Ausflugsziel: Rattenberg, das kleine mittelalterliche Juwel

Vom Zillertal aus gesehen liegt dieses Juwel quasi ‚ums Eck‘. Und steht deshalb bei Gästen des Zillertals hoch im Kurs...
Ausflugsziel Zillertal, kleinste Stadt Österreichs, Mayrhofen

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Vom Zillertal aus gesehen liegt dieses Juwel quasi ‚ums Eck‘. Und steht deshalb als ‚Schlechtwetter-Programm‘ bei Gästen des Zillertals hoch im Kurs. Dieses Städtchen hatte mich schon in der Schule fasziniert. Sein Name war schon in österreichischen Volksschulen immer auch eine Prüfungsfrage. Wie heißt die kleinste Stadt Österreichs? Rattenberg war und ist die richtige Antwort.

 

Rattenberg

Die Burg zu Rattenberg war die wichtigste Befestigungsanlage des Herzogtums Bayern im Unterinntal. Bild: Socialweb

Das mittelalterliche Juwel am Inn ist auf alle Fälle einen Besuch wert.

400 Einwohner und rund 100.000 Quadratmeter Fläche. Mehr hat Rattenberg rein rechnerisch nicht zu bieten. Macht nichts, denn dafür verströmt die Stadt ein einzigartiges, mittelalterliches Flair. So intensiv, wie man es nur noch selten zu sehen bekommt. Und – ganz wichtig – ein Stadtbummel nimmt nicht mehrere Stunden in Anspruch. Ich durchquerte jedenfalls die Stadt von Ost nach West und von Nord nach Süd innerhalb kurzer Zeit und leichten Fußes.

Schon um etwa 1.000 n. Chr. wurde auf dem heutigen Schlossberg eine Burg errichtet. Kein Wunder, war die Innschifffahrt doch eine lukrative Einkommensquelle in Form von Wegezöllen. Das machte sich in den folgenden Jahrhunderten auch deutlich bemerkbar, die Stadt wurde reich. Bis 1504 gehörte Rattenberg übrigens zu Bayern. Erst Kaiser Maximilian sorgte dafür, dass die Stadt Tirol zugeschlagen wurde.

Rattenberg

Die Südtiroler Straße ist Rattenbergs Hauptstraße. Und man glaubt es kaum: auch eine Stadt mit 800 Einwohnern kann auf wirkliche Häuserschluchten verweisen. Foto: Socialweb

Scheinfassaden und Häuserschluchten

 

Rattenberg ist eine sogenannte „Inn-Salzach-Stadt“. Kennzeichen dieser architektonischen Eigenart, die in vielen Städten an den beiden Flüssen auffallend ist: Mehrere Häuser bilden durch Scheinfassaden vor dem eigentlichen Dach ein geschlossenes Ensemble. Das ist auch die Erklärung da-für, weshalb die Südtirolerstraße von Rattenberg – also die eigentliche Hauptstraße des Ortes – quasi schluchtenartig von Häuserzeilen begrenzt wird.

Ein weiteres Merkmal vieler Inn-Salzach-Städte ist auch die Tatsache, dass deren Pfarrkirchen meist abseits des jeweiligen Marktplatzes liegen. Man wollte offenbar nicht, dass die Händler vor den Toren des ‚Tempels‘ ihren Geschäften nachgingen.

 

Apropos Händler: In Rattenberg sind es Glasbetriebe, die das Stadtbild prägen. Sie machen die Stadt so richtig attraktiv für Besucher. Wie zum Beispiel die Glasbläserei Kisslinger, sozusagen mitten in der Stadt. Seit 1820 steht der Name Kisslinger für Glasveredelung.

Rattenberg

Rotglühendes Glas wird in Rattenberg zu kleinen Kunstwerken geformt. Foto: Socialweb

Besichtigung einer Glasbläserei

Für mich hat die Glasbearbeitung noch nichts von ihrem Zauber verloren. Ich bewundere die Glasbläser bei Kisslinger, wie sie mit sicherer Hand allerlei Figuren aus dem heißglühenden Glas formen. Und das alles in enorm heißer Umgebung. Denn immerhin wird die Masse aus Quarzsand, Soda, Pottasche und Kalk auf mehr als 1.400° C erhitzt.

Genauso interessant ist es, anschließend die Schleifer und Graveure zu beobachten, wie sie die Gläser weiterbearbeiten. Ganz abgesehen von den wunderschönen Glaswaren, die zum Verkauf feilgeboten werden. Und in Rattenberg ist das alles auf engstem Raum zu erleben.

 

Rattenberg

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Rattenberg

Das Restaurant zum „Kanzler Biener“ erinnert an die tragische Gestalt des Tirol-Kanzlers, der ge-gen die Korruption kämpfte und verlor. Foto: Socialweb

Das Drama des Kanzlers Biener

Und wem nach der Besichtigung im wahrsten Sinn des Wortes „die Spucke wegbleibt“ kann sich in Rattenberg ganz wunderbar laben. Zum Beispiel im Gasthof zum ‚Kanzler Biener‘.  Biener steht hier aber nicht für Bienenstich oder ähnlich süße Verlockungen. Der Name ist untrennbar mit einer dunklen Seite der Geschichte Tirols und Rattenbergs verbunden.

Von 1638 bis 1650 war Biener Kanzler von Tirol, konkret der Erzherzogin Claudia de Medici. Er wurde vor allem dadurch bekannt, dass er hart und unbeugsam gegen Korruption und Durchstechereien vorging. Dass er sich dabei jede Menge Feinde machte, versteht sich von selbst. Das ging soweit, dass Biener 1650 gestürzt und wegen Hochverrats und Unterschlagung zu Tode verurteilt wurde. Er wurde 1651 in Rattenberg hingerichtet, obwohl er eigentlich bereits begnadigt worden war. Das Begnadigungschreiben indes langte verspätet ein.

Besichtigungstipps:

Pfarrkirche Rattenberg zum Hl. Virgil. Dieser im Kern gotische Bau ist eines der Hauptwerke der Hagauer Bauhütte und entstand zwischen 1473 und 1506. Im 18. Jahrhundert erhielt das Innere der Kirche sein heutiges Aussehen. Die Notburgakapelle westlich des Langhauses wurde im Rahmen der Restaurierung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts errichtet. Sie beherbergt eine schöne Büste der Rattenberger Schutzheiligen „Notburga„.

Das Augustiner Museum mit Tiroler Kunstschätzen aus neun ‚Jahrhunderten. Darunter befinden sich sowohl erlesene Meisterwerke aus Romanik und Gotik als auch Zeugnisse religiöser Volkskunst.

Die Nagelschmiedhäuser am westlichen Stadtrand gelegen gehen vermutlich auf das 12. Jahrhundert zurück. Auffallend ist der ländliche Aspekt der Häuser, wodurch sie sich deutlich von den übrigen Rattenberger Häusern absetzen.

 

Rattenberg

Rattenberg

 

Der Schlossberg Rattenberg mit Burgruine ist ganzjährig geöffnet. Eintritt frei.

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