Dialekte in Tirol: Ha, bitte? Wos hosch gsogt?

Mein Verhältnis zu den Tiroler Dialekten ist ambivalent. Auf der einen Seite muss man seine Herkunft und seinen Dialekt ja nun wirklich nicht verstecken. Auf der anderen Seite verrät der Dialekt, zumindest dann wenn er ungeschönt gesprochen wird, die eigene Herkunft nur zu genau.

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Kuh mit Griaß Enk TVB Mayhofen

Mein Verhältnis zu den Tiroler Dialekten ist ambivalent. Auf der einen Seite muss man seine Herkunft und seinen Dialekt ja nun wirklich nicht verstecken. Auf der anderen Seite verrät der Dialekt, zumindest dann wenn er ungeschönt gesprochen wird, die eigene Herkunft nur zu genau. Ein Dialekt verrät regionale Zugehörigkeiten und Eigenheiten. Wer den Dialekt des anderen hört, neigt dazu, diesen zu beurteilen und zu verorten. Doch die Sache mit den Dialekten in Tirol ist noch ein wenig komplizierter und komplexer. Und interessanter. 

 

Wie beginnt man ein paar Überlegungen und Gedanken zum Thema Tiroler Dialekte? Am besten mit einer eigenen Erfahrung. Als gebürtiger Kufsteiner habe ich vor mehr als einem Jahrzehnt eine ganz massive „Dialektgrenze“ überschritten und bin nach Innsbruck gezogen. Dass die Dialekte in Tirol allesamt mehr oder weniger am bayerischen angelehnt sind ist ja eine Tatsache. Aber an das harte „K“ in Innsbruck musste ich mich erst gewöhnen.

Dass ich damals meine jetzige Frau kennen lernte, die Osttirolerin ist, machte die Sache noch komplizierter und die Dialekt-Verwirrung endgültig perfekt. Wenn die Innsbrucker zu ihrem „KKKK“ ansetzten und sie „sebm“ und „selle“ sagte, fühlte ich mich endgültig in eine andere, mir noch unbekannte Welt versetzt.

Dialekte in Tirol: Sprache bedeutet Welt!

Denn eines ist klar: Sprache bildet die Welt nicht nur ab, Sprache ist Welt. Wenn ich meinen angestammten Dialekt spreche, dann lässt sich manches besser, klarer und präziser beschreiben. Reinstes Hochdeutsch spricht der durchschnittliche Tiroler zwar mittlerweile, aber es bleibt ihm doch einigermaßen fremd.

Eines ist außerdem noch evident: Dialekt ist nicht unveränderlich. Dialekt verändert sich durch die Anzahl der Sprecher und durch die Sprachverwendung. Wer den Dialekt für alle Zeiten gleich halten möchte, der befindet sich wohl auf dem Holzweg.

Die Dialekte in Tirol sind so unterschiedliche wie die Berge (Bild: Wikipedia/Commons)

Die Dialekte in Tirol sind so unterschiedliche wie die Berge (Bild: Wikipedia/Commons)

Dennoch, oder gerade deswegen, ist der Erhalt des Dialektes natürlich eine schöne Sache. Ganz einfach schon mal deshalb, weil sich dadurch manifestiert, dass wir in Tirol zwar alle irgendwie gleich, aber doch unterschiedlich sind. Ein spezieller Dialekt bezieht sich möglicherweise auf eine ganz kleine, überschaubare Region, aus der man stammt. Keine Frage: Dialekt ist Heimat. Nicht nur an einem bestimmten Ort fühlt man sich wohl, sondern auch mit bestimmten Formulierungen, Wörtern und Redewendungen.

Niemand geringerer als Hans Moser, ehemaliger Rektor der Universität Innsbruck, hat vor einigen Jahren ein Wörterbuch publiziert, das sich mit den Tiroler Mundarten beschäftigt. Im Vorwort bringt es der Landesdirektor des ORF-Tirol, Helmut Krieghofer, auf den Punkt wenn er schreibt: „Mundarten zu pflegen und ihre Wörter festzuhalten, wie in dem vorliegenden Buch, ermöglicht uns, sich der erfrischenden Besonderheit regionaler Sprache bewusst zu bleiben.“

Damit wird deutlich warum es sinnvoll ist, sich um die Dialekte in Tirol zu kümmern. Sei es in Buchform oder sei es allein mit der Tatsache, dass man sie spricht. Es ist entscheidend, Unterschiede zu bewahren und sich der Gleichmachung der Sprache entgegen zu stellen. Radio, Fernsehen und vieles mehr sind sowieso drauf und dran, uns unsere letzten Dialekt-Einsprengsel gehörig und nachhaltig auszutreiben.

Eine ganz besondere Region in Bezug auf Dialekt und Dialekte ist das Zillertal. Obwohl das Tal seit langer Zeit touristisch höchst erschlossen ist, scheinen sehr viele Menschen dort ihren Dialekt bewahrt zu haben.

Eine Vermutung meinerseits: Im Zillertal wird gerade deshalb so viel Wert auf Dialekt gelegt, weil die Zillertaler und Zillertalerinnen heimatverbunden sind. Weil sie wissen, dass mit der Nivellierung ihres Dialektes auch Traditionen und Brauchtümer zusammenhängen, die verloren gehen würden. Weil sie wissen, dass der Erhalt der regionalen Eigenheiten auch mit touristischem Kapital zusammenhängt.

Vielleicht wäre es somit ein Tipp für alle, die wie ich ein wenig mit dem eigenen Dialekt hadern: Seid stolz auf euren Dialekt und eure Herkunft. Dialekt hat nichts mit Provinz zu tun, sondern mit Wurzeln. Man kann zugleich weltgewandt sein und im richtigen Augenblick mit feinster Hochsprache aufwarten. Zugleich seine regionalen Wurzeln ausleben und kosmopolitisch sein muss kein Widerspruch sein. Im Gegenteil: In einer globalisierten Welt ist die Gefahr der Nivellierung und Gleichmacherei größer als die Gefahr, dass man sich mit seinem angestammten Dialekt als Provinzler outet.

Wurzeln haben und dennoch weltoffen denken ist meiner Meinung nach die Devise der Stunde. Und außerdem: Wer möchte schon ins Zillertal fahren und dort den selben Sprach-Einheitsbrei vorfinden wie anderswo? Wer möchte schon nach Tirol kommen und bemerken, dass dort kaum mehr Dialekt gesprochen wird und es egal ist ob man sich in Innsbruck oder in einem Dorf in Osttirol befindet? Na eben. Es lebe die Vielfalt, es leben die Dialekte in Tirol.

Hier noch ein lustiger Artikel, falls du deinen Wortschatz um das Zillertaler’sche erweitern möchtest: Zillertaler Dialekt für Anfänger

 

Titelbild: Archiv TVB-Mayrhofen

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