Der Kunstfluss im Zillertal: Ist das Kunst oder kann das weg?

Sehen wir den Tatsachen ins Auge. Es war noch nie so schwer zwischen Kunst und „Nicht-Kunst“ zu unterscheiden wie im Heute. Davon legen zahlreiche weggeworfene Kunstwerke ein Zeugnis ab. Vor allem die so genannte „moderne“ Kunst hat es schwer.

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Eine Skulptur am "Kunstfluss": Kunst ist das, was auffällig wird (Bild: Gemeinde Hippach-Schwendau

Sehen wir den Tatsachen ins Auge. Es war noch nie so schwer zwischen Kunst und „Nicht-Kunst“ zu unterscheiden wie im Heute. Davon legen zahlreiche weggeworfene Kunstwerke ein Zeugnis ab. Vor allem die so genannte „moderne“ Kunst hat es schwer. Bei dieser kommt es schon mal vor, dass die Putzfrau klammheimlich abends das Kunstwerk entsorgt, weil sie es für Müll gehalten hat. Auch der „Kunstfluss“ im Zillertal, der Skulpturenweg an der Zillerpromenade, wirft so einige Fragen auf.

 

Dazu schlage ich vor bei den Grundlagen des Kunstverständnisses und der Kunstbetrachtung anzusetzen. Mit den Fragen der Kunst beschäftigt sich dabei vornehmlich die Ästhetik. Fälschlicherweise wird darunter auf die Lehre vom Schönen verstanden.

Tatsächlich beschäftigt sich diese aber mit Kategorien wie „schön“ und „hässlich“, welche natürlich einer geschichtlichen Wandlung unterliegen. Was damals als schön verstanden wurde, ist schon ein paar Hundert Jahre später nichts mehr und erscheint uns absolut nichtssagend und hässlich.

Unterwegs am Kunstfluss im Zillertal: Kunst ist, was auffällig wird

Beim "Kunstfluss" begegnen uns Skulpturen am laufenden Band (Bild: Gemeinde Hippach-Schwendau)

Beim „Kunstfluss“ begegnen uns Skulpturen am laufenden Band (Bild: Gemeinde Hippach-Schwendau)

Eines ist aber über die Jahrhunderte gleich geblieben: Die grundlegende Bedeutung der Ästhetik. Im Wortsinn haben wir es nämlich mit der Lehre von der „Wahrnehmung“ und von der „Empfindung“ zu tun. Und damit kommen wir zu des Pudels Kern.

Der Grund warum es im Heute so schwer geworden ist, Kunst zu erkennen, liegt auf der Hand: Unsere Sinne sind zum Teil zu wenig geschärft. Wir sind nicht offen genug für die Wahrnehmung von Kunst. Darüber hinaus sind auch die Kunstwerke selbst oft nicht gut und interessant genug, um unsere Sinne und unsere Wahrnehmung herauszufordern.

Kunst ist das, was auffällig wird. Kunst ist das, was nicht alltäglich ist. Wenn alltägliche Gegenstände zu Kunst werden, dann tun wir uns verständlicherweise und völlig zu Recht schwer. Ebenfalls wichtig festzuhalten ist, dass Natur niemals Kunst sein kann, weil die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur zentral ist.

Mit diesen Informationen ausgestattet und mit diesem Blick auf Natur und Kultur können wir uns auf den Weg machen. Wir gehen den Kunstfluss entlang. Genießen die Natur im Zillertal. Flanieren den Weg entlang. Atmen tief durch. Plötzlich wir uns etwas auffällig. Es fasziniert uns.

Dem Kunstfluss entlang begegnen uns immer wieder unterschiedlichste Skulpturen. Diese passen sich mehr oder weniger gut der Natur an. Manche schmiegen sich fast an die Landschaft an, irritieren nur wenig und gehen sogar symbiotische Beziehung zur umgebenden Natur ein. Manche Skulpturen irritieren stärker, fordern den Betrachter heraus.

Voilá: Wir sind zwar nicht in einem Museum, haben es aber zweifellos mit einer ästhetischen Situation zu tun. Wir erkennen etwas, das nicht Natur ist. Wir rezipieren Kultur, die sich hier ganz einfach als etwas beschreiben lässt, das nicht natürlich, sondern gemacht und hergestellt ist.

So manche Überraschung erwartet uns beim Kunstfluss im Zillertal (Bild: Gemeinde Hippach-Schwendau)

So manche Überraschung erwartet uns beim Kunstfluss im Zillertal (Bild: Gemeinde Hippach-Schwendau)

Unterwegs passiert dann etwas Außergewöhnliches. Durch die anregende Irritation der Skulpturen werden unsere Sinne wach. Unsere Wahrnehmung ist auf Empfang eingestellt. Wir sind ganz präsent, betrachten, nehmen wahr, empfinden intensiver.

Daraus resultierend ereignet sich etwas, das gute Kunst auszulösen vermag: Wir nehmen auch die uns umgebende Natur „künstlich“ und „künstlerisch“ wahr. Der Baum wird uns zur Skulptur, die Natur hat plötzlich auch künstlerische Aspekte.

Was kann Kunst also leisten, was leistet sie beim Kunstfluss an der Zillerpromenande im Zillertal? Eigentlich ganz einfach: Kunst weckt uns auf. Fordert uns auf, genauer hinzusehen. Sie bringt uns dazu, anders wahrzunehmen. Wir sollten uns also auf den Weg machen. Ins Zillertal. An den Kunstfluss. Denn Kunst und ästhetische Situationen warten nicht nur im Museum auf uns. Und herrliche Blicke auf die umgebenden Berge und den nahen Fluss bekommen wir noch frei Haus dazu serviert.

Jetzt seid ihr neugierig geworden und möchtet sofort losstarten? Kein Problem. Finden tut ihr den „Kunstfluss“ sehr leicht. Die Gemeinde Schwendau, Hippach, Ramsau und Mayrhofen teilen sich diesen schönen „Kunstweg“. Auf einer Strecke von 10 km lässt sich herrlich wandern, genießen und Kunst erleben. Auf der linken Seite der Zillerpromenade findet ihr den „Kunstfluss“. Es kann losgehen!

Achja, bevor ich es vergesse. Natürlich gibt es in Mayrhofen und Umgebung noch viel mehr Kunst und noch viel mehr Events, die es sich lohnt zu erleben. Diese findet ihr HIER.

Die Route zum Kunstfluss findet ihr hier: Route Kunstfluss Zillertal

 

Titelbild: (c) Gemeinde Hippach-Schwendau

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