Von Jägern und Wilderern im Zillertal

Der 1. August ist nicht nur für die Jäger im Zillertal ein erster Jahreshöhepunkt. Das Datum ist traditionell auch für die Wilderer höchst interessant. Wir sollten uns bewusst sein, dass im Zillertal bereits seit Jahrtausenden gejagt wird. Archäologen haben im Zillertal zahlreiche prähistorische Jägerlager gefunden, deren älteste vor 8.000 Jahren angelegt worden waren.

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Der 1. August ist nicht nur für die Jäger im Zillertal ein erster Jahreshöhepunkt. Das Datum ist traditionell auch für die Wilderer höchst interessant.

 

Wir sollten uns bewusst sein, dass im Zillertal bereits seit Jahrtausenden gejagt wird. Archäologen haben im Zillertal zahlreiche prähistorische Jägerlager gefunden, deren älteste vor 8.000 Jahren angelegt worden waren.  Der Wildreichtum des Zillertals zog also bereits steinzeitliche Jäger ins Tal. Eine Beliebtheit, die sich über die Jahrtausende hinweg ganz offensichtlich erhalten hat.

Feuer frei ab dem 1. August

Der 1. August ist alljährlich ein Wendepunkt im Jahreskalender der Grünröcke. Ab diesem Datum ist es nämlich erlaubt, die wichtigsten Tierarten zu bejagen. Die Jagd auf Rot- und Steinwild wird an diesem Tag  ebenso eröffnet wie jene auf Gams- und Muffelwild. Rehe dürfen bereits ab dem 1. Juni bejagt werden, während die Murmeltiere ab dem 15. August ihren Bau besser nicht verlassen sollten.

Die Hege und Pflege des Wildes ist für viele Jäger im Zillertal vorrangig.

Die Hege und Pflege des Wildes ist für viele Jäger im Zillertal vorrangig. Bild: W. Kräutler

Ich bin der Jagd lange Jahre äußerst kritisch gegenüber gestanden. Hatte geglaubt, viele Jäger wären nur auf die Trophäen aus. Meine Einstellung hat sich aber in der Zwischenzeit schon sehr geändert: ich habe viele Jäger kennen gelernt, für die ein Abschuss absolut nicht im Mittelpunkt steht. Die sich vielmehr der sogenannten Hege verpflichtet fühlen. Das geht soweit, dass Jäger in verschiedenen Gegenden zum Beispiel wieder Rauhfußhühner wie den Auerhahn ansiedeln und diese Gebiete gegen die Vereinnahmung des Menschen mit allen Mitteln schützen.

Man kann auch über die Sinnhaftigkeit der Winterfütterung von Wildtieren lamentieren. Fest steht, dass viele Wildtiere härtere Winter nicht überleben würden. Mit Recht wird jedoch die Fütterung der Hirsche mit Kraftfutter diskutiert. Dient dies doch vor allem der Entwicklung mächtiger Geweihe und ist quasi eine Voraussetzung für die „Trophäenjagd“. Ich möchte hier eine Lanze für jene Jäger brechen, denen Natur- und Tierbeobachtung und die Liebe zu den Bergen weit wichtiger ist als mächtige Geweihe an der Stubenwand.

„.Sie rückten ihm energisch zu Leibe…“

Wildfütterung im Winter

Wildfütterung im Winter. Bild: W. Kräutler

Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Oder: Gelegenheit macht Diebe. Das wissen die Jäger des Zillertales nur allzugut. Was Wunder, dass der „Jagddiebbstahl“ – also das Wildern – ob des Tierreichtums im Zillertal quasi zur Normalität gehört. Es vergeht keine Saison, in der nicht Wilderer gestellt werden. Den ersten Fang machte man heuer bereits im Mai. Gleich sechs Zillertaler wurden beim strafbaren Treiben ertappt. Die zwischen 17 und 23 Jahre alten Männer führen eine Tradition fort, die im Zillertal schon immer die kuriosesten Blüten getrieben hat.

Eines der historischen Epizentren der Wildererei im Zillertal war das heutige Bergsteigerdorf Ginzling. So vermeldete die Tiroler Presse am 21. August 1882 aufgeregt einen Vorfall, der offenbar einen Toten gefordert hatte. 

„In der vorigen Woche spürten drei fürstliche Auersperg´sche Jäger von Dornauberg in unmittelbarer Nähe der Tristenspitze einen Wilderer auf, welcher eben eine Gämse ausweidete. Sie rückten ihm energisch zu Leibe und einer der Jäger, namens Huber, vulgo Geiner Anderl, gegen den der Raubjäger einen Bergstock erhoben hatte, schlug ihn über eine abschüssige Berglehne hinab, die in einen senkrechten Felsabhang ausläuft. Seit der Zeit ist der Wilderer nicht mehr gesehen worden und man befürchtet, dass er am Fuße der Felswand vom Sturze sich nicht mehr erhoben haben dürfte. Die Untersuchung wird wohl in Bälde Licht über das dunkle Schicksal desselben verbreiten… Sein Verschwinden ist höchst rätselhaft.“

Die Floitenschlagstaude: Eine Frau als Wilderer-Legende

Das Bergsteigerdorf Ginzling war früher offenbar ein 'Epizentrum' der Wilderei.

Das Bergsteigerdorf Ginzling war früher offenbar ein ‚Epizentrum‘ der Wilderei. Bild: W. Kräutler

Aber das ist noch gar nichts gegen eine der berühmtesten Frauen des Zillertales: Elisabeth Lackner. Sie ist die wohl bekannteste aller Tiroler Wildschützen. Die „Staude“, wie sie genannt worden ist, wurde 1845 auf dem Floitenschlag hoch über Ginzling im hintersten Zillertal geboren und ging in die Tiroler Jagdgeschichte als Floitenschlagstaude ein.

„Staude“ erlernte das Wilderer-Handwerk quasi von der Pike auf. Ihr Vater nahm seine  gelehrige Tochter schon in frühester Jugend mit zum verbotenen Treiben. Sie heiratete einen doppelt so alten Mann, nämlich Josef Lackner. Elisabeth gebar 8 Kinder und musste Schicksalsschläge hinnehmen, die alles andere als normal waren: Drei Kinder starben an Diphtherie, eines wurde von der Ferkelsau gefressen, ein Knabe stürzte beim Heueinbringen ab und ein weiterer wurde von einer unbekannten Seuche hinweggerafft. Vor allem nach dem Tod ihres Gatten musste sie die Kleinen allein versorgen. Und da kam ihr das erworbene Jagdwissen gerade recht. Denn wer auf Floitenschlag wohnt, dem schauen die Gämsen zum Stubenfenster hinein, hieß und heißt es.

Elisabth Lackner vulgo 'Foitenschlagstaude' war die berühmteste Wildschützin Tirols.

Elisabth Lackner vulgo ‚Foitenschlagstaude‘ war die berühmteste Wildschützin Tirols.

Die Floitenschlagstaude fand auch immer wieder Mittel und Wege, einer Verhaftung zu entgehen. Einmal – so die Fama – sollte sie von Gendarmen verhaftet und abgeführt werden. Sie gab vor, sich erst umziehen zu müssen, legte sich indes nackt ins Bett. Worauf die Ordnungshüter unverrichteter Dinge abziehen mussten. Auch nachdem man ihr Gewehr und Munition abgenommen hatte fand die Frau noch Mittel und Wege, für ihre Kinder Fleisch auf den Tisch zu stellen. Gamsbraten war im Hause Lackner sicher nicht die Ausnahme von der Regel. Man sagte sogar, sie hätte Gämsen sogar vom Fensterbalken ihres Hauses aus erlegt.

Erst 2008 hat man sich im Zillertal besonnen, das Leben der Frau und ihren Kampf um’s Überleben zu würdigen. Martina Schwemberger gestaltete nach einer Vorlage von Wilhelm Hofer ein Bühnenstück, das von den Darstellern der Volksbühnen Mayrhofen und Tux in einer Freilichtaufführung Premiere hatte. Und erst kürzlich entstand ein Doku-Drama über diese Frau, die auch noch verbotenerweise in eine Männerdomäne eingedrungen war.

 

 

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In der Ferienregion Mayrhofen-Hippach haben Kultur & Tradition seit jeher einen hohen Stellenwert und werden in vielfältiger Weise gepflegt. Neben vielseitigen sportlichen Angeboten laden zahlreiche musikalische und kulinarische Schmankerl zum Lauschen, Feiern, Schlemmen und Genießen ein.

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