Peter Habeler – Berglegende aus Mayrhofen

Peter Habeler ist der Inbegriff für Extrembergsteigen. Seit er gemeinsam mit Reinhold Messner als erster den Mount Everest ohne Sauerstoffversorgung bestiegen hat, machte er den Extremsport zu seiner Spezialität

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Peter Habeler

Der Tiroler Bergsteiger im Interview

Peter Habeler ist der Inbegriff für Extrembergsteigen. Seit er gemeinsam mit Reinhold Messner als erster den Mount Everest ohne Sauerstoffversorgung bestiegen hat, machte er den Extremsport zu seiner Spezialität. Der Tourismusverband widmete dem Tiroler Bergsteiger sogar einen Hütten-Rundweg in Mayrhofen-Hippach, auf dem die Gäste auf den Spuren Peter Habelers wandern können.

 

Höhenluft: Wann und warum hat Sie das Bergfieber dermaßen gepackt?

Peter Habeler: Ich bin direkt in den Bergen aufgewachsen und machte meine ersten Touren schon mit elf. Mit 21 erhielt ich das Diplom als staatlich geprüfter Skiführer. Gemeinsam mit Horst Fankhauser war ich als Tiroler Bergsteiger auf den ersten großen Klettertouren. Als Lehrmeister zeigte uns der Osttiroler Sepp Mayerl wichtige Tipps und Ratschläge.

 

Peter Habeler

Seit seiner Kindheit ist Peter Habeler eng mit den Zillertaler Bergen verbunden.

 

Höhenluft: War die sensationelle Erstbesteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffversorgung mit Reinhold Messner ihr persönlich größter Erfolg?

Peter Habeler: Nein, es hat mir nur sehr viele Wege geöffnet – auch den, mit Bergsteigen ein bisschen Geld zu verdienen. Es gab aber weitaus schwierigere Touren, wie etwa der Kangchendzönga mit 8.585 Metern oder der Nanga Parbat mit 8.126 Metern. Am schnellsten bin ich in einer kleineren Gruppe – wie damals mit Reinhold Messner. Wir Tiroler Bergsteiger haben den westalpinen Stil geprägt und Lebensmittel, Zelte und alles was man so braucht im Rucksack getragen. Viele Junge kopieren das nach dem Motto „back to the roots“.

 

Peter Habeler

Obwohl er schon viele Berge bestiegen hat, zieht es ihn immer wieder zurück in die Heimat.

 

Höhenluft: Mittlerweile pilgern Bergsteiger auf Achttausender – was halten Sie von diesem Massentourismus?

Peter Habeler: Nicht alle sind Bergsteiger, die den Berg in Angriff nehmen. Sie sind zwar gut trainiert und müssen vor allem Geld haben, denn eine Besteigung kostet 60.000 Euro. Daraus ist ein lukratives Geschäft geworden. Was mich stört ist, dass so viele am Berg losströmen, sobald der Wetterbericht gut ist. Egal ob dick oder dünn und quer durch alle Nationen: Jeder fühlt sich befugt. Meist kennen sich die Mannschaften aus den verschiedenen Nationen gar nicht, daher schaut jeder nur auf sich. Das ist eine fatale Situation. Alle wollen auf den Gipfel, koste es was es wolle. Das Positive am Bergsteigen soll sein, dass man sich gegenseitig hilft, aufeinander aufpasst und gegebenenfalls auf den Gipfelsieg verzichtet.

 

 

Höhenluft: Fairness und Fairplay sind also die obersten Gebote?

Peter Habeler: Ja, und das gibt es Gott sei Dank immer noch. Da bin ich als Tiroler Bergsteiger sehr froh darüber. Die „Rette sich, wer kann“-Mentalität darf nicht übergreifen.

 

 

Höhenluft: Welchen gefährlichen Grenzsituationen waren Sie ausgesetzt?

Peter Habeler: Es war schon ein paar Mal sehr knapp, dass ich mit dem Leben davongekommen bin. 1985 bin ich am Großen Möseler mit einer Seilschaft von neun Leuten 400 Meter abgestürzt, wir haben alle überlebt. Viele Partner von mir sind beim Klettern gestorben oder erfroren – vor Höhenödemen habe ich als Bergsteiger immer am meisten Angst gehabt.

 

 

Höhenluft: Was geben Sie „normalen“ Bergsteigern mit auf dem Weg?

Peter Habeler: Der „Otto Normalverbraucher“ sollte auf dem ausgewiesenen Weg bleiben. Disziplin und Respekt vor dem Berg sind gefragt. Eine gute Ausrüstung alleine ist zu wenig, der Bergsteiger braucht für schwierige Touren eine körperliche und psychische Vorbereitung sowie gründliche Informationen.

 

Peter Habeler

Der Höhenweg in der Mayrhofener Bergwelt trägt Peter Habelers Namen.

 

Höhenluft: Was würden Sie nie wieder tun?

Peter Habeler: (überlegt sehr lange) Das Glück war zu sehr auf meiner Seite, die Partner zu gut. Ich habe nichts zu bereuen, es war immer bärig (lässig, toll). Ich würde jedoch für meine Familie mehr Zeit aufwenden. Ich war als Bergsteiger dauernd unterwegs, habe zu viel auf mein Ego geschaut und meine Leidenschaft (zu) exzessiv betrieben.

 

 

Höhenluft: Was bedeutet die nach Ihnen benannte „Peter-Habeler-Runde“ in Mayrhofen für Sie?

Peter Habeler: Das ist ein großer ideeller Wert für mich. Ich kenne alle sieben Hütten, über die dieser Weg führt sehr gut und kann zu jeder eine Geschichte erzählen. Berghütten zum Einkehren sind wichtig, da sie zu unserer alpinen Kultur zählen.

 

 

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