpariert. Erst seit dies technisch überhaupt möglich ist. Zuvor gab es an dieser Stelle nur eine Buckelpiste“, weiß Josef Geisler zu berichten.

 

Präparation der Harakiri Skipiste

 

Möglich wurde die Präparierung der Harakiri Skipiste mit der extremen Steillage durch eine Seilwindenmaschine. Die speziell ausgerüsteten Pistengeräte hängen via starkem Seil während der Präparierung an einem sogenannten „Ankerpunkt“, der bereits im Sommer gesetzt wird und das Pistengerät vor dem Abstürzen bewahrt. Diese speziellen Winden ziehen nicht das ganze Gefährt, sondern wirken nur unterstützend und laufen synchron mit der Antriebshydraulik des Pistengeräts. Josef Geisler: „Der Fahrer muss mit äußerster Konzentration bei der Sache sein und sich im Fahrersitz mit einem speziellen Gurt zusätzlich absichern.“ Und Gottfried Rahm ergänzt: „Ich muss sehr genau darauf achten, dass es zu keinen Überlastungen der Windensteuerung kommt, da ansonsten zu große Kräfte auf das Windenseil und den Ankerpunkt kommen.“ Beides wird im Übrigen in regelmäßigen Abständen kontrolliert, um eventuelle Schäden frühzeitig zu erkennen.

© Laurin Moser

Harakiri als besondere Herausforderung

Welches Gefühl er denn beim Präparieren hätte, frage ich den versierten Pistengerätfahrer. „Die Harakiri ist eine besondere Herausforderung, der ich tagtäglich mit Respekt begegne. Aber ich bin jetzt über 25 Jahre im Dienst, da denkt man irgendwann nicht mehr über die besondere Steilheit der Piste nach.“, überzeugt mich Gottfried Rahm. Um die Harakiri präparieren zu können, braucht es aber mehr als das Pistengerät. Eine kluge Vorgehensweise bei der Beschneiung der Piste und dem schichtweisen Schneedeckenaufbau ist unerlässlich.

 

Intelligente Beschneiung

 

Drei bis vier Wochen Schichtaufbau sind im Frühwinter in etwa nötig, um alle Geländekonturen und Gräben auszugleichen.“, berichtet Josef Geisler. „Dabei wird täglich eine Schicht Kunstschnee mit den Ketten in die Pistenfläche gedrückt und im rauen Zustand belassen. Erst bei Eröffnung der Piste wird die Heckfräse eingesetzt, um die Piste zu glätten und damit befahrbar zu machen.“ Damit den Wintersportlern bis Saisonende eine einigermaßen griffige Piste geboten werden kann, wird die Harakiri täglich beschneit. Ob ich auch dann wieder dabei sein möchte, werde ich gefragt. Natürlich – wie oft hat man denn die Gelegenheit ganz nah an einem Arbeitsplatz zu sein, um den man von der halben Welt beneidet wird?

Read & Ride

Was Rider unbedingt wissen sollten, bevor sie sich an die steilste präparierte Piste Österreichs heranwagen:

 

  • Kenntnis der FIS-Regeln
  • körperliche Fitness
  • beste Körperbeherrschung
  • das fahrerische Können sollte über den Durchschnitt hinausreichen
  • versierte Skitechnik
  • stabile Körperposition
  • unbedingt Außenski belasten – nicht zum Hang lehnen
  • entschlossenes Aufkanten
  • optimale Ausrüstung – dazu gehören scharfe Kanten und ein Helm
  • absolutes „No Go“ für Snowblades und Kurzski

 

Facts & Figures

 

Der Aufwand für den Betrieb der Harakiri ist beträchtlich. Sie muss täglich beschneit und unter vollster Konzentration präpariert werden. Wird nur einmal ein wenig zu viel beschneit, bricht der Schnee in Form einer Lawine weg, was einen Neustart für den gesamten Pistenaufbau bedeuten würde. Zudem müssen für die Harakiri Banden geschaffen und laufend überarbeitet werden, um die Wintersportler im Fall eines Sturzes in eine gewollte Sturzbahn zu lenken.

 

 

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