Stau(n)mauer am Schlegeis

Kathrin ist erfolgreiche Absteigerin, sie taucht gerne unter. Von Berufs wegen! 20 Meter unter der Erde erklärt sie ihren Gästen die Funktion des Schlegeisspeichers. Dafür wagt sich Kathrin täglich in den engen Tunnel, zwischen massiven Mauern und unbändigen Wassermassen.
Staumauerführerin Kathrin lotst die Gäste durch den Tunnel am Schlegeisspeicher

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Kathrin verführt zum Abstieg, das ist ihr Job. Lächelnd öffnet sie ihren Gästen die Tür in die Tiefe. Die breite Pforte führt in den Untergrund, 20 Meter hinab in den Tunnel des Schlegeisspeichers. Unten ist es dämmrig und eiskalt. Bei 5-8 Grad fühlt sich Kathrin sichtlich wohl. Sie trägt ein leichtes T-Shirt, ärmellose Weste, Trekkinghose und Sportschuhe. Eigentlich bereit für die Gipfel, im sagenhafte Bergpanorama außen rum. Aber Kathrin steigt beruflich nicht auf, sondern ab: Die sympathische Sächsin ist Staumauerführerin. „Ich sage immer ‚Reiseleiterin‘“, lacht sie. Drei Jahre lang besuchte Kathrin das Tourismuskolleg in Innsbruck, bevor sie nach Mayrhofen zog und blieb. Heute ist sie beim VERBUND angestellt, einem der größten Energieerzeuger in Europa. „Arbeiten mit Menschen macht mir Spaß. Mein Leben baue ich einfach drum herum.“ Nicht nur ihre Lebenseinstellung, auch ihr Arbeitsplatz ist zum neidisch werden: Inmitten der phänomenalen Bergkulisse ist der Schlegeisspeicher über die knapp 15 Kilometer lange, mautpflichtige Alpenstraße von Ginzling, nahe Mayrhofen, erreichbar. Die schmale Straße ist nur von Mitte Mai bis 26. Oktober geöffnet und kostet 12 Euro pro Tag. Der Eintritt zur Führung liegt bei 5,50 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder ab sechs Jahren.

Die Krümmung in der Schlegeis-Staumauer hält dem Wasserdruck stand
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Kathrin klärt während der Staumauerführung alle Fragen der Gäste
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Der Schlegeisspeicher ist einer der fünf Zillertaler Speicherseen
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Strom aus Wasserkraft

Der Schlegeis ist einer der fünf Stauseen im Zillertal, die Strom aus Wasserkraft erzeugen. Die nassen Massen fließen durch einen kilometerlangen Triebwasserstollen zum nächsten Kraftwerk, wo Strom entsteht, der gespeichert wird. Die Turbinen sind nicht ständig in Betrieb, nur ein Drittel im Jahr. Je nach Bedarf, mal fünf Minuten am Tag, mal eine Stunde. „Der Rest ist Stillstand.“ Insgesamt speichert der Schlegeis rund 126 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Füllstand hängt von Niederschlägen und Jahreszeit ab. 1971 folgte nach sechsjähriger Bauzeit die Fertigstellung, ein Jahr später floss in Mayrhofen Strom ins Netz.

 

Das Wasser schwankt oben an der Krone und drückt unterschiedlich stark gegen die Wand. Darum wurde eine doppelt gekrümmte Bogengewichtsmauer errichtet.“ Das erklärt die gewölbte Bauweise. „Dadurch verteilt sich der Druck und die Mauer ist stabiler.“ 725 Meter lang und 131 Meter hoch ist sie. „Fast eine Million Kubikmeter Beton stecken darin. Würde man das auf einen Güterzug laden, hätte der eine Länge von 360 km.“ Erstaunlich!

 

 

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Gemeindeausflug zum Schlegeis

Wen führt Kathrin in die Tiefen des Schlegeis? „Touristen genauso wie Einheimische, die ihre Gegend kennenlernen wollen“, sagt sie. „Ich gehe mit Einzelpersonen oder Gruppen. Einmal hatte ich 70 Leute, das war eine ganze Gemeinde, die einen Ausflug gemacht haben. Das war herausfordernd, man muss flexibel sein und die Gruppe teilen. Aber machbar ist alles.“ Was Kathrin im Kraftwerk noch ausgezeichnet kann: Den richtigen Weg finden! Ihren eigenen, den im Umgang mit den Gästen – und auch wieder nach oben. Gerade das macht die ‚Reiseleiterin‘ so kompetent und so sympathisch.

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