Resi – Der heiß ersehnte Almabtrieb in Mayrhofen

Einen Termin mit Resi auf der Alm zu bekommen, gestaltet sich nicht einfach. Resi ist viel beschäftigt, immerhin ist sie zur diesjährigen Schönheitskönigin gewählt worden: Resi ist die Kranzkuh beim Almabtrieb in Mayrhofen. Klar, dass da das Fell glänzen muss, die Wimpern einen wunderschönen Bogen machen und ihre Hörner poliert werden.

Erstellt von

Foto: Kristina

Einen Termin mit Resi auf der Alm zu bekommen, gestaltet sich nicht einfach. Resi ist viel beschäftigt, immerhin ist sie zur diesjährigen Schönheitskönigin gewählt worden: Resi ist die Kranzkuh beim Almabtrieb in Mayrhofen. Klar, dass da das Fell glänzen muss, die Wimpern einen wunderschönen Bogen machen und ihre Hörner poliert werden. Ist ja auch kein Hobby eine Kranzkuh zu sein, sondern purer Ernst. Wie ernst, erzählt uns Resi in einem heiß ersehnten Interview.

 

Ich treffe Resi auf ein Interview. Foto: Kristina Erhard

Ich treffe Resi kurz vor dem Almabtrieb in Mayrhofen auf ein Interview. Foto: Kristina Erhard

Resi, die Kranzkuh auf Almabtrieb.

ICH: Wow, Resi, ich habe dich kaum wiedererkannt. Was hast du mit deinem Fell gemacht, dass es so glänzt?

RESI: Ach, im Endeffekt war das nur die viele Bewegung in der Bergluft und die gesunde Ernährung, die aus vielen schmackhaften Almkräutern bestand. Aber ich bin schon so aufgeregt wegen dem Almabtrieb, da hab ich fast schon Angst, dass meine Hörner fleckig werden – da muss ja dann die große Kranzkrone drauf.

ICH: Wie jetzt? Du bist also die Kranzkuh? Ja erst einmal ist Gratulation angebracht. Aber das ist jetzt natürlich eine stressige Zeit für dich. Was musst du denn genau machen?

Resi1_klein

Nur die schönsten und gesündesten Kühe werden als Kranzkönigin für den Almabtrieb ausgewählt. Foto: Kristina Erhard

RESI: Grundsätzlich ist es ja so, dass der Almabtrieb jedes Jahr stattfindet, meistens Ende Oktober, wenn es im Hochgebirge kalt wird. Da wandern alle Kühe und auch die Menschen, die den Sommer auf der Alm verbracht haben, gemeinsam ins Tal. Um das ganze ein wenig auf zu päppeln, haben die Menschen schon vor hunderten von Jahren angefangen, ein Fest aus diesem sogenannten Almabtrieb zu machen. Und damit wir Kühe auch was davon haben, werden wir festlich geschmückt. Die Kranzkuh allerdings wird besonders schön herausgeputzt und bekommt eine Kranzkrone auf die Hörner gesetzt. Da fühlt man sich wie im 7. Himmel!

Resi auf den Spuren Jahrhunderte alter Traditionen in Mayrhofen.

ICH: Aber hat das Schmücken der Kühe nicht auch noch einen ernsteren Hintergrund?

RESI: Ja, das stimmt. Ganz ungefährlich ist der Sommeraufenthalt auf den Almen für uns Tiere nicht. Wir können über die Felsen am Berg abstürzen oder ein totes Kalb zur Welt bringen. Wenn sowas diesen Sommer geschehen wäre, dann würden wir von unseren Bauern „still“ vom Berg hinuntergebracht – also ohne Schmuck und Fest. Aber st auf der Alm alles gut gegangen, werden wir eben prächtig geschmückt. Und ich besonders prächtig….Seufz.

ICH: Resi, dann beschreib mir mal den Schmuck, auf den du dich so freust.

RESI: Den Kühen wird eine schöne Glocke mit einem bestickten Riemen umgehängt, wobei sich die Schnalle auf der rechten Seite befinden muss. Der Kranzkuh, dem schönsten und wertvollsten Tier, wird der kunstvoll bestickte, mit Glas, Perlen und Federn verzierte, oft uralte Kranz aufgebunden, nachdem er ihr vorher zum Beschnuppern und Gewöhnen hingehalten worden ist. Der Kopfschmuck der Kühe wird auch heute noch von unseren Bauern in traditioneller Weise gestaltet. Der Schmuck besteht aus verschiedenen Grün- und Blühpflanzen wie Alpenrosen, Latschenkiefern, Silberdisteln und Seidenblumen – alles was man auch auf der Alm findet. Liebevoll flechten die Bäuerinnen auch noch passende Bänder in die Kränze. Oh, ich bin so aufgeregt! Denn die Kranzkuh, also moi, nimmt beim Almabtrieb eine ganz besondere Rolle ein. Auf dem Weg hinunter in das Tal führt die Kranzkuh die Herde sicher an. Mein Kopfschmuck ist besonders aufwendig und hat die Form einer Krone. Diese Form meines Kopfschmucks kommt auch aus einem Mix von „altem“ und christlichem Glauben: mit einem, in die Krone eingearbeiteten Kreuz fleht die Bauern den Herrgott um himmlischen Schutz an. Und für alle Fälle sollen mit Hilfe von Spiegeln und Glocken böse Geister abgewehrt werden.

ICH: Okay, Resi, jetzt verstehe ich, warum du nervös bist. Wann ist es denn soweit?

RESI: Am 1. Oktober gegen zehn Uhr vormittags geht es los! Ich freu mich natürlich, wenn viele Menschen kommen. Immerhin werde ich als Kranzkuh die schönste Kuh von allen sein!

 

 

Mehr Tradition

Tradition Facts

Kultur & Tradition

im Zillertal

In der Ferienregion Mayrhofen-Hippach haben Kultur & Tradition seit jeher einen hohen Stellenwert und werden in vielfältiger Weise gepflegt. Neben vielseitigen sportlichen Angeboten laden zahlreiche musikalische und kulinarische Schmankerl zum Lauschen, Feiern, Schlemmen und Genießen ein.

Weitere Infos zum perfekten Urlaub...

Das könnte dir auch gefallen