Stoankasern: Auf der Suche nach dem besten Bergkäse im Zillertal!

Es war eine typische Odyssee. Mit einem anfangs ganz klaren Vorhaben und einem ganz klar definierten Ziel. Wie es bei einer solchen Odyssee seit jeher typisch ist gerät das Ziel unterwegs jedoch ein wenig aus den Augen.

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dav

Es war eine typische Odyssee. Mit einem anfangs ganz klaren Vorhaben und einem ganz klar definierten Ziel. Wie es bei einer solchen Odyssee seit jeher typisch ist gerät das Ziel unterwegs jedoch ein wenig aus den Augen. Auf dem Weg muss man seine ursprünglichen Vorhaben modifizieren, sich Herausforderungen und Abenteuern stellen, um doch noch ans Ziel zu kommen. Folgt mir hier bei meiner Suche nach Genuss, Bergkäse im Zillertal und Jausen-Stationen.

 

Es begann alles ganz harmlos mit einem Anruf. „Hallo, Hotel XY (Name der Redaktion bekannt, Anm. Autor).“ Ich: „Eigentlich wollte ich zur Jausenstation ´Stoankasern´“. Sie: „Ja, aber die hom koa Telefon dort oben“. Ich: „Achso, irgendwie logisch. Haben die heute offen? Ich würde gerne vorbeikommen und den Käse dort oben probieren!“. Sie: „Ja, kommen´s ruhig. Offen is.“ Ich: „Wie komme ich da rauf“? Sie: „Gonz rauffahren können´s net. Aber sie kennan dort ein wenig rauffahren und bei einem der Höfe parken“.

Man verzeihe mir die dilettantische Wiedergabe des Zillertaler Dialektes. Auch muss ich anfügen, dass auch ich nicht ganz dialektfrei gesprochen habe. Interessant war jedenfalls, dass sie ein Zillertaler Wort für Bauernhof benutzte, das ich nicht verstand (der Wortlaut ist mir leider entfallen). Von da an war sie bemüht feinstes Hochdeutsch mit mir zu sprechen.

Bereits an dieser Stelle wurde klar dass ich, obwohl gebürtiger Tiroler, jetzt nicht der Bergfex schlechthin bin. Auch meine Adjustierung, für die ich tags darauf bei einer meiner Erzählungen von meiner Frau schwer gerügt wurde, machte es nicht wirklich besser. Ich entschied zum besagten Zeitpunkt nämlich, dass ein normales T-Shirt, eine kurze Hose, Turnschuhe und meine Umhängetasche mehr als nur ausreichend sein würden.

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Jausenstation „Stoankasern“ (Bild: Markus)

Bergkäse im Zillertal: In Juns und doch nicht da…

Solchermaßen gekleidet und sogar noch mit Wasserflasche und Regenschirm in der Tasche sprang ich ins Auto. Angekommen in Juns wurde mir meine Hybris bewusst. Ich hatte, als vermeintlich aufgeklärter Städter, dem „Navi“ in meinem Auto mehr Glauben geschenkt als der freundlichen Dame an der Hotel-Rezeption. Mein Navi sagte mir, dass eine Zufahrt zu besagter Adresse der Jausenstation „Stoankasern“, wo der herrliche Bergkäse wohl schon aufgeschnitten auf mich wartete, problemlos möglich wäre.

Machen wir es kurz: Dem war nicht so. Die Zieladresse war nicht dort, wo ich sie mir gewünscht und er

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Beim Abstieg nach Juns (Bild: Markus)

gewartet hatte. Sie war im Tal von Juns. Ich stand ratlos im Dorf und wusste nicht weiter. Reumütig rief ich abermals die Nummer, die mich mit der Dame verband, die bei unserem ersten Telefonat die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verkündet hatte.

Das Hotel war glücklicherweise ganz in der Nähe. Ich fuhr hin, ließ mir eine Wanderkarte aushändigen und mir zeigen, wo ich denn das Auto parken könnte, damit die Wanderung nicht allzu lange ausfallen würde. „2 Stunden wirsch aber trotzdem brauchen“ gab mir die freundliche Dame zum Abschied noch mit auf den Weg.

Bereits die ersten Schritte brachten mich zum Schwitzen. Das wäre aber nicht so schlimm gewesen. Wäre ich nicht auch an Schildern vorbeigekommen, die mich ob der etwas brachialen Rhetorik ins Zweifeln brachten, ob ich wirklich am richtigen Ort war. „Freilaufende Hunde werden erschossen“ war darauf zu lesen. Hatte ich mich gar verlaufen?

Zum Glück bestätigten sich meine Befürchtungen nicht. Nach gut 1,5 Stunden (ich bin immer noch stolz !!) war ich an meinem Sehnsuchtsort angekommen: Bei der Jausenstation „Stoakasern“, wo es den offenbar sagenhaft guten „Junser Bergkäse“ geben sollte. Natürlich in der hauseigenen Käserei hergestellt.

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Die Kasspatzln mit dem Junser Bergkäse verfeinert (Bild: Markus)

Bergkäse im Zillertal: Am Ziel angelangt!

Vor Ort fielen Unsicherheiten und Skepsis der letzten Stunden augenblicklich von mir ab. Vergessen waren all die Strapazen. Adieu, lieber Schweiß, aber hallo lieber Bergkäse! Ein Blick auf die Speisekarte machte mir bewusst, dass ich hier im Käsehimmel angekommen war. Kasspatzln mit Junser Bergkäse, Kasknödelsuppe und Käse einfach so in verschiedensten Formen serviert. Herrlich!

Was macht man dann, als notorisch unentschlossener Mensch, wenn all diese Möglichkeiten manifestiert durch die Speisekarte vor einem da liegen? Richtig: Man entscheidet sich erst gar nicht, sondern bestellt nicht eine, sondern zwei Hauptspeisen. Die Kasspatzln und das Kasbrettl!

Essen Nr. 1 stand nach wenigen Minuten und wunderbar angerichtet auf dem Tisch. Natürlich nicht ohne durch ein Bier aus dem Tal begleitet zu werden. Das hatte ich mir jetzt wirklich redlich verdient. Der Junser Bergkäse verlieh den Spatzeln einen untypisch würzigen und sehr charakteristischen Geschmack. Zweifellos großartige Sache!

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Das „Probierkasbrettl“ (Bild: Markus)

Das Kasbrettl ließ danach nicht lange auf sich warten. Obwohl ich mich für das „Probierkasbrettl“ entschieden hatte kapitulierte ich vor der letzten Scheibe Bergkäse. Zum Glück durfte ich beim Genuss auch noch die anderen Käsesorten aus der hiesigen Almkäserei kosten. Ein Genuss! Ein Tipp am Rande: Man kann Käse auch kaufen und mit nach Hause nehmen!

Der Abstieg fiel dann deutlich leichter als der Aufstieg. Gestärkt mit ganz viel leckerem Käse im Bauch erkannte ich plötzlich auch zunehmend die unfassbare Schönheit der mich umgebenden Landschaften. Ich würde wiederkommen. Nicht nur, aber auch wegen dem Käse, den ihr ganz einfach probiert haben müsst.

Und so endete, liebe Leserinnen und Leser, diese Odyssee doch noch glücklich. So wurde ich auf meiner Suche nach Bergkäse im Zillertal doch noch fündig. Man sollte sich unterwegs ganz einfach niemals entmutigen lassen. Es ist nie zu spät für ein richtiges Happy End.

 

 

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