Tierisches Treiben

Veit Schragl und seine Frau Christine sind Minimalisten. Im Sommer leben sie auf einer Alm, ohne Heizung und Computer, aber haben doch alles, was sie brauchen: Einen warmen Wohnraum, ein Bett – und ihre Kühe, die sie bald wieder feierlich ins Tal hinabtreiben.
Der Almabtrieb wird in Mayrhofen am 7. Oktober 2017 groß gefeiert.

©Veit Schragl

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Der Wecker von Veit Schragl klingt um 4:30 Uhr. Täglich. Der 30-Jährige ist Landwirt mit Herz. Auf der 1.800 Meter hohen Schaftenheu Alm hoch über Hippach lebt er von Ende Mai bis Anfang Oktober. Einsam ist Veit dort oben nicht. Denn er hat seine Familie – Frau Christine und zwei kleine Söhne – und seine rund 35 Kühe. „Die sind unsere Schätze.“ Auch sie leben den Sommer über auf der Alm. „Die Kühe fahren in der letzten Maiwoche mit dem LKW hinauf, weil keiner von uns nach dem Winter Kondition hat“, lacht Christine. Es ist vor allem die Liebe zum Tier und zur Natur, die Veit und seine Frau zum einfachen Leben auf der Alm bewegt.

Almabtrieb in Mayrofen im Zillertal
©Socialweb
Almabtrieb in Mayrofen im Zillertal
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Aufbüscheln und aufbrezeln

Jeden ersten Samstag im Oktober, macht sich die Familie Schragl so richtig fesch. Nämlich dann, wenn die Kühe wieder hinab ins Tal getrieben werden. Diesmal zu Fuß. „Der diesjährige Almabtrieb am 7. Oktober ist für uns persönlich ein kleiner Festtag, der zufällig auf das Almabtriebsfest in Mayhofen fällt“, sagt Veit. Auch die Kühe werden aufgebrezelt: „Wir büscheln sie auf, das heißt wir putzen und schmücken sie mit einer großen Glocke und einem Buschen.“ Rund ein Dutzend Kollegen und Verwandte helfen Christine und Veit beim Abtrieb. Doch das tierische Vergnügen ist kein Kinderspiel. „Meine Kühe gehen in der Früh um acht Uhr los und kommen unten um 15 Uhr an.“ Sie tragen rund 12 Kilo Schmuck auf dem Kopf. Das macht müde. Neben den Strapazen des Abtriebs kommt ein modernes Problem hinzu: Der Verkehr und die vielen Autos! „Die Uneinsichtigkeit der Autofahrer, die glauben, die gesamte Straße gehört ihnen“, macht Veit zu schaffen. „Und die vielen Leute auf dem Festplatz in Mayrhofen sind heikel. Manchmal springt jemand aus der Menge, weil er ein Foto machen möchte. Das ist normalerweise kein Problem, aber wenn dann doch mal was passiert, dann hafte ich dafür.“

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Madonna und Golde spazieren voraus

Wenn Mensch und Tier aufeinander treffen gilt Vorsicht vor Übermut. Die Kühe haben ihren eigenen Kopf. „Sie haben ihren Stolz und wissen, wo es langgeht. Von ihrem Weg lassen sich die Tiere nicht abbringen. Ist auf dem Weg eine Umleitung oder eine Baustelle, gehen die Kühe trotzdem weiter.“ Dann muss man sie gehen lassen. „Es gibt eine Leitkuh, die Chefin, und ihre Herde folgt.“ Bei Veits Kühen sind es Madonna und Golde, die vorausspazieren. Das bescheidene Leben auf der Alm ist oft anstrengend und Kräfte raubend, doch Veit und Christine wissen ihren Minimalismus zu schätzen: Es ist vor allem die Ruhe, die sie dort genießen.

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