Auf den Spuren der Mineralien

Die Aufgabenstellung war einen Blog über Mineralien im Zillertal zu verfassen. Ideal für jemanden wie mich, der sich überhaupt nicht mit Steinen und Mineralien auskennt. Mein Opa hat immer zu mir gesagt: „Bled darfsch sei Diandl, oba zu helfn muasch da wissn!“

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Die Ausstellung "Zillertaler Kristallschätze" zieht die Besucher ins Europahaus Mayrhofen.

Die Aufgabenstellung war einen Blog über Mineralien im Zillertal zu verfassen. Ideal für jemanden wie mich, der sich überhaupt nicht mit Steinen und Mineralien auskennt. Mein Opa hat immer zu mir gesagt: „Bled darfsch sei Diandl, oba zu helfn muasch da wissn!“ Genau das habe ich mir zu Herzen genommen und bin wirklich fündig geworden. Ein Beitrag aus dem Höhenluft Magazin, der von der Mineraliensuche erzählt kommt genau richtig.

 

Wer suchet, der findet …

Vom kleinen Knirps in kurzer Lederhose, der an der Hand des Vaters die Faszination der Steine entdecken sollte, bis hin zum in Fachkreisen hoch anerkannten Mineralienkenner liegt ein jahrzehntelanger Weg über Stock und Stein, den Walter Ungerank als „Urgestein“ heute noch mit ungetrübter Freude und Herzblut zurücklegt. Kein Zufall, gilt doch das hintere Zillertal als Schatzkammer der Alpen seit jeher als idealer Ausgangspunkt für Naturforscher.

Der Mythos Stein

Der Funke als Steinsammler war als 10-jähriger Lausbub direkt übergesprungen, als Walter Ungerank zum ersten Mal in seinem Leben mit dem Mythos Stein konfrontiert worden war. Schnell füllte sich das Haus mit steinernem Leben, der Fantasie waren irgendwann keine Grenzen gesetzt, wieder und wieder ein Plätzchen für die kostbaren Schätze zu finden und zu schaffen.

Höhenluft im Gespräch mit dem Sammler aus Leidenschaft, der jedes Jahr bei der ständigen Suche nach neuen Exemplaren hunderte Kilometer auf tausenden von Höhenmetern zurücklegt.

 

Welche Eigenschaften muss ein Mineraliensammler besitzen?

Walter Ungerank: Vor allem eine große Liebe zur Natur und die Fähigkeit, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Und trotz der harten körperlichen Arbeit (für die eine gute Kondition erforderlich ist) eine Gaudi dabei haben.

 

 

Was nehmen Sie dabei so alles auf sich?

Walter Ungerank: Ich habe zum Beispiel ganz bewusst über den Winter 2010/11 Diät gehalten, um mich dann im Frühling in eine schmale Felsspalte hineinzwängen zu können, wo jedes Kilogramm Körpergewicht zu viel gewesen wäre. Als ich dann mühsam den Kopf durch das Loch durchgebracht hatte, war ich der erste Mensch, der dieses Neuland im Berg betreten durfte. Damit hat sich ein Traum für mich erfüllt! Denn was wir Sammler nicht bergen und ins Tal bringen, zerstört die Natur gnadenlos.

 

 

Wie oft sind Ihre Unternehmungen grenzwertig?

Walter Ungerank: Es passiert schon immer wieder, dass ich viel Glück habe. Etwa bei riskanten Sprüngen oder wenn ich die Zeit vergessen habe und froh bin, in der Nacht noch heil heimzukommen. Einmal habe ich mir auf 2800 Metern Seehöhe die Schulter ausgerenkt und musste per Hubschrauber geborgen werden, weiters musste ich bereits zweimal wegen Leistenbrüchen operiert werden.

 

Pickel, Hammer und Meisel sind die Werkzeuge vom Mineraliensammler

Pickel, Hammer und Meisel sind die Werkzeuge vom Mineraliensammler

 

Welche Ausrüstung benötigen Sie auf der Suche nach Steinen & Co?

Walter Ungerank: Einen Pickel, Hammer und Meißel sowie eine Brotzeit. Für den Abstieg ist die Tafel Schokolade wichtig für den Energieschub. Das Maximum, das ich bisher den Berg heruntergeschleppt habe, waren 40 Kilogramm – da weiß man dann abends schon, was man getan hat

 

 

Was ist das Faszinierendste an Ihrer Passion?

Walter Ungerank: Das Suchen. Wenn die Steine in der Vitrine sind, freue ich mich, wenn auch andere diese bewundern und bestaunen (wie z. B. auch im Rahmen seiner Ausstellung im Europahaus Mitte 2012, Anm.). Weiters das Forschen sowie Dokumentieren mit Fotos und Kurzfilmen.

 

 

Auf wie viele Funde können sie mittlerweile stolz sein?

Walter Ungerank: Ich denke, dass ich etwa 3000 Steine im Laufe der vielen Jahre zusammengetragen habe. Der Keller ist mit Glasvitrinen bestückt, in denen meine Schätz wie klare Bergkristalle, schwarzer Rauchquarz, roter und grüner Granat, violette Zepter-Amethyste und dunkelgrüne Smaragde aufbewahrt sind. Ich bin schon ziemlich stolz darauf, als Erster die Steinzeitwerkzeuge aus Bergkristall im Schlegeis erkannt zu haben, welche sieben- bis neuntausend Jahre alt sind. Zum Vergleich – die berühmten Ötzi-Funde sind „nur“ 5300 Jahre alt

 

 

Sie genießen höchste Akzeptanz und Anerkennung in Fachkreisen

Walter Ungerank: Ich arbeite mit Geologen und Archäologen der Universität Innsbruck zusammen und habe die ehrenamtliche Betreuung der Mineraliensammlung im Tiroler Landesmuseum inne. Außerdem besuche ich viele Vorträge im ln- und Ausland als Gast und auch als Referent.

 

 

Haben Sie Ihre vielen Funde, Abenteuer und Erfahrungen archiviert?

Walter Ungerank: Ich führe seit 50 Jahren penibel Tagebuch über jede Bergtour, jeden Begleiter, ob ich etwas gefunden, wie und wo ich einen Stein entdeckt habe. 48 dicke Ordner beinhalten unzählige mineralogische und Bergbau-Geschichten des Zillertals.

 

 

Glauben Sie eigentlich an die viel zitierte mystische Kraft der Steine?

Walter Ungerank: Als Hobbywissenschaftler glaube ich wenig. Wenn überhaupt, dann traue ich dem Bergkristall vielleicht eine gewisse „Wirkung“ bei Kopfschmerzen zu.

 

Berliner Hütte im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Berliner Hütte im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

 

Welchen Tipp geben Sie abenteuerlustigen Gästen mit auf den Weg, die auf Ihren Spuren wandeln möchten?

Walter Ungerank: Zur Berliner Hütte wandern und sich unweit davon bei der ehemaligen Granatmühle einfach dem Suchen hingeben. Dort findet jeder etwas – auch für Kinder ist hier ein optimaler Ort, um sich in das Vergnügen des Mineraliensammelns zu stürzen. Ich habe meinen ersten Bergkristall, den ich mit zehn Jahren gefunden habe, heute noch.

 

 

Wie überbrückt ein Sammler-Freak wie Sie die langen Wintermonate?

Walter Ungerank: Damit, die gefundenen Steine zu reinigen, zu pflegen und zu dokumentieren. Und darauf zu warten, bis der Schnee schmilzt und ich endlich wieder hinaus in die Natur und auf neuerliche Suche gehen kann.

 

Facts zu den Mineralien

Die Zillertaler Alpen gelten seit jeher als mineralogische Schatzkammer. Bereits am Ende des 17. Jahrhunderts betrieben Warenhändler mit den kostbaren Funden ein Nebengeschäft und so mancher Hüterbub hatte das Glück, Kristalle zu finden und mit dem Verkauf an die Wanderhändler mehr Geld zu verdienen, als in der Landwirtschaft je möglich gewesen wäre. Was Naturforscher und Mineralogen auf den Plan gerufen hatte und diese dadurch zu den ersten Sommergästen des Zillertals geworden waren.

 

Der Zillertaler Granat ist bei der Ausstellung im Europahaus Mayrhofen zu sehen.

Die Ausstellung "Zillertaler Kristallschätze" im Europahaus Mayrhofen zeigt viele der Zillertaler Granaten

Diese Granaten sind in der Ausstellung "Zillertaler Kristallschätze" im Europahaus Mayrhofen zu bewundern

 

 

Tipp Walter Ungerank teilt seine Leidenschaft mit anderen. Durch sein Engagement findet wie bereits im letzten Jahr auch 2015 (noch bis 4. Oktober) wieder die Ausstellung „Zillertaler Kristallschätze“ im Untergeschoss des Europahaus Mayrhofen statt. Die Mineralien werden von Walter Ungerank selbst und zahlreichen Zillertaler Sammlern zur Verfügung gestellt. Ein Besuch zahlt sich aus.

 

 

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