Frisch vom Berg in Tirol: das Wasser in Mayrhofen

Eiskalt, frisch und direkt vom Berg: Wasser ist die Grundlage für das Leben von Mensch, Tier und Pflanzen. Doch wie kommt das Wasser von der Quelle in die Hausleitung? Wir besuchen Hans Gasser, den Obmann der Wassergenossenschaft in Mayrhofen, der uns einen interessanten Einblick in seine ehrenamtliche Arbeit gewährt.

Erstellt von

Hans Gasser

Der Weg vom Bergquellwasser bis zur Trinkleitung

Eiskalt, frisch und direkt vom Berg: Wasser ist die Grundlage für das Leben von Mensch, Tier und Pflanzen. Doch wie kommt das Wasser von der Quelle in die Hausleitung? Wir besuchen Hans Gasser, den Obmann der Wassergenossenschaft in Mayrhofen, der uns einen interessanten Einblick in seine ehrenamtliche Arbeit gewährt.

Im Zentrum der Wassermacht

Büro Hans Gasser

Grafiken vom Leitungsnetz dekorieren die Wände.

 

Wir treffen Hans Gasser im kleinen, aber feinen Büro in Kumbichl, einen Ortsteil von Mayrhofen.

Zwischen Grafiken vom Leitungsnetz und Fotos früherer Obmänner setzen wir uns an den Tisch, auf dem eine große Karaffe voll Bergquellwasser steht – passend zum Thema!

Seit 1993 ist Metzgermeister Hans Gasser Obmann der Wassergenossenschaft – freiwillig, leidenschaftlich und voller Tatendrang, wie wir schon nach einem kurzen Gespräch feststellen.

 

Bergquellwasser Mayrhofen

Hans Gasser erklärt wie das Wasser von der Bergquelle in die Leitungen kommt.

So kam der Metzger zum Bergquellwasser

„Wasser ist Leben – zum Glück haben wir hier genügend davon.“, beginnt Hans Gasser das Gespräch. Doch wie wird ein Metzger Obmann der Wassergenossenschaft, fragen wir ihn. „Eigentlich hat alles angefangen, als der frühere Quellmeister erkrankte und ich gefragt wurde, ob ich denn nicht seine Arbeit übernehmen wolle. Wasser hatte für mich immer schon eine große Bedeutung, außerdem bin ich sehr gerne auf den Bergen unterwegs“, erinnert sich der Metzgermeister. Dann ging alles ganz schnell: In vielen Gesprächen, Einschulungen und Begehungen eignete sich Hans Gasser das Wissen über das Wasser in Tirol an – und wurde 1993 zum Obmann der Wassergenossenschaft, einem Verein mit ca. 500 Mitgliedern, gewählt. Der Beginn einer langen Reise …

Vom Gedächtnis in den Computer

Zahlreiche Modernisierungen wollten realisiert werden. „Der Bau des Büros und des Hochwasserbehälters stand an. Es waren wichtige Investitionen für das Trinkwasser in Mayrhofen in Tirol, die ich mit Hilfe tatkräftiger Unterstützung meines Teams verwirklichte.“, denkt Hans Gasser zurück. Die größte Errungenschaft damals war die digitale Mappe, in der das gesamte einschlägige Wissen abgespeichert wurde: „Es war mir sehr wichtig, dass jeder seine Kenntnisse im Computer erfasste. Dort stehen alle Infos zu Schiebern, Leitungen, Ortsplänen und den Befunden.“, erzählt der Obmann stolz. Die Idee hatte großes Echo nach außen. „Selbst Mitarbeiter des Landes Tirol sind zu uns nach Mayrhofen gekommen und haben sich über unser System informiert.“

Zwischen Metzgerei und Hochbehälter

Wassergenossenschaft

Bei einem Wasserrohrbruch ist die Wassergenossenschaft mit ihrem Wissen zur Stelle.

Trotz aller Leidenschaft und Herzblut ist es für Hans Gasser nicht immer leicht, seinen Aufgaben als Obmann nachzugehen: „Ich muss immer erreichbar sein und trage die Verantwortung für alle Anlagen in Mayrhofen. Bei einem Wasserrohrbruch sind wir als Team der Genossenschaft sofort zur Stelle, schauen uns die Lage vor Ort an und entscheiden dann. Umfangreichere Arbeiten lagern wir natürlich an Firmen im Ort aus.“, fasst der Obmann seine Arbeit zusammen. „Ohne den Rückhalt meines Teams wäre das alles nicht möglich. Nur so kann ich neben meiner Metzgerei auch Obmann sein!“

Wasser sprudelt aus 21 Quellen

Wasserversorgung der Wassergenossenschaft in Mayrhofen

Die Wassergenossenschaft gewährleistet ganz Mayrhofen die Wasserversorgung.

 

21 Quellen gewährleisten die Wasserversorgung für den gesamten Ort mit knapp 4.000 Einwohnern.

„Die höchste liegt auf 1.800 Metern.“, erklärt Hans Gasser. Die Quellen sind unterteilt in verschiedene Bereiche.

Ein Gebiet besteht aus vier bis sechs Quellästen, in denen das Bergquellwasser zusammengeführt wird. Ein großer Vorteil: Fällt eine Quelle aus, greift man einfach auf andere zurück. „Dass Mayrhofen 21 Quellen hat, ist wirklich enorm. Natürlich ist aber auch der Aufwand höher, alles in Schuss zu halten.“, weiß der Obmann der Wassergenossenschaft.

 

Wasserbecken der Wassergenossenschaft

Bis das Wasser in die Leitungen kommt, durchläuft es einige Stationen.

Der Weg von der Quelle bis zur Wasserleitung

 

Bis das Quellwasser vom Berg als Trinkwasser in unsere Wasserleitungen kommt, durchläuft es einige Stationen.

Noch bevor das Quellwasser austritt, finden unter der Erde Selbstreinigungsprozesse statt.

„Die Quelle tritt meist in der Nähe einer großen Senke, von Steinen oder Bäumen ans Tageslicht, wo sie in ein Lehmbett gefasst ist.“, informiert Hans Gasser.

 

Dann beginnt die Reise des Bergquellwassers:

  • Quellfassung: Die Quellfassung unterliegt einigen baulichen Regeln – das Lehmbett und der Beton schützen das Trinkwasser vor Oberflächenwasser.
  • Quellstube: Die Quellstube, die sich in der Nähe der Quelle befindet, ist eine Kammer, in die das Bergwasser hineinfließt.
  • Beruhigungsbecken: In diesem setzen sich kleine Steine und Sand am Boden ab. Nur das reine Trinkwasser an der Oberfläche fließt weiter.
  • Zweite Stube: Das Bergquellwasser strömt durch einen Filter in die Wasserleitung ins Tal.
  • Hochbehälter: Die letzte Station sind die fünf Hochbehälter im Tal. Dort entsteht ein Kreislauf – durch den Zufluss und Abfluss ist das Trinkwasser ständig in Bewegung und gelangt dann in die Leitungen direkt zum Verbraucher.

Station der Wassergenossenschaft

200.000 Liter Wasser werden pro Stunde in Mayrhofen benötigt.

Wasserverbrauch in Mayrhofen: 200.000 Liter Wasser pro Stunde

Am Weg zum Hochbehälter klärt uns Hans Gasser über das Wassersystem in Mayrhofen auf. „Die Hauptleitung ist 42 Kilometer lang, zudem besitzen wir 93 Hydranten, 5 Hochbehälter und 19 Brunnenstuben. Das Gesamtfassungsvermögen beträgt 1,3 Millionen Liter Wasser.“, so Hans Gasser, der uns eine Statistik vorlegt. Demnach liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch (gerechnet von April 2009 bis April 2010) pro Stunde bei 200 Kubikmetern – das sind 200.000 Liter! Das ist so viel, dass wir es uns kaum vorstellen können! „Es kommt aber auf die Saison an. In der Hochsaison müssen zusätzlich 10.000 Gäste mitversorgt werden, außerdem gibt es wasserreiche und wasserarme Zeiten. Die Wasserversorgung ist bei uns zu jeder Zeit gesichert, das Überwasser geben wir der Natur zurück.“, erklärt der Obmann.

Wasser ist nicht gleich Wasser

Wer denkt, das Trinkwasser schmecke immer gleich, der irrt. „Da gibt es große Unterschiede!“, klärt uns Metzgermeister Gasser auf. Das unterschiedliche Gestein rund um die Quellen schlägt sich im Allgemeinen auf den Geschmack des Trinkwassers nieder. „Es kann moosig schmecken oder auch einen bitteren Nachgeschmack haben. Am frischesten ist das Bergquellwasser dort, wo es durch viele Steine gefiltert wird.“, so der Obmann, der auf die Kraft der Steine schwört: „Gesteinsschichten, Gras oder Holz geben dem Wasser Informationen. Meine Frau gibt zu den Pflanzen in der Vase immer Steine – sie halten so viel länger. Es ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, da ist aber bestimmt was dran!“, ist Hans Gasser überzeugt. Er schätzt das Trinkwasser in Mayrhofen in Tirol sehr: „Hier haben wir beste Qualität, das Trinkwasser ist sehr weich und hat viel frei gesetzte Kohlensäure.“

Die Bedeutung des Wassers

Obmann Hans Gasser

Dass Wasser mehr geschätzt wird, ist Obmann Hans Gasser sehr wichtig.

„Wasser hat für mich einen enorm großen Stellenwert – es ist der Ursprung des Lebens für Menschen, Tiere und Pflanzen. Das kühle Nass sollte ein Grundrecht für jeden Menschen sein. Wir können uns hier in Mayrhofen wirklich glücklich schätzen, eine sichere Wasserversorgung durch die zahlreichen Berge zu haben.“, sagt Hans Gasser nachdenklich. Der Obmann wünscht sich für die Zukunft, dass das kostbare Gut mehr geschätzt wird und könnte sich durchaus vorstellen, in der Gastronomie für ein Glas Trinkwasser ein paar Cent zu verlangen. „Vielleicht würde sich das Bewusstsein damit ändern.“, wünscht sich der Obmann der Wassergenossenschaft.

 

 

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