Tiroler Götterspeise: der Kiachl

Weil sie in Fett herausgebacken wird, bekommt man das Kiachl fast immer mit einer Serviette verkauft: Ganz frisch und noch mindestens lauwarm ist es ein Genuss – schmutzige Finger hin oder her. Der Kiachl – wie man es hier zu Lande nennt – ist ein Schmalzgebäck.

Erstellt von

Foto: Kristina Erhard

Weil sie in Fett herausgebacken wird, bekommt man das Kiachl fast immer mit einer Serviette verkauft: Ganz frisch und noch mindestens lauwarm ist es ein Genuss – schmutzige Finger hin oder her. Der Kiachl – wie man es hier zu Lande nennt – ist ein Schmalzgebäck. Man kennt es unter verschiedensten Namen in Tirol, Altbayern, Franken und Thüringen. Je nach Region wird es auch Schmalznudel, Knieküchle, Kirchweihnudel, Kirtanudel, Knienudel oder Sträubla genannt. Klingt facettenreich, ist es aber nicht. Der klassische Kiachl wird in drei Varianten serviert: mit Sauerkraut, mit Preiselbeeren und mit Staubzucker. Auch in Mayrhofen am Advent.

 

Was ist ein Kiachl?

Das ist der klassische Kiachl mit Staubzucker. Foto: Kristina Erhard

Das ist der klassische Kiachl mit Staubzucker. Foto: Kristina Erhard

Der Kiachl besteht gewöhnlich aus reinem Hefeteig. Dieser wird zu einer Kugel gerollt und anschließend so auseinandergezogen, dass die Mitte dünn und der Rand dick ist. Einige Leute ziehen den Teig auch über das Knie, um die gewünschte Form zu erhalten. Daher stammt der ursprüngliche Name „Kniekuchen“, zu Dialekt über die Jahrhunderte „Kiachl“. Anschließend werden sie im heißen Butterschmalz schwimmend ausgebacken. Lustiger Fun-Fact: In Franken wird teilweise zwischen „katholischen“ und „evangelischen“ Kiachln unterschieden, je nachdem, ob sich der Zucker in der Mulde (katholisch) oder in der Erhebung (evangelisch) befindet.

Wo gibt es die Kiachln?

Kiachln mit Sauerkraut sind die saure Variante - wie der Name auch schon vermuten lässt. Foto: Kristina Erhard

Kiachln mit Sauerkraut sind die saure Variante – wie der Name auch schon vermuten lässt. Foto: Kristina Erhard

Früher wurden Kiachln hauptsächlich zur Erntezeit im Herbst und an Festagen gebacken, die zumeist was mit der Kirche zu tun hatten. Heute gibt es das Schmalzgebäck auch in Biergärten, auf Volksfesten oder Christkindlmärkten. Das ideale Gebäck hat außen einen etwa drei Zentimeter hohen, weichen Wulst und ist innen hauchdünn und knusprig. Farblich ist sie goldbraun, nach innen hin wird sie heller.

Kiachln süß oder sauer?

Tja, bei dieser Frage scheiden sich wohl die Geister. Das ist so wie beim Frühstücken: manch einer mag es deftig, mach einer lieber süß. Und selbst das kann sich im Wochenverlauf ändern. Generell sind beide Kiachlvarianten absolute Klassiker. Da man Kiachln früher nur zu besonderen Anlässen gegessen hat, wurde dazu eben das gereicht, was es in der (zumeist)

Der Lieblingskiachl der Autorin: mit Preiselbeeren. Foto: Kristina Erhard

Der Lieblingskiachl der Autorin: mit Preiselbeeren. Foto: Kristina Erhard

kalten Jahreszeit gab: Sauerkraut aus einem großen Bottich und selbst eingekochte Preiselbeermarmelade aus den Bergen. Heute ist der Bissen in einen Kiachl ein Stück Nostalgie, deswegen kann man die Frage nach süß oder sauer wohl nicht pauschal beantworten. Am besten man geht nach Reihenfolge vor und isst beide.

 

Wie macht man Kiachln?

Nun, das ist eine Frage die man wiederum recht einfach beantworten kann. Es gibt nur ein Rezept – egal ob in Tirol, Franken oder Thüringen. Das wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Zutaten:

  • 50 dag Mehl
  • ½ Würfel oder ½ Pkg. Germ (Hefe)
  • 2 Eier
  • 3 dag Butter
  • ¼ l lauwarme Milch
  • 1 Prise Salz
  • nach Belieben etwas Rum
  • Butterschmalz oder Öl zum Herausbacken

Die Angaben reichen je nach Größe der Kiachl für 10 bis 15 Stück.

Zubereitung:

Das Mehl mit Salz vermischen, lauwarme Milch, Eier, zerlassene Butter, Rum dazugeben. Gut durchschlagen und für etwa eine halbe Stunde zugedeckt gehen lassen.

Danach mit einem Kochlöffel gleichmäßig große Teigstücke abteilen, auf einem Brett oder einer glatten Oberfläche zu Kugeln formen (evt. etwas Mehl zuhilfe nehmen), dann jeden Kiachl so auseinanderziehen, dass der Teig in der Mitte dünn ist und am Rand deutlich dicker. Wer mag nimmt für die Form seine Knie.

Jetzt den Butterschmalz oder das Öl in einer Pfanne erhitzen und die Kiachl mit der oberen Seite nach unten in das heiße Fett einlegen. Immer wieder umdrehen bis der Rand goldbraun ist.

Nun fehlt nur noch das Sauerkraut, Preiselbeeren oder Zucker. Die Qual der Wahl.

Mehr Kulinarik

Kulinarik Facts

Kulinarik, Genuss & Brauchtum

Gutes für Körper, Geist und Seele.

Lass dich von hervorragenden Zillertaler Köstlichkeiten verwöhnen.

Genieße Selbstgemachtes aus der Region, damit der Genuss nicht zu kurz kommt. Zillertaler Krapfen, Melchermuas und Kasspatzn sind fixer Bestandteil des Zillertaler Brauchtums und auf nahezu jedem Fest in der Ferienregion Mayrhofen-Hippach, Zillertal zu finden.

Weitere Infos zum perfekten Urlaub...

Das könnte dir auch gefallen