Rote und grüne Kirchtürme im Zillertal. Warum eigentlich?

Ich mag schlank und spitz gen Himmel ragende Kirchtürme, an denen im Zillertal wahrlich kein Mangel besteht. Aber weshalb gibt’s rot und grün gefärbte Türme?
Wallfahrtskirche St. Pankraz in Fügen

© Werner Kräutler

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In der Schule haben wir quasi standardmäßig folgendes gelernt: Die Kirchen mit den grünen Turmspitzen gehören zur Diözese Salzburg, jene mit den roten Spitzen zur eins-tigen Diözese Brixen, heute eben zur Diözese Innsbruck. Die Grenze ist der Ziller-Fluss, das muntere Wässerchen, das dem Tal den Namen gibt. Aber weshalb ausgerechnet der Ziller als Grenze? Und: Stimmt es wirklich, dass die Kirchtürme die Zugehörigkeit zur ei-nen oder anderen Diözese signalisieren? 

Roter Kirchturm in Hippach
© Paul Sürth

Pfarrkirche Hippach

Die Gemeinden Hippach und Schwendau liegen taleinwärts betrachtet auf der rechten Seite des Zillers, also westlich des Tales. Somit ist der Kirchturm rot und gehört zur Diözese Innsbruck.

Grüner Kirchturm in Zell am Ziller
© Werner Kräutler

Pfarrkirche Zell/Ziller

Die Marktgemeinde Zell am Ziller liegt taleinwärts betrachtet auf der linken Seite des Zillers, also östlich. Somit gehört die Dekanats-Pfarrkirche Zell am Ziller zur Erzdiözese Salzburg und der Kirchturm ist in grün gehalten.

Der Ziller trennte schon römische Provinzen

Die Römer haben erstmals hier eine Grenze gezogen“, erzählt Josef Kral vom Kunstinventar der Erzdiözese Salzburg. „Der Ziller war nämlich schon vor zweitausend Jahren die Grenze zwischen den beiden römischen Provinzen Raetien und Noricum. Und das hat sich bis heute in den Diözesangrenzen fortgesetzt.“ Irgendwie unglaublich, würde ich sagen.

 

Wer annimmt, nach der Christianisierung des römischen Reiches wären die Grenzen geändert worden, irrt: die Kirche übernahm die ursprüngliche römische Grenzziehung quasi volley. Hat sie sich doch mit voller Absicht als Nachfolgerin des römischen Reiches geriert. Die Päpste schmücken sich sogar mit dem Titel ‚Pontifex Maximus‘, also mit jener Bezeichnung, die im römischen Reich dem obersten Wächter des altrömischen Götterkults und später dem römischen Kaiser zustand.

Diözesangrenze seit 739 n. Chr. 

Kaum zu glauben, aber schon sehr früh, nämlich 730 n. Chr., wurde der Zillerfluss als Diözesangrenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Bistum Brixen-Säben, somit also Tirol fixiert. Und ganz offensichtlich wollten die Gemeinden hüben und drüben des Zillers auch nach außen dokumentieren, zu welcher Diözese sie gehörten.

 

Und dennoch ist ein Einwurf berechtigt: Die Trennung in rot (= Brixen) und grün (= Salzburg) stimmt für das Zillertal nicht durchgehend. „Die Salzburger Diözese hätte mehr Geld gehabt und folge dessen die Türme mit Kupferschindeln verkleiden können“ heißt es bisweilen. Das ist für den Fachmann Josef Kral jedoch kein Argument: „Denn an Kupfer mangelte es im Mittelalter in Tirol nicht“, bemerkt er trocken. 

 

Das beste Beispiel dafür, dass die Farbe nicht immer die Zugehörigkeit zur einen oder anderen Diözese manifestiert, ist die Jakobs-Kirche in Strass. Sie gehört zur Diözese Innsbruck (früher eben Brixen) und ist grün gedeckt. Vielleicht, so wird vermutet, hatten die Strasser durch ihren Kupferbergbau mehr Geld und vor allem das Kupfer, um den Kirchturm mit Kupferschindeln auszustatten. Oder aber, die Farbe Grün als Farbe der Tiroler Schützen ist eine Verbeugung vor den Vaterlandsverteidigern, die anno 1809 zahlreiche Kämpfe in Strass auszufechten hatten.

 

Sind grüne Kirchturmspitzen also als weithin sichtbares Zeichen früheren Reichtums einer Gemeinde? Das will Josef Kral jedenfalls nicht ausschließen. Unbestritten bleibt jedoch ein Faktum: Kirchtürme, die jeweils von der anderen Flussseite gut zu sehen sind dokumentieren farblich auffällig und somit eindeutig die Zugehörigkeit entweder zu Salzburg oder eben zu Innsbruck.

© Werner Kräutler

Eine wunderschöne Kirche ziert den Pankrazberg in Fügen/Kleinboden. Die St. Pankraz Kirche ist der Diözese Innsbruck zugehörig.

 

Weiterführende Links:

Hier gehts zur Pfarrkirche Mayrhofen-Brandberg

Hier gibt es mehr rund um den grünen Kirchturm in Strass im Zillertal

Weiteres zur Kirche St. Pankraz

 

 

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