Heiliger Abend im Kreise meiner Familie

Es ist schon ganz etwas besonderes – der Heilige Abend im Kreise der Familie. Es liegen die unterschiedlichsten Emotionen in der Luft: Vorfreude, Familiensinn, inneres Glücklichsein – aber auch Wehmut, Trauer und Gedanken an jene Menschen, die nicht mehr unter uns sind.

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Weihnachten in Mayrhofen

Es ist schon ganz etwas besonderes – der Heilige Abend im Kreise der Familie. Es liegen die unterschiedlichsten Emotionen in der Luft: Vorfreude, Familiensinn, inneres Glücklichsein – aber auch Wehmut, Trauer und Gedanken an jene Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Doch als Kind sieht man genau diesen Heiligen Abend durch die rosarote Brille, denn das Gefühl der Vorfreude überwiegt!

 

Weihnachten in Mayrhofen

Bereits am Vorabend herrschte Aufregung, da half ein gemeinsames Abendessen und Gebet

Es begann schon am Vorabend des Heiligen Abends

Ich bin mit vier Geschwistern (zwei Brüder und zwei Schwestern) aufgewachsen. Da war ständig was los, wenn wir am 23.12. von den verschiedensten Schulen nach Hause kamen. Mein ältester Bruder besuchte das Bundesoberstufengymnasium in Schwaz, meine ältere Schwester besuchte die Ferrarischule in Innsbruck, meine kleine Schwester und ich waren noch in der Volks- bzw. Hauptschule und mein zweiter Bruder machte eine Lehre als Bäcker. Wir verstanden eigentlich nicht so ganz, warum wir am 23.12. immer so früh ins Bett mussten. Nach einem gemeinsamen Abendessen wurden wir regelrecht verschickt! Aber meine kleine Schwester Christiane und ich waren zu neugierig um schlafen zu können, denn wir ahnten, dass irgend etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Wir lauschten und hörten ständig was rascheln, was klirren, zarte weihnachtliche Musik drang bis in unser Zimmer vor. Irgendwann übermannte uns dann doch die Müdigkeit und wir schliefen friedlich ein.

Weihnachten in Mayrhofen

Die Tür ist verschlossen! Ein Blick durch das Schlüsselloch bringt gar nichts!

Der Morgen des Heiligen Abends

Wie könnte es anders sein – vor lauter Aufregung war der Schlaf sehr leicht und bereits um 5 Uhr entschlossen wir, die Betten zu verlassen und nachzusehen, was in der Nacht alles vorgefallen ist. Der erste Weg war zur Wohnzimmertür. Wir wollten sie öffnen, doch sie war versperrt! Das Christkind ist also schon dagewesen und hat unser Wohnzimmer geschmückt! Durch die Türritze und durch das Schlüsselloch wollten wir einen Blick in das „Christkindlzimmer“ erspähen, doch es war dunkel und wir mussten uns gedulden. Unsere Familie war immer sehr musikalisch, so war es auch nicht verwunderlich, dass wir fast alle beim Kirchenchor Mayrhofen sangen. Ich bin bereits mit 11 Jahren Mitglied geworden und der Heilige Abend begann mit dem Engelamt bzw. der Rorate um 6.00 Uhr früh. Ich kann mich noch gut an die „Fiechter Weihnachtsmesse“ erinnern, die immer gesungen wurde. Im Kyrie war schon die Melodie von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu erkennen und ich spürte Weihnachten in mir.

Weihnachten in Mayrhofen

Winterlicher Spaziergang im Scheulingwald mit Papa

Ein sehr langer Tag

Nach dem Engelamt und einem ausgiebigen Frühstück, das wir uns redlich verdient haben, begann nun die Warterei. Fünf Kinder, die kein Wohnzimmer zum Spielen zur Verfügung hatten, in der Küche war Mama mit den Vorbereitungen zum Festessen beschäftigt und Papa bereitete bereits die Unterlagen für die Adventstunde vor, die wir nach dem Abendessen in der Küche hielten. Also blieb uns nichts anderes übrig, als auf den Josef-Riedl-Platz zu gehen und dort zu spielen. Wenn uns zu kalt wurde, gingen wir wieder nach Hause und wärmten uns in der Küche auf. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Aber schließlich dämmerte es draußen und wir wussten, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis das Christkind kommt.

Das Abendessen am Heiligen Abend

Weihnachten in Mayrhofen

Gemeinsames Abendessen vor der Adventstunde – die Spannung steigt!

Wie schon bei meiner Mutter zu Hause gab es am Heiligen Abend eine Hühnersuppe mit Fadennudeln und Würstl drin. Es war die beste Suppe der Welt! Ich kann mich noch erinnern, dass Mama mal eine Rindssuppe machte und wir streikten, da es die falsche Suppe war. Die Spannung stieg schier ins Unermessliche, doch wir mussten uns noch gedulden. Da der Heilige Abend eine von drei Rauhnächten ist, gingen mein Vater mit dem Weihrauchfass und mein Bruder Herbert mit einem Glas voll Weihwasser durch sämtliche Räume und sprengten bzw. räucherten die Zimmer. Der Rest der Familie ging dahinter und betete: „Heilig, heilig, heilig, bist du Gott Sabaoth, Himmel und Erde sind von deiner Heiligkeit voll….“. Ich habe den Satz nie verstanden!

Die Adventstunde vor der Bescherung

Wir saßen nun alle in der Küche am Tisch, in der Mitte der Adventkranz mit den vier brennenden Kerzen. Die Adventstunde, die eigentlich gar keine Stunde dauerte, begann mit dem Kreuzzeichen und anschließend mit einem Lied, das wir alle sangen. Papa las dann das Weihnachtsevangelium vor, wir zeigten uns andächtig, obwohl die Gedanken schon sehr weit weg waren, nämlich beim Christkind. Dann kam wieder ein Lied, dann die Fürbitten. Jedes Familienmitglied sprach eine Fürbitte aus. Meistens hatte Papa dann was zu erledigen und verließ die Küche. Und genau in diesem Moment hörten wir das zarte Glöcklein! Klingelingeling….

 

Weihnachten in Mayrhofen

Weihnachten in Mayrhofen

Weihnachten in Mayrhofen

 

Das Christkind kommt!

Hastig standen wir auf, wir waren ja sowas von aufgeregt! Als wir das Wohnzimmer betraten, erstrahlte ein wunderschöner großer Christbaum das Wohnzimmer und beleuchtete die Geschenke, die in allen Winkeln des Wohnzimmers verstreut waren. Es hatte ja jeder von uns „seinen Christkindlplatz“. Aber noch mussten wir uns gedulden, denn zuerst wurde vor dem Christbaum das Lied der Lieder, „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gesungen – alle drei Strophen versteht sich. Anschließend ging der Sturm auf die Geschenke los und vor allem meine kleine Schwester Christiane und ich fragten uns immer, warum das Christkind weiß, was wir uns gewünscht hatten. Mit den neuen Puppen und Spielen verbrachten wir den Rest des Abends bis wir todmüde und vollkommen aufgelöst vor Glück in unseren Betten selig einschliefen.

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