Resi, die Kuh aus dem Zillertal

Resi ist ein Jungkalb aus Mayrhofen im Zillertal. Wir wollten wissen, wie sich das Leben einer Kuh anfühlt, was denkt sie über das erste Mal? Was bewegt sie, wie geht sie mit dem Thema Schlachtung um und wieso gibt es immer wieder Kühe, die Wanderer angreifen.

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Resi, die glückliche Kuh aus dem Zillertal

Resi ist ein Jungkalb aus Mayrhofen im Zillertal. Wir wollten wissen, wie sich das Leben einer Kuh anfühlt, was denkt sie über das erste Mal? Was bewegt sie, wie geht sie mit dem Thema Schlachtung um und wieso gibt es immer wieder Kühe, die Wanderer angreifen.

 

In Mayrhofen angekommen mache ich mich auf dem Weg zum 4 Sterne Hotel Neue Post, im Zentrum von Mayrhofen. Junior- und Seniorchef begrüßen mich äußerst freundlich, auch nachdem ich ihnen mein Vorhaben offenbart habe. Juniorchef Willi führt das Hotel, um den dazugehörigen Bauernhof kümmert sich sein Vater Wilhelm sen.. Wilhelm bringt mich zum Stall der Resi.

Ich: „Hallo Resi, ich arbeite für den Blog des Tourismusverbandes Mayrhofen und ich möchte dir gerne ein paar Fragen stellen, geht das? Wie alt bist du, Resi?“ 

Resi: „Ich bin am 04. November 2015 hier im Stall der Pfisters auf die Welt gekommen. Ich gehe heuer auch zum ersten Mal auf die Alm. Die älteren Kühe hier in der Runde haben mir schon viel vom spannenden Sommer auf der Alm erzählt. Ich muss sagen, ich bin ziemlich aufgeregt und freue mich schon. Aber bevor wir auf die Alm in Ginzling starten, müssen wir uns erst an das Leben außerhalb des Stalles gewöhnen. Unser Melker wird uns kurz vor dem großen Tag des Almauftriebs auf die Wiese vor dem Stall bringen. Dort dürfen wir uns an das Leben da draußen gewöhnen.“

Resi’s erstes Mal

Ich: „Das bedeutet, du bist in kurzer Zeit zum ersten Mal auf der Wiese?  

Resi: „Ja, ich bin gespannt und sehr aufgeregt. Das kannst du dir vorstellen. Beim ersten Mal wackeln wir Kälber noch recht vorsichtig herum, haben uns die älteren Kühe erzählt. Aber schon am zweiten Tag fühlen wir Kälber uns wohl, hüpfen und toben auf der Wiese herum und genießen die ‚neue’ Freiheit. Manche werden da ganz übermütig vor Freude und springen und tollen ganz wild. Wir lernen da draußen natürlich auch viel. Etwa über den Elektrozaun. Wir Jungkälber wissen ja noch nichts darüber, haben aber genügend Zeit, uns daran zu gewöhnen. Der Zaun ist ja wichtig, dass wir auf der Alm nicht ausbüchsen und dass die Weide mit ‚System’ abgegrast wird. Dafür sorgt unser Melker. Auch das richtige ‚gehen’ lernen wir erst auf der Wiese. Im Stall stehen wir ja mehr oder weniger nur herum, obwohl wir genügend Bewegungsfreiheit haben. Manchmal rangeln wir untereinander auch ein bisschen hin und her. Aber das ist auch schon alles. “

Ich: „Übermütig bringt mich auf ein heikles Thema zu sprechen. Man hörte in den letzten Jahren von Kühen, die Wanderer angreifen. Was hat es damit auf sich?“

Resi: „Das ist ganz einfach erklärt. Es geht dabei hauptsächlich um den Mutterinstinkt der Kuh. Wenn uns ein Wanderer zu nah kommt und die Mutterkuh sein Junges bedroht sieht, dann reagiert sie. Das ist ein ganz normaler Instinkt. Wanderer sollten sich am Besten davor schützen, in dem sie genügend Abstand zu uns Kühen halten. In der Regel passiert aber gar nichts. Die Zeitungen spielen solche Fälle ziemlich hoch. Das sagt auch mein Bauer. “

Ich: „Wie hast du den Winter im Stall verbracht? Wie sieht euer Tagesablauf aus?“

Resi: „Unser Melker kommt um 5 Uhr in der Früh. Dann geht das Licht an. Zuerst bekommen wir alle Heu zu Fressen. Danach werden unsere Mutterkühe gemolken. Nachdem unser Melker das Melkgeschirr gespült hat, bekommen wir Kälber unsere Milch. Unser Melker ist ein ausgesprochen großherziger Mann und frühstückt selbst erst, wenn wir alle gut versorgt sind. Das ist dann etwa so gegen acht. Nach dem Frühstück kommt er sofort wieder, streut den Stall frisch ein, mistet aus und putzt alles sauber. Danach bekommen wir wieder Heu und dann ist der Vormittag schon gelaufen. Nach unserer wohlverdienten Mittagspause gibt es am Nachmittag wieder Heu, es wird nochmal ausgemistet. Am Abend gegen halb 6 wird wieder gemolken, dann bekommen wir jungen Tiere wieder unsere Milch. Gegen 8 ist Nachtruhe. Wir haben es gut hier, im Winter ist es warm und wir haben viel Platz und Bewegungsfreiheit.“

 

In der Früh wird Heu gefüttert

In der Früh wird Heu gefüttert

Milch für die Jungtiere

Milch für die Jungtiere

 Schlachtungen von Kühen

Ich: „Kommen alle von euch mit auf die Alm?“

Resi: “Die meisten ja. Aber die jungen Stiere hier hinter mir müssen hierbleiben. Sie sind Schlachtstiere und werden etwa 3 bis 4 Monate alt. Sie haben leider ein kurzes Leben, aber das ist nun mal so in einem Zuchtbetrieb. Das Fleisch ist verwertbar bis zum Alter von drei bis vier Jahren. Danach wird unser Fleisch zu zäh für den Verzehr. Das Fleisch der jungen Stiere wird im Hotel Neue Post verwertet. Was ich gehört habe, zaubert der Juniorchef, Willi, daraus kulinarische Hochgenüsse, wie etwa Carpaccio. Die Gäste des Hauses dürfen sich aber nicht nur über die frischen Fleischerzeugnisse freuen, sondern auch über die frischen Erzeugnisse aus der Milch. Frische Butter, Käse und Wurstwaren am Frühstücksbuffet der Gäste stammen aus unserem Stall. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir hier im Stall eine so wichtige und tolle Aufgabe für unsere Gäste erfüllen dürfen.“

 

Foto: Hotel Neue Post

Foto: Hotel Neue Post

Foto: Hotel Neue Post

 

 

 

Ich: „Wie wird dein Sommer auf der Alm aussehen?“

Resi: „Circa Mitte Mai treiben uns der Melker und vier weitere Gehilfen auf die Alm hinauf. Der Auftrieb ist wetterabhängig, unser Bauer wartet so lange, bis das Wetter gut ist. Unsere Alm soll sehr groß sein. Der Melker erzählt uns oft, wie er sich auch schon auf die Alm freut. Es gibt ganze neunzehn Hektar Wiese für uns. Wir kommen jeden Tag raus und dürfen auf der Alm weiden, haben viel Auslauf. Zuerst dürfen wir überall herumlaufen und nach ein paar Wochen wird die Wiese in einzelne Teile abgetrennt, sodass wir immer genug Gras zum Fressen bekommen. Auch unser Melker ist ständig oben und passt auf, dass uns nichts passiert. Es gibt immer viel zu tun auf der Alm. Im Sommer wird der Käse auf der Alm gemacht und sofort in das Hotel Neue Post gefahren, damit die Gäste frischen Käse bekommen. Hin und wieder kommen Gäste aus dem Tal. Die Frau des Melkers kommt uns auch hin und wieder besuchen. Sie hilft dann mit und genießt das Leben auf der Alm.

Ich: „Wie alt wird eine Kuh aus eurem Stall?“

Resi: „Wie schon erwähnt sind wir ein Zuchtbetrieb. Eine Kuh macht im Schnitt acht bis fünfzehn Kälber. Dann wird sie geschlachtet, bevor das Fleisch durch ihre Muskeln nicht mehr gut schmeckt. Insgesamt sind wir im Stall 18 Melkkühe, 20 Stück Jungvieh und 10 Kälber.

 

 

Heufütterung in der Früh

Jungstiere im Stall

Der Melker geht frühstücken

 

Der Höhepunkt

Ich:“ Neben dem Almauftrieb und dem ersten Mal, gibt es einen weiteren Höhepunkt für dich?

Resi: „Ja, sicher. Die Almabfahrt. Das ist das absolute Highlight im Leben einer Kuh.

Die älteren Kühe wissen schon, wenn sie die Blumen, Glocken und Kränze sehen, dass es wieder in die Heimat geht. So, wie wir uns auf den Almauftrieb freuen, sehnen wir uns im Herbst, wenn es wieder kühler und dunkler wird nach unserem Stall zuhause in Mayrhofen. Ganze 17 km gehen wir ins Tal. Das dauert circa 3 ½ Stunden Gehzeit. Eine Kuh von uns wird an diesem Tage zur Kranzkuh ausgewählt. Diese Kuh darf uns anführen, sie geht als erste. Die Kranzkuh bekommt den größten und schönsten Kopfschmuck von uns allen. Der Melker sucht jedes Jahr eine andere Kuh dafür aus.

Der Almabtrieb ist natürlich auch aus Sicht der Gäste ein besonderes Highlight. Der Almabtrieb wird mit selbstgemachten Köstlichkeiten wie Krapfen, Schnaps und sonstigen Leckereien zelebriert. Am Wegrand stehen viele Menschen und schauen und rufen uns zu. Darauf freue ich mich schon. “

Ich: Resi, vielen Dank für das tolle Interview. Wir würden uns freuen, wenn du uns weiterhin über dein Leben erzählst. Nächstes Mal möchten wir dich auf der Alm besuchen. In der Zwischenzeit wünschen wir dir alles Gute und viel Spaß und eine spannende Zeit in den nächsten Monaten.“  

https://www.youtube.com//embed/8VBVfgas3Sc?

 

Fritz Pfister übernahm 1961 das Hotel Neue Post und den Bauernhof von seinem Vater. Inzwischen führt Wilhelm Pfister, sein Sohn, das Hotel in der nächsten Generation. Tradition wird im Hotel Neue Post großgeschrieben. Und zur Tradition gehören nicht nur die Tiroler Gastkultur, sondern auch kulinarische Höchstgenüsse aus der eigenen Landwirtschaft. Der Sohn von Wilhelm, Willi Pfister ist Küchenchef und verwendet nicht nur die Erzeugnisse aus dem eigenen Stall, wie etwa Milchprodukte, Käse oder Frischfleisch. Daneben gehört der alteingesessenen Familie ein eigenes Jagdgebiet in Mayrhofen von über 250 Hektar. Von dort wird ein Großteil des Wildfleisches bezogen.

Weitere Informationen zum Hotel Neue Post findet ihr hier: Hotel Neue Post Mayrhofen

Mehr Infos zum Sommerurlaub in Mayrhofen gibt es hier: Urlaub in Mayrhofen

Hier findest du nähere Informationen zum Almabtrieb: Almabtrieb

 

 

Mehr Tradition

Tradition Facts

Kultur & Tradition

im Zillertal

In der Ferienregion Mayrhofen-Hippach haben Kultur & Tradition seit jeher einen hohen Stellenwert und werden in vielfältiger Weise gepflegt. Neben vielseitigen sportlichen Angeboten laden zahlreiche musikalische und kulinarische Schmankerl zum Lauschen, Feiern, Schlemmen und Genießen ein.

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