Burgschrofen: Teufel, Schlangen, alte Mauern

Den Menschen sind früher in dieser Gegend die Haare zu Berge gestanden: Der Teufel soll hier oft sein Unwesen getrieben haben. Auch ein Zwerg sei bisweilen aufgetaucht und hätte von einem riesigen Schatz erzählt, der tief im Fels versteckt sei.

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2016-12-16-11-51-31

Den Menschen sind früher in dieser Gegend die Haare zu Berge gestanden: Der Teufel soll hier oft sein Unwesen getrieben haben. Auch ein Zwerg sei bisweilen aufgetaucht und hätte von einem riesigen Schatz erzählt, der tief im Fels versteckt sei. Zudem sei eine weiße Schlange mit einen goldenen Schlüssel im Maul herumgekrochen. Wer der Schlange den Schlüssel entreisse könne das Tor zum Schatz aufsperren hieß es. Der Burgschrofen in Burgstall bei Mayrhofen ist also nicht nur ein auffallender Hügel, er ist auch für allerhand schaurige Sagen und Erzählungen gut. Seit Jahrhunderten fesselt er die Menschen im Zillertal.

 

Einzigartig: der Burgschrofen mit dem Kirchlein

Einzigartig: der Burgschrofen mit dem Kirchlein Foto: S. Wechselberger

Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit den ,heiligen Plätzen‘ Tirols. Mit den vielen Wallfahrts-Kapellen und Kirchlein, die auf diesen Plätzen stehen und die im übrigen meist vorchristlichen Ursprungs sind. Auch Menhire und Schalensteine in unseren Bergen ziehen mich magisch an. Ich wollte mich also vergewissern, was es mit dem Burgschrofen und seiner einzigartigen Rundkirche zu tun hat, die angeblich in der Nähe eines Teufelssteines steht. Nach der Lektüre der Beiträge über den Burgschrofen war es klar: ich musste mich selbst überzeugen, was es mit den Sagen und Mythen auf sich hatte. Und: Meine Erfahrung sagte mir von vornherein, dass dieser Kulthügel etwas mit einer Bergspitze in der näheren Umgebung zu tun haben musste. Und auch tatsächlich hat, wie sich herausstellte. Aber der Reihe nach.

Erstes Licht im Dunkel der Vergangenheit

Stefan Wechselberger

Stefan Wechselberger, unser Experte. Foto: W.K.

Die jüngere Geschichte des Burgschrofens ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Stefan Wechselberger. Der gebürtige Burgstaller war schon als kleiner Bub fasziniert vom Burgschrofen mit seiner einzigartigen Rundkirche. Was lag also näher für mich, als ihn zu bitten, mir diesen mysteriösen Schrofen näher vorzustellen?

Ein erster Teil des Geheimnisses um den Burgschrofen wurde bereits im vergangenen Jahr gelüftet: Ein langjähriger Wunsch von Stefan Wechselberger wurde Wirklichkeit: eine archäologische Ausgrabung auf dem Hügel. Jahrelang hatte er alle Hebel in Bewegung gesetzt, um „wissenschaftliches Licht“ ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Schwendau und des Tourismusverbandes Mayrhofen, des Bundes und des Landes ist dies ermöglicht worden.

Ein sensationelles Ergebnis

Frühmittelalterliche Mauerreste. Foto: S. Wechselberger

Frühmittelalterliche Mauerreste. Foto: S. Wechselberger

Und das, was die Archäologinnen des Grabungsinstituts Talpa zu Tage förderten war in der Tat sensationell: Sie fanden Mauerreste, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Frühmittelalter stammen, also in der Zeit von 500 bis 1000 nach Christus. „Das ist eine Sensation“, meinte nicht irgendwer, sondern Dr. Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt. Mehr noch: sollte sich diese Annahme erhärten, hätte der Fund sogar europaweite Bedeutung. Als ,Draufgabe‘ ist eine weitere Erkenntnis  evident: Der Name Burgstall weist weniger auf eine Burg als auf eine Siedlung hin. Stand auf dem Burgschrofen also einst ein Dorf? Auszuschließen ist das nicht mehr.

Aber was ist nun mit der weithin sichtbaren und in der Form ungewöhnlichen Rundkirche „Zu unserem gekreuzigten Heiland“?  Sie wurde 1844/45 als Mahnmal erbaut: denn die Ereignisse um die Ausweisung der Zillertaler Protestanten sollten in Form eines Mahnmales verewigt werden. Eine Besichtigung des Kirchleins möchte ich unbedingt empfehlen. Nicht nur der Fresken wegen.

Die Burgschrofen-Kirche

Innenansicht der Burgschrofen-Kirche Foto: W.K.

Krypta mit Christusgrab

Das Christusgrab in der Krypta der Burgschrofenkapelle

Das Christusgrab in der Krypta der Burgschrofenkapelle Foto: W.K

Eine, in dieser kleinen Kirche existierende Krypta erscheint mir über alle Maßen interessant. Sie ist vollständig ausgemauert und enthält die Darstellung des Grabes Christi, wie es in vielen katholischen Kirchen Tirols am Karsamstag gezeigt wird. Bei genauem Hinschauen wird am Ende der Treppe ein Fußbodenbelag aus runden, eng aneinander gefügten und hochgestellten Kieselsteinen sichtbar. Genauso wurden Böden in der Romanik und Gotik gestaltet. Das würde bedeuten, dass die jetzige, neubarocke Kirche auf dem Platz einer älteren Kirche oder gar eines uralten Kultplatzes errichtet worden ist.

Ich zweifle keine Sekunde mehr daran, dass der Burgschrofen ein uralter Kulthügel ist. Denn dafür gibt es in meinen Augen gleich mehrere Indizien.

Indiz Nummer 1: der Teufelsstein vom Burgschrofen

Eine Steinplatte mit drei tiefen, kreisrunden Löchern ist für mich ein wichtiges Indiz dafür, dass vorchristliche Religionen diese Platz schätzten. In der Sage ist die Rede davon, dass der Teufel dereinst auf die betende Jungfrau Maria getroffen sei, sich mit seinen Krallen am Untergrund festhalten wollte, bevor er in der Tiefe verschwand. Die drei Löcher seien also die Krallenabdrücke des Satans.

Hunderte Liter Wasser versickerten mir nix dir nix im Teufelsstein

Hunderte Liter Wasser versickerten mir nix dir nix im Teufelsstein. Foto: S. Wechselberger

Und im Winter glaubt auch der furchtlose Besucher, dass der Stein doch vielleicht mit den Pforten der Hölle zu tun haben könnte. Stefan erzählte mir, dass der Schnee auf dem Stein ratz fatz schmilzt. So, als ob ein unterirdisches Feuer brenne. Und er belegt das mit einem Foto. Eigentlich unglaublich!

Wie die Löcher entstanden sind ist eines der wahrhaften Rätsel des Burgschrofens. Denn es sind beileibe keine ,normalen‘ Löcher, die von herabtropfendem Wasser gebildet werden konnten. Stefan Wechselberger hat bereits mehrmals versucht, die Tiefe der Löcher zu erforschen. „Wir haben Wasser mit Feuerwehrschläuchen in die Öffnungen geleitet“, erzählt er mir. „Hunderte Liter Wasser verschwanden auf nimmer wiedersehen. Diese Öffnungen müssen sehr tief hinunterführen“, ist seine Schlussfolgerung. Sogar mit einer Kamera hatte er es versucht, scheiterte jedoch an den Verwinkelungen der Löcher.

Indiz Nummer 2: die Krypta der Kirche

Form und Tiefe der Krypta erscheinen mir eigenartig: Sie ist mit großer Wahrscheinlichkeit in den Felsen gehauen und weist eine rechteckige Form auf. Ich glaube nicht, dass diese Vertiefung vor dem Bau der neubarocken Kirche bereits kirchlichen Zwecken gedient hatte. Ich nehme an, dass der Raum ein Teil jener Siedlung war, die offenbar auf dem Burgschrofen existierte. Der uralte Fußboden am Ende des Stiegenabganges sollte meine Annahme unterstreichen.

Indiz Nummer 3: Die Trockensteinmauern am Plateau des Burgschrofens

Reste einer uralten Trockensteinmauer auf dem Burgschrofen

Reste einer uralten Trockensteinmauer auf dem Burgschrofen Foto: W.K.

Mit Recht vermutet Stefan Wechselberger, dass auf dem Schrofen mehrere Etagen künstlich angelegt worden sind. Als Begrenzung dienen Trockensteinmauern, die heute noch gut sichtbar sind. Was die Mauern stützten, bleibt solange im Dunkel der Vorzeit, bis sie archäologisch erforscht werden.

Indiz Nummer 4: Die Ahornspitze

Meine These, wonach alte Kultplätze in Tirol quasi über einen ,Hochaltar‘ verfügten, spricht eindeutig dafür, dass der Burgschrofen bereits in der Vorgeschichte ein bedeutender Kultplatz sein konnte: Die Ahornspitze erscheint dem staunenden Betrachter von der Eingangstüre der Kirche aus als wunderschön geformtes Dreieck, eigentlich als Pyramide. Ich verweise nur auf die Tatsache, dass das Dreieck – die Christen nennen es Dreifaltigkeit – für die Räter größte Bedeutung hatte. Ein letzter Rest dieses Glaubens hat  übrigens in den Tiroler Sagen von den „3 Saligen Fräulein“ überlebt. Die Räter beteten übrigens zu Göttinnen und erkoren Westtirol als eines ihrer Siedlungsgebiete.  

Die Ahornspitze war der Hochaltar vorchristlicher Kultplätze.

Die Ahornspitze war der Hochaltar vorchristlicher Kultplätze. Foto: W.K.

Dieser mystische Hügel ist ein weiterer Beleg dafür, dass das Zillertal bereits zu prähistorischen Zeiten eine außerordentliche Stellung eingenommen hat. Ich verweise nur auf das steinzeitliche Bergkristallbergwerk am Olperer. Klingt es somit verwegen, Politiker und Touristik-Verantwortliche im Zillertal zu bitten, weitere finanzielle Mittel für die Erforschung des Burgschrofens bereit zu stellen? Um Einheimischen wie auch Gästen die wechselhafte und spannende Geschichte des Zillertales näher zu bringen?

Vielleicht ist es Goethe, der die Talverantwortlichen überzeugt. Der Dichterfürst behauptete, dass „das Beste, was wir von der Geschichte haben, der Enthusiasmus ist, den sie erregt“. Mehr ist nicht zu sagen.

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