Edelbrände vom Stiegenhaushof: Sagen Sie niemals Schnaps zu ihnen!

Ich fahre mit dem Auto beim „Stiegenhaushof“ vor. Der Hausherr, Martin Fankhauser, sitzt auf einer Bank vor der Schaubrennerei. Als ich die Tür meines Autos öffne begrüßt er mich mit einem freundlichen „Willst du zu mir?“ Meine Antwort dazu fällt lapidar und weniger schlagfertig aus „Ja, auf alle Fälle!“.

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Das "Herzstück" am Stiegenhaushof: Der Schnapskessel (Bild: Markus)

Montag. 17:45. Ich fahre mit dem Auto beim „Stiegenhaushof“ vor. Der Hausherr, Martin Fankhauser, sitzt auf einer Bank vor der Schaubrennerei. Als ich die Tür meines Autos öffne begrüßt er mich mit einem freundlichen „Willst du zu mir?“ Meine Antwort dazu fällt lapidar und weniger schlagfertig aus „Ja, auf alle Fälle!“.

 

Wenige Augenblicke später stehen wir schon in der Schaubrennerei vom Stiegenhaushof in Schwendau, die früher ein Kuhstall gewesen ist. Hier werden sie also gebrannt, die weitum bekannten Edelbrände. Nach dem Gespräch fahre ich definitiv klüger wieder nach Hause und habe viel über die fabelhafte Welt der Edelbrände gelernt.

Ich möchte euch hier einladen, auch ein wenig klüger zu werden. Nach der Lektüre des Textes mehr zu wissen als vorher. Und vor allem auch davon zu erfahren, dass ein Edelbrand weit mehr als das ist, was landläufig etwas salopp als Schnaps bezeichnet wird. Ein Edelbrand ist quasi die Königsklasse der Schnäpse. Doch lest am besten einfach selbst, was mir Martin Fankhauser so alles erzählt hat…

Ich: Martin, wie hat das bei euch eigentlich alles begonnen? Wie seid ihr da hingekommen, wo ihr jetzt seid?

Vom "Meisterwurz" bis zum "Bergheu-Brand". Das Sortiment ist breit (Bild: Markus)

Vom „Meisterwurz“ bis zum „Bergheu-Brand“. Das Sortiment ist breit (Bild: Markus)

Martin Fankhauser: Drüben gibt es, wenn du hier rausschaust, eine kleine Garagen-Brennerei. Das war die Brennerei vom Vater. 2006 wurde neu gebaut. Sieben Jahre lang haben wir alles aufgebaut. Wir waren in diesem Zeitraum auch schon mehrfacher Landessieger. Dann haben wir uns entschlossen, das Hobby zum Beruf zu machen. 2011 haben wir den Kuhstall umgebaut, in dem wir uns jetzt gerade befinden. 2012 sind wir hier eingezogen.

Mittlerweile sind wir sehr erfolgreich. 2014 haben wir den „World Spirits Award“ bekommen. Natürlich haben wir auch zahlreiche andere Preise gewonnen. Ich bin der Meinung, dass es nicht so wichtig ist, ob man Gold, Silber oder Blech gewinnt. Der Kunde entscheidet, ob ihm der Edelbrand schmeckt oder nicht.

Ich: Natürlich beeinflussen solche Preise aber die Wahrnehmung des Kunden – und diese lassen sich auch zu Marketing-Zwecken nutzen.

Fankhauser: Natürlich. Preise sind wichtig und gut. Ein Betrieb muss sich im Heute auch gut vermarkten können. Es ist wichtig, die Marke zu transportieren. Ich war in den letzten Jahren immer bei Großveranstaltungen unterwegs. Ich war in Schladming, in London und an vielen anderen Orten. 2017 werde ich zum Beispiel wieder in St. Moritz dabei sein. In diesem Jahr war ein Highlight das Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Wichtig ist es, sein Produkt präsent zu halten und zu diesem Geschichten erzählen zu können.

Ich: Wo finde ich deine Edelbrände eigentlich? In der Region? In der gehobenen Gastronomie?

Fankhauser: Wir sind mit 4- und 5-Sterne Häusern gestartet. Wir verkaufen unsere Schnäpse eigentlich nur in der gehobenen Gastronomie. Für den Rest sind wir wohl zu hochpreisig. Das liegt auch daran, dass wir nur das beste Obst zum Brennen benutzen. Qualität ist uns in dieser Sache sehr wichtig. Wir beliefern ganz Tirol und ein kleines bisschen in den bayerischen Raum hinaus und auch zum Beispiel Salzburg.

Ich: Was macht einen guten Edelbrand aus?

Fankhauser: Ein guter Edelbrand muss gut riechen und gut schmecken. Was er in der Nase verspricht, muss er auf dem Gaumen auch halten!

Ich: Welche Edelbrände bekomme ich eigentlich bei euch?

Der Hausherr und sein Heu! (Bild: Markus)

Der Hausherr und sein Heu! (Bild: Markus)

Fankhauser: Es sind ca. 35 – 40 Edelbrand-Sorten. Apfel, Quitte, Vogelbeere, Marille, Birne und vieles mehr. Mein Highlight ist aber der Edelbrand, den ich 2010 aus Heu produziert habe. Damit bin ich auch bekannt geworden. Dazu habe ich einfach Almwiesenheu mit Apfel und Himbeere mit vergoren und destilliert. Dazu gibt es auch ein Bild, das sehr gut funktioniert hat: Ich mit nacktem Oberkörper und dem Heu. Darauf folgte dann auch der Bergheu-Gin. Auch Rum gibt es bei uns. Natürlich darf man die Liköre nicht vergessen. Kultig hier in der Region ist natürlich auch der „Meisterwurz“.

Ich: Wie viele Schnapsbrenner gibt es eigentlich im Zillertal?

Fankhauser: Im Zillertal gibt es sieben Betriebe, die auf Edelbrand-Niveau brennen. Wir sieben sind eigentlich eine Art „Brenner-Familie“. Wir sind alle Edelbrand-Sommeliers. Wir sind nicht auf einander neidisch, sondern gehen sehr gut miteinander um. Jeder versucht stets das beste Brenn-Ergebnis zu erzielen.

Ich: Was würdest du sagen, dass euren Betrieb besonders auszeichnet?

Edelbrände verkosten mit dem Blick auf Schafe (Bild: Markus)

Edelbrände verkosten mit dem Blick auf Schafe (Bild: Markus)

Fankhauser: Wir sind am Stiegenhaushof ein Familienbetrieb mit einem Angestellten. Außerdem sind wir Bauern. Mit Grund und Boden. Wir haben keine Milchwirtschaft mehr, sondern haben, wie gesagt, unser Hobby zum Beruf gemacht. Wir wollten aber auch bei den Edelbränden Direktvermarkter bleiben. Wir haben außerdem einen Schafzucht-Betrieb, Tiroler Bergschafe, ca. 40 Stück. Wir züchten die Schafe nicht für die Milch und für das Fleisch, sondern für die Schönheit. Ein gutes Schaf ist einiges Wert. In Zukunft wollen wir außerdem noch die Wolle mit vermarkten.

Ich: Wie trinkt man eure Edelbrände eigentlich richtig?

Fankhauser: Eine gute Trinkkultur ist sehr wichtig. Schnapsglas hoch und den Schnaps runterleeren passt sicher nicht zu unseren Edelbränden. Auch gekühlt sollten die Edelbrände auf gar keinen Fall werden! Bei uns gibt es keinen Zucker und keine Aromastoffe. Bei 18 – 20 Grad kommen der Geruch und der Geschmack am besten zur Geltung. Entscheidend ist auch das richtige Glas. 70 Prozent des Geschmacks kommt schließlich über die Nase und 30 Prozent über die Zunge. Ein guter Edelbrand darf auf der Zungenspitze und hinten im Rachen nicht brennen. Kribbelt er aber auf der Zunge, dann spricht man vom „langen Finale“, das charakteristisch für gute Edelbrände ist. Kribbeln darf ein Edelbrand also, aber nicht beißen oder kratzen.

Ich: Danke, Martin, für das Gespräch und für den Einblick!

Kurze Anmerkung noch meinerseits: Die Schnapsroute im Zillertal lässt sich HIER nachlesen.

Titelbild: Markus

 

 

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