Nach der Arbeit in die Berge

Für viele sind die Bergretter Helden. Ulrich Huber und seine Bergretterkollegen aus Ginzling begeben sich in große Gefahr, um Menschenleben zu retten – ehrenamtlich! Sie machen das aus Leidenschaft und stoßen manchmal selbst an ihre Grenzen…
Schlegeisspeicher im Zillertal mit dem Zillertaler Hauptkamm

© Florian Albert

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Ulrich Hubers Hobby ist ein absoluter Psychokiller! Der Softwareentwickler und Familienvater führt auf den ersten Blick ein ganz normales Leben. Doch da gibt es noch seine besondere Leidenschaft, die ihn antreibt: Das Leben retten! Ulrich ist seit fast 20 Jahren Bergretter. Ehrenamtlich! Für seine Einsätze bekommt der Ortsstellenleiter aus Ginzling bei Mayrhofen kein Geld. Er macht das aus Eigeninitiative und Selbstwillen. Warum? „Wenn mir mal was passiert, bin ich auch froh, wenn mich jemand holt.“ Wow! Es gibt sie tatsächlich noch, die Menschen mit Superhelden-Charakter, die aus reiner Nächstenliebe handeln.

Ulrich Huber ist Obmann der Bergrettung Ginzling
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Bergrettungsübungen stehen oft am Programm. Sommer wie Winter im Zillertal.
© Bergrettung Ginzling
Bergrettungsübung im Zillertal
© Bergrettung Ginzling

Kräfteraubendes Ehrenamt

Der 47-Jährige ist ein ruhiger Charakter, bescheiden und absolut selbstkontrolliert. Dieser Mann weiß, was er tut. „Man muss halbwegs fit sein, um Anstiege von weit über 1000 Höhenmeter zu bewältigen“, sagt er. „Privat gehe ich Laufen, Bergsteigen oder Radfahren.“ In seinen 20 Jahren als Bergretter begleitete Ulrich mehrere Hundert Einsätze – demensprechend viele Leben hat er schon gerettet. Speziell in Ginzling haben wir in der Hauptsaison zwischen Mai und September circa 30 bis 40 Einsätze. Anders ist das im benachbarten Mayrhofen. Dort befindet sich die Stelle mit den meisten Einsätzen im Jahr. Denn in Mayrhofen sind zum Beispiel das Skigebiet und die vielen Mountainbike-Strecken dabei. Hier kommt das Bergrettungs-Team auf ungefähr 50 Einsätze jährlich.“ Ulrich und seine Kollegen helfen bei Verkehrsunfällen genauso, wie bei einem Gletscherspaltensturz oder Kletterunfällen. Und sie begleiten Wanderer, die sich verirrt haben, sicher ins Tal hinab. 

Schneefelder oberhalb des Schlegeisspeicher in Mayrhofen
© Florian Albert
Der Berliner Höhenweg dient als Einsatzort für die Bergrettung Ginzling
© Bergrettung Ginzling

26-stündiger Psychotrip am Berg

Manchmal stößt selbst der erfahrene Ulrich an seine Grenzen: Nach einem 26-Stunden-Einsatz ist auch ein passionierter Lebensretter müde. „Mein längster Einsatz war mein Schwierigster, weil ein 26-Stunden-Job nicht nur Kräfte raubt, sondern auch auf die Psyche geht“, erinnert sich Ulrich. „Mitte August kam überraschenderweise eine Kaltfront mit Schnee auf 3000 Meter. Zwei tschechische Wanderer wurde von der Kälte erwischt, einer stürzte in eine Spalte und brach sich das Bein. Keiner von beiden sprach ein Wort Deutsch oder Englisch. Die Sprachbarriere erschwerte unseren Einsatz enorm, weil wir nicht genau eingrenzen konnten, wo der Verletzte lag. Da kam schon die nächste Front und brachte über Nacht mehr als einen Meter Neuschnee. Wir waren die ganze Nacht unterwegs, bis wir den Verletzten nach 26 Stunden endlich bergen konnten. Lebend!“ Das verlangt einiges ab. Körperlich, wie geistig: „Nach einem stundenlangen Einsatz bin ich müde. Erst danach kommt das schöne Gefühl: Ich habe geholfen und ein Leben gerettet. Darum mache ich das!“ Ulrich kann Geschichten mit Gänsehautfeeling erzählen. Viele sehen ihn als Helden – doch genau das will der Bergretter nicht sein. „Helden gehören nicht hierher.“ Während der Einsätze muss Ulrich auf sich selbst achten und auch auf sein Team. Es geht ums Abwägen zwischen Leben und Tod, um die Erfahrung und ums richtige Entscheiden. „Inwiefern ist mein Handeln vertretbar?“

 

Weiterführende Links:

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