Rose von Jericho – ein Schmuckstück in der Pfarrkirche Mayrhofen

Weg vom Straßenlärm, abseits der Einkaufshäuser und der Aprés Ski Bars. Ich sehne mich gerade in diesen besinnlichen Tagen nach Ruhe, nach Frieden und nach Innehalten. So entschließe ich mich kurzerhand, der Pfarrkirche Mayrhofen einen Besuch abzustatten und mich hier ein wenig umzuschauen.

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Die Rose von Jericho

Weg vom Straßenlärm, abseits der Einkaufshäuser und der Aprés Ski Bars. Ich sehne mich gerade in diesen besinnlichen Tagen nach Ruhe, nach Frieden und nach Innehalten. So entschließe ich mich kurzerhand, der Pfarrkirche Mayrhofen einen Besuch abzustatten und mich hier ein wenig umzuschauen. Sicherlich, als gut erzogene Christin besuche ich schon hin und wieder einen Gottesdienst. Doch ganz ehrlich, wer betrachtet die Pfarrkirche während eines Gottesdienstes intensiv?

 

Der Kirchenraum der Pfarrkirche Mayrhofen

Der Kirchenraum der Pfarrkirche Mayrhofen

Sichtbare Dichotomie

Betritt man die Pfarrkirche Mayrhofen, die der Hl. Mariä Himmelfahrt geweiht ist, ist etwas sofort ersichtlich. Diese Kirche wurde erweitert, traditionelle und alte Fresken vereinen sich mit modernen, neuzeitlichen Eindrücken. Die Zunahme der Bevölkerung und der stetig wachsende Tourismus machten eine Erweiterung der Kirche notwendig. Ein achteckiger Zentralbau nach den Plänen von Prof. Clemens Holzmeister wurde errichtet. Der Innenraum wirkt groß, hell, freundlich und absolut nicht überladen. Sofort sticht mir das Deckengemälde ins Auge. Von einem farbintensiven Hintergrund, blau, in das sich Spuren von Kobalt und Ultramarin mischen, heben sich prägnante Formen ab, Formen, die an eine Landschaft erinnern. Gräser tauchen auf, zarte Gebilde wie Blätter und Blüten, vielleicht auch ein Stengel. Ihre festen Konturen, ihre klare Ausprägung scheinen dem Maler besonders wichtig. Im blauen Grund hat er sichtlich die Stimmung des Himmels eingefangen, Gefühlswerte einbezogen, die auf neutralem Weiß ausgeklammert blieben. Emotionell wirken auch die übrigen Farben: feuriges Chromexydgrün und böhmischgrüne Erde, die zur Mitte drängen und – wenn man so will – zu einer Pflanze emporwachsen. Dann Kobaltviolett und helles Gelb, nach oben hin verbreiten helles und dunkles Kadiumrot einen feurigen, mystischen Schein. Die Gloriole im Himmel?

Je länger ich empor blicke, desto fesselnder finde ich diese leuchtenden Farben, der Blick zum Himmel ist spürbar nah. Dieses Eitempera wurde vom Tiroler Künstler Max Weiler (1910 – 2001) im Jahre 1971 auf eine 6,5 x 6,5 m große Brüsseler Leinwand auf Kalkputz geklebt und fand in der Ausstellung „Große Formate“, die bis zum 1. August 1971 im Wiener Künstlerhaus Arbeiten verschiedenster Richtungen zeitgenössischer österreichischer Malerei vereinigt, ausgestellt. Dieses Bild jedoch überstrahlte seine gesamte Umwelt: Max Weilers „Rose von Jericho“, ein Auftragswerk für die Pfarrkirche von Mayrhofen. Nach der Ausstellung wurde es in drei Streifen zerlegt, ins Zillertal geschickt und über der Apsis der von Clemens Holzmeister umgebauten Kirche aufgeklebt.

 

1. Entwurf auf Karton mit Tusche

2. Entwurf auf Papier mit Buntstift

Die Rose von Jericho

 

Der Werdegang

Max Weiler, ein enger Freund von Prof. Clemens Holzmeister, erhielt den Auftrag, für die Pfarrkirche von Mayrhofen ein Deckenfresko zu malen. Weiler skizzierte zu Beginn in Tusche und Graphit auf Karton sein Werk, im zweiten Schritt machte Weiler eine Entwurfszeichnung der Gesamtkomposition mit Buntstift auf Papier und begann schließlich mit der Eitempera. Holzmeister hat immer wieder die Wirkung des Bildes im Raum in sein Gestaltungskonzept einbezogen. Dieser Bedeutung verdanken wir das größte Kunstwerk der Kirche – „Die Rose von Jericho“ – von Max Weiler. Das über 30 Quadratmeter messende Deckengemälde entfaltet die eigentümliche Formenwelt des Künstlers in einer Palette leuchtender Farben, die den Zauber dieses Bildes ausmacht.

Max Weiler – die Person

Der Tiroler Künstler Max Weiler

Der Tiroler Künstler Max Weiler

 

Max Weiler wurde am 27. August 1910 in Absam (Nähe Hall in Tirol) geboren. Nach Beendigung des Gymnasiums absolvierte Weiler die Matura an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck und studierte anschließend an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Von 1964 bis 1981 war er selbst Professor für Malerei an der Akademie in Wien. Der damalige Rektor Clemens Holzmeister beauftragte Weiler im Jahr 1936 an der künstlerischen Ausgestaltung der Österreich Kapelle im päpstlichen Pavillon der Weltfachausstellung Paris 1937 mitzuarbeiten. 1945 gewann Weiler einen Wettbewerb um die Ausführung der Fresken in der Theresienkirche in Innsbruck. Dieses Werk sorgte für heftige Diskussionen, da es Menschen in Tiroler Tracht bei der Kreuzigung Christi zeigte. Die Fresken wurden jahrelang verhängt. Weiler gewann schon früh verschiedene Preise, doch seine Arbeiten stießen nicht immer auf Zustimmung der Bevölkerung. Dies zeigten auch öffentliche Auseinandersetzungen um die Wandmalereien im Innsbrucker Bahnhof.

Zu seinen bekanntesten Werken zählten die Fresken in der Theresienkirche in Innsbruck, Fresko im Innsbrucker Hauptbahnhof, der Eiserne Vorhang im Tiroler Landestheater, Die Rose von Jericho in der Pfarrkirche Mayrhofen und noch viele mehr…

Am 29. Jänner 2001 verstarb Max Weiler in Wien und ruht in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof.

 

 

 

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