Die Besonderheiten der Schützenkompanien

Sie sind zweifelsohne eine Augenweide, die Schützenkompanien im Zillertal. Bewaffnet mit Säbel, Hacken und Gewehren marschieren sie im Gleichschritt zu den Taktschlägen der Tamperer. Klingt gefährlich, sind sie aber nicht! Woher die Schützen kommen, welcher Brauch dahinter steckt und wie die Hierarchie der Kompanien aussieht, erläutert der Schützenhauptmann von Mayrhofen, Gerhard Biller.
Schützenkompanie Mayrhofen

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Die Geschichte der Schützen

Landläufig werden immer wieder die Tiroler Freiheitskämpfe mit Andreas Hofer am Beginn des 19. Jahrhunderts als Geburtsstunde der heutigen Schützen angesehen, was historisch jedoch nicht korrekt ist. Man kann durchaus das Tiroler Landlibell aus dem Jahre 1511, das von Kaiser Maximilian erlassen wurde, als die Geburt der Tiroler Schützen ansehen. Im Tiroler Landlibell wurde festgelegt, dass der Tiroler zur Verteidigung seines Landes Waffen tragen darf.

Das offizielle Geburtsjahr der Schützenkompanie Mayrhofen war das Jahr 1857, die Kompanie feiert also dieses Jahr ihr 160 jähriges Bestehen. Es gab zwar schon vor dem Jahr 1857 Schützen in Mayrhofen, jedoch fehlen die Aufzeichnungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Aufstellung der Tiroler Schützen

Angelehnt an militärische Ränge gibt es Schützen, Pioniere, Offiziere und in einigen Kompanien auch Jungschützen. Die Offiziere unterteilen sich in Leutnant, Oberleutnant, Hauptmann und Major (Bataillonskommandant, Regimentskommandant und Bundesmajor). Darüber hinaus gibt es noch den Fähnrich, der zwar nicht den Rang eines Offiziers innehat, trotzdem am Hut eine Straußenfeder trägt.

 

Warum diese strenge Hierarchie?

 

Eine Kompanie ist im weitesten Sinn nach wie vor eine militärische Einheit, wenngleich der militärische Aspekt heutzutage deutlich in den Hintergrund getreten ist. Die Verteidigung des Landes mit der Waffe ist nicht mehr Aufgabe der Schützen, vielmehr die geistige, kulturelle und kirchliche "Verteidigung" steht im Vordergrund. Die hierarchische Struktur der Schützen ist nach wie vor erhalten geblieben.

Daneben sind die Schützenkompanien jedoch alle als Vereine organisiert und im Verein gibt es demokratische Strukturen. Obmann, Stellvertreter, Schriftführer, Kassier, usw. werden alle 3 Jahre von der Kompanieversammlung (Jahreshauptversammlung) gewählt, ebenso die Chargen (Offiziere, Hauptmann, Leutnant, Fähnrich).

 

Sie schreiten den Schützen voraus, den Schützenhauptmann flankiert, schöne Frauen in den Trachten. Warum das?

Das sind die Marketenderinnen. Sie waren früher dazu da, um die Schützen zu begleiten, verpflegen und medizinisch zu versorgen. Und das machen sie teilweise ja noch heute (zumindest mit Schnaps).

Die besondere Feder am Hut

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Das Zillertal ist ja nicht gerade gesegnet mit Straußenvögel. Da stellt sich schon die Frage, warum der Hut der Chargen eine Straußenfeder ziert. Schützenhauptmann Gerhard Biller erklärt, dass um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert das erste Mal eine Straußenfeder am Zillertaler Schützenhut auftauchte und zwar bei der 100 Jahr-Gedenkfeier in Innsbruck im Jahr 1909. Der Überlieferung nach haben die Rainer Sänger aus dem Zillertal im Zuge ihrer zahlreichen Tourneen die Straußenfeder ins Zillertal gebracht. Diese Feder wurde dann von den Schützen (Offizieren) übernommen. Endgültig durchgesetzt hat sich die Straußenfeder nach dem 2. Weltkrieg. Die restlichen Schützen tragen 2 Hahnfedern bzw. teilweise zwei Spielhahnfedern auf ihren Hüten. Eine weitere Besonderheit eines Schützenoffiziers ist, dass er einen Säbel trägt. Die Zillertaler Schützen tragen auf ihrer Tracht keine Dienstgradabzeichen. Wenn der Schütze also nur die Tracht ohne Hut trägt, ist nicht erkennbar ob es sich um einen Offizier, einen Schützen oder einen Pionier handelt.

Die Befehle eines Schützenhauptmanns

Der Hauptmann hat das Kommando über die gesamte Kompanie und sollte eine dementsprechend starke Stimme aufweisen können. Die wichtigsten Befehle und Aufgaben eines Hauptmannes sind das Vergattern (Aufstellen) der Kompanie, die Kommandos wie mit den Gewehren umgegangen werden soll (schultern, präsentieren, bei Fuß), das Kommando wann und wo hin marschiert wird, die Meldungen wofür die Kompanie ausgerückt ist (an den jeweiligen Höchstanwesenden) und natürlich das Kommando zum "General de Charge" (Abführen der Ehrensalve).

 

Die formalen Kommandos eines Hauptmannes richten sich nach den militärischen Kommandos, u.a. "Habt Acht, Schultert, Präsentiert, Rechts Schaut, Ruht, Bei Fuß, General de Charge, Hoch an, Feuer, Rechts um, Links um, im Schritt Marsch, Halt.

 

Man kann noch sehr vieles über die Tiroler Schützen lernen und in Erfahrung bringen. Das kann jeder beim 25. Alpenregionstreffen der Schützen von 26. bis 27. Mai 2018 in Mayrhofen im Zillertal! Sei dabei und unterhalte dich mit einem Schützen, es ist Kulturgut der Alpenregionen Bayern, Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol.

Ehrensalve der Schützenkompanie Mayrhofen

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