Berliner Hütte

Die Berliner Hütte ist nicht nur die älteste der acht Hütten am Berliner Höhenweg, sondern auch die geschichtsträchtigste. Die Hütte verkörpert das Ambiente der Pionierzeit des Alpinismus und steht unter Denkmalschutz. Warum sie mich eher an ein Schloss als an eine Hütte erinnert und was sie so faszinierend macht, möchte ich nachstehend erzählen.

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Berliner Hütte am Berliner Höhenweg

Die Wiege des Alpinismus

Die Berliner Hütte ist nicht nur die älteste der acht Hütten am Berliner Höhenweg, sondern auch die geschichtsträchtigste. Die Hütte verkörpert das Ambiente der Pionierzeit des Alpinismus und steht unter Denkmalschutz. Warum sie mich eher an ein Schloss als an eine Hütte erinnert und was sie so faszinierend macht, möchte ich nachstehend erzählen.

Prunkvoll, mächtig und umrahmt von zahlreichen Dreitausendern lenkt die Berliner Hütte schon von Weitem alle Blicke auf sich. Nicht umsonst gilt sie als eine der geschichtsträchtigsten Hütten am Berliner Höhenweg. Ein magischer Ort, an dem vor 130 Jahren das Bergsteigen begonnen hat und der auch heute noch Besucher in seinen Bann zieht.

„Schloss“ statt Almhütte

Berliner Hütte am Berliner Höhenweg

Schön gelegen: Die Berliner Hütte.

Majestätisch wie ein Schloss ragt die Berliner Hütte mit den Nebengebäuden aus der einzigartigen Bergwelt der Zillertaler Alpen. Der imposante Anblick lässt mich einige Minuten vor dem Gebäude ausharren. Mit dem klassischen Bild einer Almhütte hat das nicht viel zu tun. Kaum vorstellbar, wie das Gebäude mit Hand erbaut wurde. Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät mir, dass die Anfänge eher bescheiden waren. Die ursprünglich 10 x 6 Meter kleine Hütte wurde 1910 radikal umgebaut, bis sie das heutige Erscheinungsbild bekam. Bei näherer Betrachtung entdecke ich am talseitigen Gibel des Logierhauses die Aufschrift „dem Sturme Trutz, dem Wanderer Schutz“, die an das Motto der Einweihungsfeier im Jahr 1885 erinnert. Neugierig betrete ich die mit Holz vertäfelte Hütte.

Tipp: Unbedingt den Haupteingang der Berliner Hütte benützen. Hier wird man sofort in die Zeit zurückversetzt.

Erinnert mehr an ein Schloss als an eine Berghütte

Berliner Hütte: Stiegenaufgang.

Empfangshalle im Stil des 20. Jahrhunderts

Ich stehe in einem riesigen Raum mit hohen Wänden, historischen Bildern und einem Aufsehen erregenden Stiegenaufgang aus Holz, der mich eher an ein nobles Herrenhaus als an eine Unterkunft für Bergwanderer erinnert. Ein riesiger Luster aus Holz in der Mitte des Raumes beleuchtet das Stiegenhaus. Unmittelbar neben dem Eingang ist eine Art Rezeption, in der mich der Hüttenwirt Rupert in seiner Lederhose freundlich begrüßt. Er erklärt mir, dass dieser Raum im 19. Jahrhundert das Postamt war. Weiter erzählt er, dass die Hütte 1988 einen eigenen Telefonanschluss über eine Freileitung bekam und eine Schuhmacherwerkstatt errichtet wurde. Nachdem Rupert mir den Schlüssel für mein Zweibettzimmer überreicht hat, erkunde ich die weiteren Räume des „Schlosses“.

Herrschaftlicher Speisesaal

Holzwand mit Bildern Gemälden vergangener Zeiten

Historische Bilder an den Wänden der Berliner Hütte

Der Speisesaal ist wahrlich das Herzstück der Berliner Hütte. Durch die historischen Bilder an der Wand fühle ich mich in das 20. Jahrhundert zurückversetzt und male mir aus, wie dort die hohe Gesellschaft in Frack und aufwendigen Kleidern die noblen Feste gefeiert hat. Liebevolle Details wie feinste Tischlerarbeiten, Fresken an den Wänden und alte Gemälde schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Es ist einfach unvorstellbar, dass so etwas zu dieser Zeit auf 2.042 Meter Höhe entstanden ist. „An der Einrichtung hat sich seit die Pioniere da waren wenig verändert“, informiert mich der Hüttenwirt im Vorbeigehen.

Tipp: Für jeden Raum genügend Zeit einplanen!

Damensaal aus dem 20. Jahrhundert

Am Weg zum Damensaal treffe ich auf die Kellnerin, die mich über den Raum informiert: „Die Damen benötigten einen separaten Raum, wo sie unter sich sein konnten – daher kommt der Name Damensaal. Die Herren haben im großen Saal ihre Ruhe gehabt.“ Seit fast 130 Jahren hat sich im Damensaal kaum etwas geändert. Das sieht man auch. Verschnörkelte Sessel, Landschaftsbilder und urige Lampen geben einen Einblick in die Zeit um 1900.

Schilder zeigen den Weg zur Berliner Hütte.

Wegweiser zur Berliner Hütte.

Luxus in den Bergen: Zweibettzimmer

Rupert nimmt sich noch Zeit und zeigt mir mein Zweibettzimmer. Während wir über die Stufen des hölzernen Aufgangs gehen, informiert mich der Hüttenwirt: „200 Wanderer – Damen wie Herren – haben auf der Hütte Platz. Es gibt neben Mehrbettzimmern mit Stockbetten auch Schlafsäle und Zweibettzimmer.“

Nachdem mich der Hausherr persönlich zu meinem Zimmer Nummer 37 gebracht hat, betrete ich mein Reich für eine Nacht. Die Einrichtung ist schlicht gehalten im Gegensatz zum Eingangsbereich und den Sälen. Der Raum ist mit einem Kasten, einem Schreibtisch und dem Doppelbett gut ausgestattet. Mich zieht es sofort zum Fenster, aus dem mich ein einzigartiger Ausblick auf die Zillertaler Bergwelt erwartet. Herrlich!

Die Geschichte der Berliner Hütte im Schnelldurchlauf:

  • 1879 wurde die Berliner Hütte als erste Schutzhütte der Zillertaler Alpen eingeweiht
  • 1885 erfolgte der erste Erweiterungsbau – der Wahlspruch „Dem Sturme Trutz, dem Wanderer Schutz“ wurde in einen Giebel eingemeißelt
  • 1892 entstand das dreigeschossige Schlafhaus oder Logierhaus
  • 1897 erwarb die Sektion Berlin das Grundstück. Ein weiterer Speisesaal, der Damensalon mit 82 Plätzen und ein Matratzenlager wurden gebaut
  • 1898 bekam die Hütte einen Telefonanschluss, ein Postamt und eine Schuhmacherwerkstatt
  • 1910 erhielt das Gebäude sein erstes Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung, nur kurze Zeit später folgte eine elektrische Heizung
  • Nach den Weltkriegen wurde die Berliner Hütte 1956 wieder an die Sektion zurückgegeben
  • 1967 entstand ein neues Wasserkraftwerk mit rund 40 Kilowatt Leistung
  • 1997 wurde die Berliner Hütte als erste und bisher einzige Schutzhütte Österreichs unter Denkmalschutz gestellt
  • 1998 ging die erste Materialseilbahn in Betrieb

 

 

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