Ich habe das Christkind gesehen!

Wieder ist ein Jahr fast vorbei, wieder sind wir beim 24. Dezember angelangt, dem wohl ruhigsten und besinnlichsten Tag bzw. Abend im Jahr. Und jeden 24. Dezember denke ich mit Freude an meine wohlbehütete Kindheit zurück, wie wir Weihnachten im Kreise unserer Familie erleben durften. Ein Weihnachtsfest in Frieden mit den liebsten Menschen feiern zu dürfen ist wohl das schönste Glück auf Erden. Und wenn man das Christkind auch noch sieht, dann ist Weihnachten tatsächlich das größte Fest aller Zeiten!
Ich habe das Christkind gesehen

©Gerhard Berger

Erstellt von

Fünf Kinder am Heiligen Abend zu bändigen, das war die Herausforderung, vor der unsere Eltern Jahr für Jahr standen. Beschäftigungen wurden gesucht – basteln, malen, lesen, singen, musizieren, kein Hobby wurde länger als 10 Minuten ausgeführt, weil wir einfach zu nervös waren. Meine drei älteren Geschwister waren bereits 14, 13 und 12 Jahre, ich zählte damals acht Lenze und meine kleine Schwester Christiane war zarte vier Jahre alt. War es uns in der Wohnung zu langweilig, wurden die Skianzüge angezogen und wir gingen hinunter ins Freie. Die tollsten Kreationen von Schneemännern wurden gebaut, Schneeballschlachten gemacht und Fangen gespielt.

Ich habe das Christkind gesehen
Elisabeth Frontull
Ich habe das Christkind gesehen
Elisabeth Frontull
Ich habe das Christkind gesehen
Elisabeth Frontull

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, war es immerhin schon zwei Uhr nachmittags. Halb erfroren kamen wir zu Hause wieder an und Mama bereitete uns heißen Kakao. Wir wärmten uns und wurden von Minute zu Minute übermütiger. Meine kleine Schwester Christiane saß mit tiefroten Wangen am Küchentisch und konnte es nicht mehr erwarten. Sie stieß Herbert, den Zweitältesten, und sagte zu ihm, er solle doch bitte bei der Wohnzimmertür probieren, ob immer noch zugesperrt sei. Herbert war immer unser Temperamentvollster. Er schnappte Christiane an der Hand, sprang mit ihr zur Wohnzimmertür und mit einem starken Ruck stieß er die Tür auf.

 

„Um Gottes Willen!“ schrie meine Mama und eilte zur Wohnzimmertür und schloss sie sofort. Herbert erschrak, denn er meinte nicht, dass er mit seinen 13 Jahren schon dermaßen Kraft entwickeln konnte und eine versperrte Tür öffnen kann. Alles beruhigte sich wieder, der ganze Tumult verging. Nur Christiane – sie stand immer noch vor der Wohnzimmertür, die nun ja wieder verschlossen war. Wie versteinert stand Christiane da, mit leuchtenden Augen und eine Träne kullerte über ihre kirschfarbenen Wangen. „Mama, ich hab das Christkind gesehen! Im Wohnzimmer war ein ganz heller Schein, das muss das Christkind gewesen sein! Wir haben es jetzt sicher gestört, jetzt kommt es nicht mehr.“ Daraufhin weinte sie herzzerreißend. Mama kniete sich zu Christiane hinunter und tröstete sie mit den Worten: „Das Christkind kommt in unsere Herzen Christiane. Und da gibt es keine Tür, die jemand anderer öffnen kann. Die musst du für dich selbst öffnen und es hinein lassen.“ Christiane antwortete mit ihren vier Jahren: „So wie du in meinem Herzen bist, Mama“.

Das Christkind im Wohnzimmer kam dann doch am Abend, auch wenn es am Nachmittag gestört wurde. Mama ist im Herzen der Kinder, das Christkind auch. Geben wir den Kindern ganz lange den Glauben an das Christkind, denn es gibt das Christkind wirklich, in welcher Gestalt auch immer.

Mehr Tradition

Tradition Facts

Kultur & Tradition

im Zillertal

In der Ferienregion Mayrhofen-Hippach haben Kultur & Tradition seit jeher einen hohen Stellenwert und werden in vielfältiger Weise gepflegt. Neben vielseitigen sportlichen Angeboten laden zahlreiche musikalische und kulinarische Schmankerl zum Lauschen, Feiern, Schlemmen und Genießen ein.

Weitere Infos zum perfekten Urlaub...

Das könnte dir auch gefallen