Trachtig en vogue

Ihre Mode geht um die Welt, doch sie wurzelt tief in Zillertaler Erde. Die Künstlerin, Modeschöpferin und unbändige Tiroler Adlerin, Margret Schiestl, im Interview über Mode, Kunst und Heimat.
Der Adler ist das Markenzeichen der Tiroler Adlerin

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Socialweb: Margret, du malst, du schreibst, du führst ein Mutter-Tochter-Unternehmen mit 8 Mitarbeiterinnen. Du belieferst Kunden aus der ganzen Welt und die Tiroler Adlerin ist wohl eine der coolsten Mode-Newcomer der vergangenen Jahre. Wie hast du das alles gemacht? 

Margret Schiestl: Ich bin hier im Zillertal auf einem kleinen Bauernhof geboren und wuchs praktisch zwischen Webstuhl, Hobelbank und Nähmaschine auf. Geld war nie viel da, deshalb war es wichtig kreativ zu sein aber auch anpacken zu können. Auf der Schule lernte ich Schnittzeichnen und Textilkunde. Später studierte ich in Wien Pädagogik. Zu dieser Zeit begann ich mich schon mit Kunst und Mode zu beschäftigen. Bis ein Artikel des international renommierten Künstlers Markus Lüpertz mein Leben komplett verändern sollte. Markus Lüpertz Gedanken waren für mich so faszinierend, dass ich beschloss, seinen Weg zu folgen und eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Ich bewarb mich um einen Studienplatz bei Lüpertz. Von über 200 Kandidaten wurden 20 aufgenommen und ich war dabei. Nach 6 Semestern hatte ich mein Diplom in der Tasche.

Tiroler Jacke im Adlerin-Stil, ein Must have in jedem Kleiderschrank
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Tiroler Adlerin in Ramsau im Zillertal
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Tiroler Adlerin in Ramsau im Zillertal
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Die Adlerin in ihrem Element

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SW: Wie wurdest du dann Modeschöpferin?

Margret: Die Kunstfigur Tiroler Adlerin entstand am 7. 7. 2007 auf einer Zugfahrt. Ich fuhr durch die Berge Tirols und entdeckte einen großen Vogel, der elegant seine Flügel schwang. Ich skizzierte und karikierte ihn und die Tiroler Adlerin war geboren.

Die Tiroler Adlerin: Mutig, stark und unabhängig, eine würdige Ergänzung zum Adler. Nur, dass sie als Kunstfigur auch ein paar Freiheiten genießen darf. Anfangs verkauften wir aus einem kleinen Laden heraus Kleidung und Heimtextilien. Ihren ersten größeren Auftritt hatte die TIROLER ADLERIN auf der ART DIDACTA in Innsbruck. Eine Woche lang arbeitete ich an einem Textilprojekt als Hommage an die historische Geierwally. Die Resonanz war so groß, dass ich beschloss, sowohl die Bild- als auch die Wortmarke international schützen und registrieren zu lassen. Nach ihrem BWL-Studium stieg meine Tochter Melanie ins Unternehmen ein und übernahm das Marketing. Besonders stolz bin ich darauf, dass mir 2010 als erster Frau überhaupt, der Jungunternehmerpreis der Wirtschaftskammer Tirol verliehen wurde – und das einstimmig. Die Adlerin hob ab und schon bald bekamen wir Anfragen aus der ganzen Welt für unser Design.

SW: Gibt es eigentlich den typischen Tiroler Adlerin Kunden?

Margret: Gute Frage! Wir haben Kunden aus den verschiedensten Ländern, Alters- und Berufsgruppen. Natürlich fühlen sich kreative und aufgeschlossene Kunden von unserem Label besonders angezogen. Wenn unsere Kunden jedoch eines gemeinsam haben, dann den Stolz auf die eigenen Wurzeln, geistige Offenheit und die Wertschätzung des Besonderen.

SW: Was macht eure Produkte so besonders?

Margret: Was wir auf keinen Fall wollen, ist beliebige Massenprodukte herzustellen, denn die Tiroler Adlerin steht für Wertschätzung und Achtsamkeit. Diese Wertschätzung zieht sich wie ein roter Faden durch unser Unternehmen und gilt dem Kunden, aber auch der Natur, der Heimat und den Menschen, die diese Produkte möglich machen. Jedes unserer Stücke ist ein Unikat und wird nach Maß und Kundenwunsch gefertigt. Wertschätzung und Achtsamkeit gelten jedoch auch für die verwendeten Materialien, weshalb wir ausschließlich Materialien aus heimischer Produktion bzw. fairtrade Produkte verarbeiten. Ein ganz zentraler Punkt ist auch die Achtung vor der gelebten Tradition: Unsere Designs sind inspiriert von der heimischen Kultur, aber zeitgemäß neuinterpretiert und an moderne Lebensentwürfe angepasst.


SW: Was bedeutet für dich Heimat und was sind deiner Meinung nach die besten Eigenschaften der Zillertaler?
Margret: Wenn ich uns Zillertaler loben darf, dann für unsere Ehrlichkeit und unsere ganz besondere Heimatverbundenheit. Dazu kommen unser Traditionsbewusstsein und die Offenheit für Neues. Heimat ist für mich ein Ort, den ich liebe und wo ich unter lieben Menschen bin. Das hat für mich auch sehr viel mit Wertschätzung gegenüber der Natur und den Mitmenschen zu tun. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass uns Zillertalern diese Wertschätzung lange erhalten bleibt.


SW: Hast du einen Tipp für angehende Modedesigner?

Margret: Ja, nämlich zu tun was man liebt, mit offenen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen und sich nicht vom eigenen Weg abbringen lassen. Denn nur wer selbst überzeugt ist, kann selbst überzeugen. Nur, wenn man tut was man liebt, hat man die Kraft, sich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für die eigene Idee und Firma zu engagieren. Das gilt aber glaube ich nicht nur für Modedesigner.